Der digitale Euro bleibt auf Kurs für eine mögliche erste Ausgabe im Jahr 2029. Das bekräftigte EZB-Direktor Piero Cipollone am 5. November in einer Rede in Tirana. Zugleich ist die Notenbank bei tokenisierten Wertpapieren schon weiter: Über ihre Plattform Pontes wickelte das Eurosystem kürzlich eine Anleihe über 1 Milliarde Euro ab, die auf einer Blockchain ausgegeben wurde.
Digitaler Euro: 2029 bleibt Ziel, Deutsche Bank im Pilot

Das Wichtigste auf einen Blick
- EZB-Direktor Piero Cipollone hält am Zeitplan fest: Steht das Gesetz bis Ende 2026, könnte der digitale Euro 2029 erstmals ausgegeben werden.
- Am Pilot ab der zweiten Jahreshälfte 2027 nehmen 36 Zahlungsdienstleister teil, aus Deutschland unter anderem Deutsche Bank und DZ Bank, aus Österreich Bawag und RBI.
- Über die Plattform Pontes hat das Eurosystem bereits eine Anleihe über 1 Milliarde Euro auf der Blockchain in Zentralbankgeld abgewickelt.
Digitaler Euro: Gesetz bis Jahresende, Ausgabe 2029
Die EU-Staaten hatten ihre Position zum digitalen Euro im Dezember 2025 festgelegt, das Europäische Parlament im Juli 2026. Seitdem verhandeln beide Seiten mit der Kommission. Der Europäische Rat hat gefordert, die Gespräche bis Ende dieses Jahres abzuschließen. Gelingt das, will die EZB laut Cipollone in ihrer Rede 2029 für eine erste Ausgabe bereit sein.
Vorher steht ein Pilot an. Er beginnt in der zweiten Jahreshälfte 2027 und dauert zwölf Monate. Getestet wird eine Vorabversion ohne Status als gesetzliches Zahlungsmittel, bezahlen dürfen damit zunächst Beschäftigte der EZB und von 19 nationalen Notenbanken, darunter die Bundesbank und die Oesterreichische Nationalbank. Aus mehr als 50 Bewerbungen hat die EZB 36 Zahlungsdienstleister ausgewählt. Aus Deutschland sind Deutsche Bank, DZ Bank, Helaba, Payone und RS2 Financial Services dabei, aus Österreich Bawag P.S.K. und Raiffeisen Bank International.
Was der digitale Euro können soll
Der digitale Euro wäre digitales Bargeld der Notenbank, nutzbar im Geschäft, online und zwischen Privatpersonen. Er soll auch ohne Internetverbindung funktionieren. Offline kennen laut Cipollone nur Zahler und Empfänger die Details einer Zahlung, online wüsste das Eurosystem nicht, wer bezahlt. Ähnlich hatte sich zuletzt die Bundesbank zum Datenschutz geäußert. Die Grundnutzung wäre für Verbraucher kostenlos. Zinsen gäbe es nicht, und Guthaben wären je Person begrenzt. Durchgerechnet hat die EZB Obergrenzen von 500 bis 3.000 Euro, entschieden ist die Höhe noch nicht. Beträge darüber würden automatisch auf ein verbundenes Bankkonto fließen.
Cipollone begründet das Projekt auch mit Abhängigkeiten. 13 Länder des Euroraums seien beim Bezahlen mit Karte im Geschäft vollständig auf Unternehmen außerhalb Europas angewiesen. Bargeld soll der digitale Euro nicht ersetzen. Über die Gestaltung neuer Euro-Banknoten will der EZB-Rat gegen Ende dieses Jahres entscheiden, in Umlauf kommen sollen sie ab Anfang der 2030er-Jahre.
Pontes: Zentralbankgeld für Token-Anleihen
Für den Großhandel ist das Eurosystem schon einen Schritt weiter. Seit dem 21. September verbindet Pontes Handelsplattformen auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) mit den Target-Diensten der Notenbanken. Geschäfte mit tokenisierten Wertpapieren lassen sich damit in Zentralbankgeld abwickeln. Ende Oktober lief darüber eine Anleihe des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) über 1 Milliarde Euro, die direkt auf einer Blockchain ausgegeben wurde. Rund um die Uhr soll Pontes ab 2028 laufen.
Stablecoins und tokenisierte Bankeinlagen könnten dabei „nützliche Rollen spielen“, sagte Cipollone. Zentralbankgeld biete aber eine risikofreie, endgültige Abwicklung.
„Es stellt sicher, dass ein Euro ein Euro bleibt, unabhängig von Emittent, Form oder zugrunde liegender Technologie.“
Mit dem Projekt Appia will das Eurosystem bis 2028 einen Bauplan für einen einheitlichen Markt tokenisierter Finanzwerte vorlegen. In Deutschland hat die Bafin zuletzt der Börse Stuttgart eine DLT-Lizenz erteilt.
Sofortzahlungen bis in die Schweiz
Auch Überweisungen über Landesgrenzen sollen schneller werden. Das Sofortzahlungssystem Tips des Eurosystems wickelt neben Euro bereits schwedische und dänische Kronen ab, norwegische und isländische Kronen sollen folgen. Die EZB arbeitet an einer Verbindung zum indischen System UPI und prüft Anbindungen an die Sofortzahlungssysteme der Schweiz und Brasiliens. Kommt eine solche Verbindung zustande, könnten Überweisungen zwischen der Schweiz und dem Euroraum in Echtzeit ankommen, ohne dass Kunden ihre Bank wechseln müssen.
Über den Autor
GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser
Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.
















