Die Börse Stuttgart Group darf Wertpapiere künftig auf der Blockchain abwickeln. Die Finanzaufsicht Bafin hat der Gruppe eine Lizenz als DLT Trading and Settlement System (DLT TSS) erteilt, also für ein System, das Handel und Abwicklung tokenisierter Wertpapiere in einer Infrastruktur vereint. Gedacht ist die Lizenz für Seturion: Über die Plattform sollen Finanzhäuser aus ganz Europa ihre Wertpapiergeschäfte auf der Blockchain abwickeln.
Bafin erteilt Börse Stuttgart DLT-Lizenz: Wertpapiere per Blockchain

Key Takeaways
- Die Börse Stuttgart Group hat als erste Börsengruppe in Europa von der Bafin eine Lizenz nach dem EU-Pilotregime für Distributed-Ledger-Technologie erhalten.
- Damit darf die Tochter Seturion tokenisierte Wertpapiere auf der Blockchain handeln und abwickeln; Banken, Broker und Handelsplätze können sich ab sofort anbinden.
- In der Schweiz betreibt Seturion bereits das Handelssystem Seturionx, in Deutschland arbeitet die Gruppe bei der Krypto-Verwahrung für die Sparkassen mit der Dekabank zusammen.
Die Lizenz kam über drei Behörden
Die Lizenz ist die erste ihrer Art für eine Börsengruppe in Europa, wie die Börse Stuttgart Group am Dienstag mitteilte. Ausgestellt hat sie die Bafin, beteiligt am Prüfverfahren waren auch die EU-Wertpapieraufsicht Esma und die Europäische Zentralbank (EZB). Konzernchef Matthias Voelkel sieht darin eine „Vorreiterrolle für den digitalen Kapitalmarkt der Zukunft“ und einen Schritt hin zu einem einheitlichen europäischen Kapitalmarkt.
Rechtsgrundlage ist das DLT-Pilotregime der EU. Es gilt seit März 2023 und erlaubt Marktbetreibern, tokenisierte Wertpapiere unter Auflagen und mit Ausnahmen von bestehenden Vorschriften über eine Blockchain zu handeln und abzuwickeln. Bislang nutzen nur wenige Anbieter diesen Rahmen. In Deutschland hatte die Bafin bereits im Dezember 2024 dem Frankfurter Unternehmen 21X eine solche Lizenz erteilt.
Was Seturion verspricht
Seturion soll die zersplitterte Abwicklung nach dem Handel in Europa bündeln. Die Plattform arbeitet mit öffentlichen und privaten Blockchains und kann Geschäfte gegen Geld auf der Blockchain wie gegen Zentralbankgeld abwickeln. Banken und Broker könnten so nach Angaben der Gruppe bis zu 90 Prozent der Kosten sparen und Wertpapiergeschäfte deutlich schneller abschließen, weil die Parteien direkt miteinander abrechnen.
Für Handelsplätze hat das Modell einen weiteren Vorteil: Wer sich anschließt, kann tokenisierte Werte anbieten, ohne selbst eine DLT-Lizenz zu beantragen. Mit an Bord sind bislang der Onlinebroker Flatexdegiro, der Börsenbetreiber Nasdaq sowie die französische Großbank Société Générale samt ihrer Digitaltochter SG Forge. Société Générale will über Seturion etwa tokenisierte Hebelprodukte und Zertifikate ausgeben, über Flatexdegiro sollen Aufträge von Privatanlegern hinzukommen.
Gerade die Abwicklung in Zentralbankgeld ist für Banken entscheidend. Seit dem 21. September bietet die EZB dafür den Dienst Pontes an, auf den auch die Esma bei tokenisierten Sicherheiten setzt.
Schweizer Ableger seit September unter neuem Namen
In der Schweiz ist die Gruppe schon einen Schritt weiter. Unter dem Namen Seturionx läuft dort bereits ein Handelssystem für tokenisierte Werte, für das die Finanzmarktaufsicht Finma eine Lizenz erteilt hat. Bis Mitte September trat es als BX Digital auf, seither firmiert die Betreibergesellschaft als Seturion AG. Bezahlt wird in Franken, über eine Anbindung an das Zahlungssystem der Schweizerischen Nationalbank (SNB), wie aus der Mitteilung zur Umbenennung hervorgeht.
Börse Stuttgart als Krypto-Dienstleister
Kein anderer Börsenkonzern in Europa ist nach eigener Darstellung so stark im Krypto- und Digitalgeschäft wie die Stuttgarter Gruppe. Auch Banken greifen darauf zurück. Wenn Sparkassenkunden über ihre App Kryptowerte kaufen, verwahrt die Dekabank die Coins in Kooperation mit der Börse Stuttgart. Mit Seturion kommt nun die Infrastruktur für tokenisierte Wertpapiere hinzu.















