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ESM, Bundesbank und Clearstream: Digitale Anleihe über 1 Milliarde Euro

Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) hat zum ersten Mal eine Anleihe auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) begeben. Das Papier über 1 Milliarde Euro ist die erste digitale Benchmark-Anleihe eines europäischen supranationalen Emittenten, die über Pontes abgewickelt wird, die neue DLT-Plattform des Eurosystems. Bezahlt wird direkt in Zentralbankgeld. Beteiligt sind die Bundesbank und die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream.

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ESM, Bundesbank und Clearstream: Digitale Anleihe über 1 Milliarde Euro

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) hat seine erste digitale Benchmark-Anleihe über 1 Milliarde Euro begeben, abgewickelt über die Eurosystem-Plattform Pontes.
  • Die Bundesbank begleitet die Ausgabe und steuert den Geldfluss, Clearstream erzeugt das Papier auf seiner DLT-Plattform D7; gezahlt wird direkt in Zentralbankgeld.
  • Die Anleihe soll in Luxemburg notiert und als Sicherheit für Geschäfte mit dem Eurosystem sowie bei der Deutsche-Börse-Tochter Eurex zugelassen werden.

Wer was übernimmt

Die Bundesbank begleitet die Emission und dient als Zahlstelle, wie sie am Montag mitteilte. Um diese Rolle zu übernehmen, ist die Notenbank Pontes selbst beigetreten. Clearstream erzeugt und verwaltet die digitale Anleihe auf seiner Plattform D7 für tokenisierte Wertpapiere. Dort tauschen Käufer und Verkäufer Anleihe und Geld Zug um Zug, die Zahlung läuft über Pontes in das Großbetragszahlungssystem T2 des Eurosystems. Beraten wurde der ESM von der DZ Bank und der Société Générale.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sprach von einem wichtigen Schritt, um DLT in die europäische Finanzmarktinfrastruktur einzubinden. Ausgabe und Abwicklung von Wertpapieren ließen sich damit effizienter organisieren. Für Clearstream-Chefin Stephanie Eckermann, die auch im Vorstand der Deutsche Börse Group sitzt, ist digitales Zentralbankgeld im Geschäft zwischen Institutionen damit „operative Realität“ geworden.

Brücke zur klassischen Börsenwelt

Die digitale Anleihe bleibt nicht in ihrer eigenen Welt. Über ein hybrides Modell von Clearstream lässt sie sich aus der D7-Umgebung in die herkömmliche Infrastruktur übertragen und dort über die Wertpapierplattform T2S des Eurosystems abwickeln. Notiert werden soll das Papier an der Luxemburger Börse.

Zudem soll die Anleihe als Sicherheit für geldpolitische Geschäfte im Eurosystem zugelassen werden. Erwartet wird außerdem, dass Eurex Clearing die Anleihe als Sicherheit annimmt und Eurex Repo sie in ihre Standardkörbe für besicherte Geldgeschäfte aufnimmt. Das soll den Handel nach der Emission beleben und mehr Anleger erreichen. ESM-Chef Pierre Gramegna sieht darin einen Beitrag, die internationale Rolle des Euro zu stärken.

Pontes seit September in Betrieb

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken des Euroraums hatten Pontes am 21. September in Betrieb genommen. Über die Plattform können Banken und Marktinfrastrukturen Geschäfte mit tokenisierten Wertpapieren in Zentralbankgeld abwickeln. Zum Start bietet Pontes nur Grundfunktionen, weitere Dienste und längere Betriebszeiten sollen schrittweise folgen, vollständig umgesetzt bis 2028.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte Ende August betont, Zentralbankgeld müsse auf die Blockchain. Tokenisierung bringe nur dann Vorteile, wenn das sicherste Zahlungsmittel auf derselben Ebene verfügbar sei. Stablecoins fehle dagegen die Fähigkeit, in Krisen rasch Liquidität bereitzustellen. Auch in Deutschland kommt die Technik voran, zuletzt erhielt die Börse Stuttgart eine DLT-Lizenz der Bafin.

Der ESM wurde 2012 gegründet, um Euroländern in Finanznot zu helfen. Er kann bis zu 500 Milliarden Euro an Krediten vergeben und finanziert sich über Anleihen am Kapitalmarkt.