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Isabel Schnabel: EZB-Direktorin warnt vor Dollar-Stablecoins

Isabel Schnabel hat Europa vor einer zu großen Abhängigkeit von Stablecoins in fremder Währung gewarnt. Solche Token könnten die Währungssouveränität untergraben und Risiken für die Finanzstabilität schaffen, sagte die EZB-Direktorin am 5. November auf der Geldmarktkonferenz der Notenbank in Frankfurt. In der Rede zog sie Bilanz ihrer Zeit bei der EZB, die sie im Januar verlässt, um zum Internationalen Währungsfonds (IWF) zu wechseln.

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Isabel Schnabel: EZB-Direktorin warnt vor Dollar-Stablecoins

Das Wichtigste auf einen Blick

  • EZB-Direktorin Isabel Schnabel warnte am 5. November vor einer übermäßigen Abhängigkeit Europas von Stablecoins, die auf fremde Währungen lauten.
  • Solche Stablecoins könnten laut Schnabel die Währungssouveränität untergraben, der digitale Euro sowie Blockchain-Technik und Tokenisierung sollen Europa davor schützen.
  • Schnabel tritt am 3. Januar 2027 zurück und wird am Tag darauf beim Internationalen Währungsfonds Direktorin der Abteilung Geld- und Kapitalmärkte.

Isabel Schnabel zieht Bilanz nach sieben Jahren

Den größten Teil ihrer Rede widmete Schnabel den Lehren aus sieben Jahren Geldpolitik, von der Phase zu niedriger Inflation bis zum schnellsten Straffungszyklus in der Geschichte der EZB. Notenbanken sollten sich nicht zu fest an Zusagen binden, die von einem bestimmten wirtschaftlichen Umfeld abhängen, lautete eine ihrer vier Lehren. Regierungen riet sie, dem Drängen auf eine Deregulierung des Bankensektors zu widerstehen. Im weniger regulierten Nichtbankensektor erforderten Hebel, die Abhängigkeit von kurzfristiger Finanzierung und Verflechtungen in zentralen Märkten nach ihren Worten eine stärkere Aufsicht.

Auf Stablecoins kam Schnabel im Abschnitt über die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sprechen. Die EZB leiste ihren Beitrag, indem sie den digitalen Euro einführe und die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) sowie die Tokenisierung nutze, um die Finanzmärkte für Großkunden zukunftsfest zu machen, die Zersplitterung zu verringern und die Umsetzung der Geldpolitik zu modernisieren. Dann sagte sie:

„Diese Bemühungen werden die strategische Autonomie unterstützen und dazu beitragen, Europa vor einer übermäßigen Abhängigkeit von Stablecoins in Fremdwährung zu schützen, die die Währungssouveränität untergraben und Risiken für die Finanzstabilität schaffen könnten.“

Warum Dollar-Stablecoins die EZB beunruhigen

Ausführlich hatte Schnabel ihre Sorge Anfang Juni bei einer Konferenz der Bank of Korea in Seoul begründet. Den Stablecoin-Markt bezifferte sie damals auf knapp 300 Milliarden Dollar (rund 268 Milliarden Euro). Rund 90 Prozent davon entfielen auf USDT von Tether und USDC von Circle, Euro-Stablecoins kamen zusammen nur auf etwa 500 Millionen Euro. Die wachsende Nutzung von Stablecoins könne die internationale Vorherrschaft des Dollar weiter festigen, sagte Schnabel, und zwar nicht unbedingt wegen stärkerer wirtschaftlicher Grundlagen, sondern wegen Netzwerkeffekten, Größe und des Vorsprungs der ersten Anbieter. Für Europa könne das die Rolle des Euro in der tokenisierten Finanzwelt begrenzen.

Hinzu kämen Risiken für die Finanzstabilität. Wie Geldmarktfonds könnten Stablecoins einen Ansturm von Anlegern erleben, die ihr Geld zurückwollen, und Notverkäufe ihrer Reserven auslösen. Tether halte Teile seiner Reserven in vergleichsweise illiquiden und riskanten Anlagen wie Rohstoffen, Krediten und Kryptowerten. Unter der EU-Verordnung MiCA zugelassene Stablecoins müssen dagegen mindestens 30 Prozent ihrer Reserven als Bankeinlagen halten, signifikante Stablecoins 60 Prozent.

Zentralbanken könnten diesen Entwicklungen nicht passiv zusehen, folgerte Schnabel. Beim Symposium in Jackson Hole legte sie Ende August nach: Zentralbankgeld müsse selbst auf die Blockchain, denn als sichere Grundlage für die Abwicklung könnten Stablecoins es nicht ersetzen.

Cipollone: Zentralbankgeld bleibt der Anker

Am selben Tag wie Schnabel sprach EZB-Direktor Piero Cipollone in Tirana über die Zukunft des Geldes. Stablecoins und tokenisierte Bankeinlagen könnten nützliche Rollen spielen, sagte er in seiner Rede. Zentralbankgeld biete aber eine risikofreie, endgültige Abwicklung und einen gemeinsamen Bezugspunkt, in den sich privates Geld zum Nennwert umtauschen lasse.

Am Zeitplan für den digitalen Euro hält die EZB laut Cipollone fest. Ist das Gesetzgebungsverfahren bis Ende 2026 abgeschlossen, will die Notenbank 2029 für eine mögliche erste Ausgabe bereit sein. Dieses Ziel hatte Cipollone bereits früher genannt.

Euro-Stablecoins: Banken aus Deutschland und Österreich bei Qivalis

Wie klein der Markt für Euro-Stablecoins ist, zeigen auch Zahlen der Bafin, auch wenn die Angaben je nach Datenquelle schwanken. In ihrem Bericht „Risiken im Fokus 2026“ bezifferte die Finanzaufsicht die Marktkapitalisierung sämtlicher Euro-Stablecoins am 4. Dezember 2025 auf nur 674 Millionen Dollar (rund 601 Millionen Euro), obwohl sie sich binnen eines Jahres nahezu verdoppelt hatte. Allein USDT kam auf rund 185 Milliarden Dollar (rund 165 Milliarden Euro).

Europäische Banken wollen das ändern. Das Konsortium Qivalis, hinter dem 37 Banken aus 15 Ländern stehen, gab am 14. Oktober bekannt, von der niederländischen Zentralbank die Zulassung als E-Geld-Institut erhalten zu haben. Aus Deutschland sind DZ Bank, Dekabank und Helaba beteiligt, aus Österreich Erste Group und Raiffeisen Bank International. Ausgeben will Qivalis seinen Euro-Stablecoin in den kommenden Monaten, sofern die Vorgaben von MiCA erfüllt sind und das Whitepaper veröffentlicht ist.

Auch außerhalb der Banken wächst das Interesse an Euro-Token. Anfang Oktober gründeten elf Unternehmen, darunter Swissborg aus der Schweiz, LCX aus Liechtenstein und Assetera aus Wien, ein Bündnis für den Euro-Stablecoin EURØP.

Schnabel wechselt im Januar zum IWF

Isabel Schnabel tritt laut EZB am 3. Januar 2027 von ihrem Amt zurück, knapp ein Jahr vor dem Ende ihrer achtjährigen Amtszeit. Am folgenden Tag wird sie beim IWF Finanzberaterin und Direktorin der Abteilung Geld- und Kapitalmärkte. Bis dahin bleibt sie Mitglied des Direktoriums und des EZB-Rats, mit Angelegenheiten des IWF wird sie in dieser Zeit nicht befasst. Ihre Nachfolge regelt der Europäische Rat.

Über den Autor

GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser

Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.