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EZB-Direktoriumsmitglied Cipollone peilt digitalen Euro für 2029 an

Die Europäische Zentralbank (EZB) bekräftigt ihren Zeitplan für den digitalen Euro: Wird das EU-Gesetz bis Ende 2026 verabschiedet, will sie 2029 für eine erste Ausgabe bereit sein. Das sagte Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums und Vorsitzender der Taskforce des Eurosystems zum digitalen Euro, am Dienstag in einer Rede bei einem Webcast des Finanznachrichtendienstes MNI. Für Guthaben in digitalen Euro ist eine Obergrenze je Person vorgesehen; durchgerechnet hat die EZB Beträge von 500 bis 3.000 Euro.

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EZB-Direktoriumsmitglied Cipollone peilt digitalen Euro für 2029 an

Das Wichtigste auf einen Blick

  • EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone bekräftigte am Dienstag den Zeitplan: Steht das EU-Gesetz bis Ende 2026, will die EZB 2029 für eine erste Ausgabe des digitalen Euro bereit sein.
  • Guthaben sollen je Person begrenzt und nicht verzinst werden; durchgerechnet hat die EZB Obergrenzen von 500 bis 3.000 Euro, entschieden ist die Höhe laut Cipollone nicht.
  • Das Pilotprojekt mit 36 Zahlungsdienstleistern soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen und läuft auch bei den Zentralbanken in Deutschland und Österreich.

Gesetz bis Jahresende, Pilotprojekt 2027, Ausgabe 2029

Der digitale Euro wäre eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) für den Alltag: Zentralbankgeld, mit dem sich im Laden, im Netz und zwischen Privatleuten zahlen lässt, auch ohne Internetverbindung. Ob er kommt, entscheidet der EZB-Rat laut Cipollones Rede vom Dienstag erst, wenn das Gesetz verabschiedet ist. Der Rat der EU hat seine Position im Dezember 2025 festgelegt, das Europäische Parlament im Juli 2026. Seither verhandeln beide mit der EU-Kommission im sogenannten Trilog. Der Europäische Rat habe gefordert, die Gespräche bis Jahresende abzuschließen, sagte Cipollone.

Die Technik wird parallel vorbereitet. Das Pilotprojekt zum digitalen Euro soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen und zwölf Monate dauern. Die EZB hat dafür 36 Zahlungsdienstleister aus mehr als 50 Bewerbern ausgewählt. Getestet wird bei der EZB und bei 19 nationalen Zentralbanken, darunter in Deutschland und Österreich. Zum Einsatz kommt eine Beta-Version, die noch kein gesetzliches Zahlungsmittel ist.

EZB rechnet Obergrenzen von 500 bis 3.000 Euro durch

Der digitale Euro sei als Zahlungsmittel gedacht, nicht als Geldanlage, sagte Cipollone. Guthaben würden nicht verzinst und je Person begrenzt. Wer mehr zahlen will, als er in digitalen Euro hält, soll den Rest automatisch von einem verknüpften Bankkonto abbuchen lassen können. Umgekehrt flössen eingehende Beträge oberhalb der Grenze auf dieses Konto.

Wie hoch die Grenze ausfällt, ist offen. Auf Wunsch des Europäischen Parlaments hat die EZB Obergrenzen von 500 bis 3.000 Euro an den Bilanzen von 2.025 Banken durchgerechnet. Bei 3.000 Euro sänke die Liquiditätsdeckungsquote der Banken, eine Kennzahl für kurzfristig verfügbare Mittel, im Normalfall insgesamt von 166 auf 163 Prozent. Selbst in einem Krisenszenario mit Flucht in sichere Anlagen fiele sie nur bei 13 Banken auf die Mindestmarke von 100 Prozent; auf diese Institute entfallen 0,3 Prozent der Bilanzsumme des Sektors. „Die Zahlen dienen der Veranschaulichung und sind keine Entscheidung über die spätere Obergrenze“, sagte Cipollone.

Er fügte hinzu, Sparer könnten ihre Einlagen schon jetzt jederzeit zu anderen Anbietern verlagern, wo sie verzinst, unbegrenzt oder in Fremdwährung gehalten würden.

Zwei Drittel der Kartenzahlungen laufen über internationale Systeme

Cipollone begründete das Vorhaben mit der Abhängigkeit Europas: Zwei Drittel der Kartenzahlungen im Euroraum liefen über internationale Kartensysteme, 13 der 21 Euroländer hätten kein eigenes. Als gesetzliches Zahlungsmittel würde der digitale Euro überall angenommen, wo digital bezahlt werden kann. Die EZB selbst träte nicht gegenüber Kunden auf; Banken und andere Zahlungsdienstleister sollen ihn ausgeben und die Konten führen. Gebühren für die Abwicklung will das Eurosystem nicht erheben.

Ende September rief die EZB zudem zu einer neuen Testrunde mit Marktteilnehmern auf. Erprobt werden sollen unter anderem elektronische Kassenbelege und bedingte Zahlungen; ein zweiter Strang untersucht Zahlungen durch KI-Anwendungen. Kritiker befürchten dagegen, ein staatlicher digitaler Euro könne zur Kontrolle von Zahlungen genutzt werden. Anfang Oktober warnte Cardano-Gründer Charles Hoskinson vor einer solchen Zahlungskontrolle.

Pontes: Sechs deutsche Institute unter den ersten Nutzern

Der zweite Teil der Rede galt dem Großkundengeschäft zwischen Banken. Seit dem 21. September können sie Geschäfte mit tokenisierten Vermögenswerten über den Dienst Pontes in Zentralbankgeld abwickeln. Tokenisiert heißt: Wertpapiere werden als digitale Token auf einer Distributed-Ledger-Technologie (DLT) geführt. Unter den ersten 13 Marktteilnehmern sind laut der Mitteilung der EZB zum Start von Pontes sechs deutsche Institute: Bayern-LB, Deutsche Bank, Dekabank, DZ Bank, die Förderbank KfW und NRW.Bank. Auch die Deutsche Bundesbank ist angebunden. Bis Mitte 2028 soll Pontes rund um die Uhr laufen.

Parallel arbeitet die EZB unter dem Namen Appia an einem Fahrplan für einen europäischen Markt tokenisierter Finanzprodukte; eine Blaupause soll 2028 vorliegen. Beide Vorhaben sollen nach Cipollones Worten verhindern, dass Europas Banken von fremder Infrastruktur oder von Abwicklungsgeld in Fremdwährung abhängig werden. Bitcoin.com News hatte über den Start von Pontes am 21. September berichtet.