Kryptomärkte handeln durchgehend, Banküberweisungen ruhen nachts und am Wochenende. Für Großkunden der Kryptobörse Kraken fällt diese Hürde nun teilweise weg: Deren Mutterkonzern Payward nutzt das Echtzeitnetz der Singapore Gulf Bank (SGB), wie er am Montag mitteilte. Eingezahlte Dollar lassen sich damit sofort einsetzen. Den Anfang macht ein ausgewählter Kreis von Kunden aus Asien und den Golfstaaten.
Kraken-Betreiber Payward startet 24/7-Abwicklung für institutionelle Kunden

Das Wichtigste auf einen Blick
- Großkunden der Kraken-Mutter Payward können Dollar künftig auch nachts und am Wochenende einzahlen und sofort handeln; möglich macht das der Anschluss an eine Bank aus Bahrain.
- Der Start ist eng begrenzt: Dabei sind zunächst ausgewählte institutionelle Kunden aus asiatischen Ländern und den Golfstaaten, und abgewickelt wird nur der Dollar.
- Umgekehrt wird die Singapore Gulf Bank Kunde bei Kraken Prime, dem Dienst für professionelle Händler, und bezieht die Kurse für ihre Kunden später von Payward.
Geld soll so schnell sein wie der Handel
Technisch geht es um SGB Net, ein Netz der Bank für die Verrechnung staatlicher Währungen in Echtzeit. Institutionelle Kunden beider Häuser können darüber zu jeder Tageszeit Geld bewegen, auch an Tagen, an denen Banken geschlossen sind. So steht es in der Mitteilung von Payward zur Partnerschaft. Später wollen beide Seiten den Dienst auf andere Währungen ausdehnen und mehr Kunden zulassen.
Das Problem beschreibt Mark Greenberg, der bei Payward das Kundengeschäft verantwortet, so: „Börsen, Zahlungsanbieter, außerbörsliche Handelstische und Fintechs stoßen alle auf dieselbe Grenze des Bankensystems. Die Abwicklung endet mit dem Geschäftstag, ihre Märkte tun das nicht.“ Wie viele Kunden zum Start dabei sind und welche Summen fließen, nannten die Unternehmen nicht.
Die Bank aus Bahrain nutzt Kraken Prime
Die SGB ist trotz ihres Namens eine Digitalbank mit Volllizenz der Zentralbank von Bahrain. Zu den Anteilseignern gehören der bahrainische Staatsfonds Mumtalakat und die Whampoa Group aus Singapur. Ihr Netz ging 2025 in Betrieb und verarbeitet nach Angaben der Bank inzwischen mehr als 20 Milliarden Dollar im Monat.
Die Partnerschaft läuft in beide Richtungen. Die SGB schließt sich an Kraken Prime an, den Dienst von Payward für professionelle Händler, und bezieht dort Liquidität. Ihre eigenen Kunden sollen später zu Kursen handeln, die aus den Märkten von Payward stammen; angekündigt ist das für die nächsten Monate. Liquidität nütze nur, wenn Kunden ihr Geld dann bewegen könnten, wenn sie es brauchten, sagte SGB-Chef Shawn Chan.
Payward sucht den Anschluss an Banken
Für Payward ist die SGB ein weiterer Schritt aus dem reinen Börsengeschäft heraus. Im März erhielt die konzerneigene Bank Kraken Financial ein Hauptkonto bei der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und damit direkten Zugang zum Zahlungsverkehr der Fed. Mit der US-Digitalbank Sofi hat Payward bereits eine Partnerschaft für Zahlungen und Bankdienste geschlossen. Eine Woche später stieg der Börsenbetreiber Nasdaq mit 100 Millionen Dollar bei Payward ein, um Aktien als Token auf die Blockchain zu bringen.
Bei der SGB soll es nicht bleiben. Mit jeder regulierten Bank, die auf diesem Weg hinzukomme, rücke eine Welt näher, in der Abwicklung und grenzüberschreitende Zahlungen in Echtzeit abliefen, sagte Greenberg. Mit dem Vermögensverwalter Franklin Templeton hat Payward zudem eine Partnerschaft für Fonds auf der Blockchain vereinbart.
In Deutschland gilt für den Euro schon Echtzeit
In Deutschland stellt sich die Frage anders. Seit dem 9. Oktober 2025 müssen alle Banken im Euroraum Echtzeitüberweisungen rund um die Uhr senden und empfangen, an jedem Kalendertag und binnen zehn Sekunden. Kraken nimmt solche Überweisungen an, begrenzt sie laut seinen Angaben zum Zahlungspartner Banking Circle aber auf 100.000 Euro je Transaktion und weist auf mögliche Verzögerungen durch Prüfungen hin. SGB Net ist dagegen ein geschlossenes Netz innerhalb einer Bank, das Payward ausgewählten Großkunden für Dollar öffnet. Für Geschäfte auf der Blockchain gibt es seit Juli 2025 zudem EURAU, den Euro-Stablecoin des Frankfurter Anbieters Allunity, der mit Bafin-Lizenz ausgegeben wird und sich an Finanzinstitute und Unternehmen richtet.
In der Schweiz gibt es das Modell seit 2024
An Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz richtet sich das Angebot vorerst nicht. Ein solches Netz gibt es im deutschsprachigen Raum allerdings schon: Sygnum Connect, im Juli 2024 von der Schweizer Kryptobank Sygnum gestartet, verbucht Zahlungen professioneller Kunden ebenfalls ohne Pause. Auf diese Parallele wies das Portal Bitcoinnews.ch in seiner Einordnung für die Schweiz hin.















