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Bundesbank zum digitalen Euro: Kein gläserner Bürger, kein Gutschein-Geld

Die Bundesbank will Bedenken gegen den digitalen Euro ausräumen. Vorstandsmitglied Lutz Lienenkämper versicherte am Mittwoch in Stuttgart, dass das Eurosystem einzelne Nutzer nicht anhand ihrer Zahlungen identifizieren könne. Zudem lasse sich mit dem digitalen Euro nicht vorschreiben, wofür er ausgegeben wird.

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Bundesbank zum digitalen Euro: Kein gläserner Bürger, kein Gutschein-Geld

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bundesbank-Vorstand Lutz Lienenkämper hat am Mittwoch in Stuttgart zwei verbreitete Sorgen beim digitalen Euro zurückgewiesen: den gläsernen Bürger und programmiertes Geld.
  • Das Eurosystem könne einzelne Nutzer nicht aus Zahlungsdaten erkennen, offline blieben die Daten bei den Beteiligten; der digitale Euro sei „Geld, kein Gutschein“.
  • Händler können sich noch bis zum 27. Oktober für den Pilotbetrieb ab der zweiten Jahreshälfte 2027 bewerben, ausgegeben werden könnte der digitale Euro frühestens 2029.

Zwei Sorgen, zwei Zusagen

„Ein digitaler Euro ist Geld, kein Gutschein“, sagte Lienenkämper in seiner Rede bei einem Festakt der Bundesbank-Hauptverwaltung in Baden-Württemberg. Eine Vorgabe, wofür man ihn ausgeben darf, sei nicht vorgesehen. Die Sorge vor programmierbarem Zentralbankgeld ist auch in der Kryptoszene ein verbreitetes Argument gegen digitale Zentralbankwährungen (CBDC).

Neben dieser Befürchtung begegne ihm am häufigsten die Angst vor dem gläsernen Bürger, so Lienenkämper. Auch hier legte er sich fest: Wer offline bezahlt, hinterlasse bei Dritten gar keine Daten. Generell könne das Eurosystem einzelne Personen nicht anhand von Zahlungsdaten erkennen.

Pilot ab 2027, Ausgabe frühestens 2029

Gedacht ist der digitale Euro als digitales Gegenstück zum Bargeld. Er soll im ganzen Euroraum akzeptiert werden, in den Grundfunktionen kostenlos sein und auch offline sowie direkt zwischen Personen funktionieren. Das Bargeld ersetzen soll er nicht.

Das Europäische Parlament hatte im Juli seine Position zum digitalen Euro beschlossen, seither verhandelt es mit den Mitgliedstaaten. Unterdessen läuft die Vorbereitung auf einen Testbetrieb. Starten soll er in der zweiten Jahreshälfte 2027; Händler, die online oder per App verkaufen, haben noch bis zum 27. Oktober Zeit für eine Bewerbung. Eine erste Ausgabe hält Lienenkämper frühestens 2029 für möglich, sofern der Gesetzgeber bis dahin die Grundlage schafft. Auch die EZB nennt dieses Ziel und hat für den Start Obergrenzen von 500 bis 3.000 Euro je Person durchgerechnet.

Bargeld verliert, Abhängigkeit wächst

Den Bedarf begründet die Bundesbank mit dem Zahlungsverhalten. 2025 wurden erstmals mehr Einkäufe unbar als bar bezahlt, nämlich 55 Prozent nach 49 Prozent im Jahr 2023, wie die Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten zeigt. Zugleich halten 63 Prozent der Befragten mehr Unabhängigkeit Europas im Zahlungsverkehr für nötig.

Bei einem Großteil des digitalen Bezahlens in Europa sitzen die Anbieter nach Lienenkämpers Worten nicht in Europa. Wer Zugang erhält, welche Geschäftsmodelle gelten und welche Gebühren anfallen, bestimmten daher andere. Für Zahlungen quer durch den Euroraum fehle zudem ein gemeinsames Verfahren: Die Girocard tauge nur im Inland, Wero gebe es erst in wenigen Ländern. Als Beispiel für die Verwundbarkeit nannte er den Stromausfall in Spanien und Portugal im April 2025, als weder Kartenterminals noch Geldautomaten funktionierten.

Viele kennen den Namen, wenige das Konzept

Aufklärung bleibt nötig. Bekannt ist der digitale Euro zwar 42 Prozent der Bundesbürger, erklären kann ihn laut Lienenkämper aber nur jeder Vierte davon. Wer den digitalen Euro verstehe, würde ihn nach internen Untersuchungen der Bundesbank deutlich häufiger nutzen.

Mit privaten Kryptowerten hat der digitale Euro wenig gemein. Er wäre Zentralbankgeld, ausgegeben vom Eurosystem, während Stablecoins von privaten Firmen stammen. Diese sieht die EZB skeptisch, Präsidentin Christine Lagarde bezeichnete Euro-Stablecoins im Mai als Risiko für die Finanzstabilität.