In seinem ersten Interview seit dem Binance-Hack, bei dem Kryptowerte im Rekordwert von rund 6,3 Milliarden Dollar (rund 5,6 Milliarden Euro) gestohlen wurden, hat Binance-Gründer Changpeng Zhao gewarnt: Künstliche Intelligenz (KI) treibe Cyberangriffe schneller voran, als Finanzunternehmen ihre Abwehr verstärken könnten. Zudem forderte der frühere Firmenchef staatliche Unterstützung und eine Sicherheitsallianz der gesamten Kryptobranche.
Binance-Hack: CZ warnt vor KI-Angriffen und fordert Allianz

Das Wichtigste auf einen Blick
- Laut Binance-Gründer Changpeng Zhao beschleunigt künstliche Intelligenz Cyberangriffe schneller, als Finanzunternehmen ihre Abwehr ausbauen können.
- Nach dem Hack bei Binance über rund 6,3 Milliarden Dollar (rund 5,6 Milliarden Euro) forderte er staatliche Unterstützung und eine Sicherheitsallianz der Kryptobranche.
- Dass Binance die Verluste schnell deckte, hat laut Zhao eine Ausbreitung der Krise verhindert, der Angriff legte aber eine größere Sicherheitslücke offen.
CZ bittet nach dem Binance-Hack die USA und China um Hilfe
Der Binance-Hack ist nach Ansicht von Changpeng Zhao (CZ) nicht nur ein Problem einer einzelnen Börse, sondern eine Warnung für das globale Finanzsystem. In seinem ersten öffentlichen Gespräch seit dem Angriff vom 29. Oktober sagte CZ, Angriffe auf große Kryptoplattformen hätten inzwischen Folgen weit über digitale Vermögenswerte hinaus. Über Stablecoins, tokenisierte Wertpapiere und reale Vermögenswerte sei die Kryptobranche zunehmend mit Banken und den Märkten für Staatsanleihen verflochten.
„Es betrifft ein Unternehmen, es betrifft die Branche, es betrifft die globale Finanzwelt“, sagte CZ im Podcast Talking Tokens.
„Alles hängt zusammen. Und angesichts des Ausmaßes der Folgen ist das, denke ich, definitiv auch eine Frage der nationalen Sicherheit.“
Das FBI führt den Angriff auf die nordkoreanische Hackergruppe Tradertraitor zurück, Nordkorea bestreitet eine Beteiligung. CZ sagte, er habe über den Vorfall weder mit Präsident Donald Trump noch mit jemandem in Washington gesprochen. Er selbst, Binance und die gesamte Kryptobranche würden sich aber über Hilfe der US-Regierung freuen. Wenn jemand mit Nordkorea sprechen könne, dann wohl die USA und China.
KI beschleunigt das Wettrüsten im Netz
Seine eindringlichste Warnung galt der künstlichen Intelligenz. Früher habe es etwa einen Hack im Monat gegeben, eine Zeit lang dann jede Woche einen, sagte CZ. Allein am Tag vor dem Gespräch habe es vier verschiedene Hacks bei Kryptobörsen gegeben. Weil KI so leistungsfähig geworden sei, werde das Tempo der Angriffe weiter zunehmen.
„Gleichzeitig müssen wir mehr KI zur Verteidigung einsetzen. Der einzige Weg, ein Monster zu bekämpfen, ist, gewissermaßen selbst zu diesem Monster zu werden“, sagte er. „Wir brauchen tatsächlich KI-Fähigkeiten, um uns zu verteidigen.“ Die KI-Anbieter hätten noch nicht herausgefunden, wie sie Fähigkeiten zur Abwehr schnell genug bereitstellen, bevor die Angriffsfähigkeiten verfügbar seien, so CZ. Lösbar sei das Problem aber. Auch beim Binance-Hack spielte nach Angaben der Börse ein internes KI-Tool eine Rolle.
Betroffen sei auch das klassische Finanzsystem, sagte er: Nordkoreanische Hacker seien berüchtigt dafür, Banken anzugreifen.
Die deutsche Finanzaufsicht sieht die Lage ähnlich. Seit dem Start der EU-Verordnung über die digitale operationale Resilienz des Finanzsektors (DORA) im Januar 2025 seien der Bafin mehr als 600 schwerwiegende IKT-Vorfälle gemeldet worden, sagte Exekutivdirektor Nikolas Speer im Dezember 2025 bei einer Veranstaltung der Behörde. „Cyberangriffe sind Alltag geworden“, sagte Speer. Wie Finanzunternehmen die Risiken beim Einsatz von KI-Systemen steuern sollen, beschreibt eine Orientierungshilfe der Bafin vom 18. Dezember 2025.
CZ fordert eine Sicherheitsallianz der Kryptobranche
Der frühere Binance-Chef sprach sich zudem für eine branchenweite Allianz für Sicherheit aus, über die es bereits mehrere Gespräche gebe. In einem solchen Bündnis könnten Unternehmen aus den Fehlern der anderen lernen, bewährte Verfahren teilen, sich gegenseitig prüfen und gestohlene Gelder schneller einfrieren.
„Binance und die Branche insgesamt haben nicht genug in Sicherheit investiert“, sagte CZ.
„Viele der KI-Sicherheitswerkzeuge stehen der Branche noch nicht zur Verfügung.“
Angesichts der Häufung von Angriffen rechne er damit, dass ein solches Bündnis recht schnell zustande komme.
Wie Binance die Folgen für den Markt begrenzte
Die Entscheidung von Binance, die Verluste vollständig zu decken, habe eine größere Krise verhindert, sagte CZ.
Die Börse habe ihren Kunden schnell mitgeteilt, dass ihre Gelder sicher seien, und ihre Kapitalausstattung und Versicherungsreserven hätten diese Aussage glaubwürdig gemacht. Am Tag des Angriffs sei der Kryptomarkt sogar weniger stark gefallen als Technologieaktien, merkte er an, was fast beispiellos sei.
Am 3. November, gut zwei Tage nach dem Neustart der Auszahlungen, überstiegen laut Binance die stündlichen Einzahlungen wieder die Auszahlungen. Das macht das Versagen bei der Sicherheit aber nicht ungeschehen. CZ räumte ein, dass sich jeder Sicherheitsvorfall verhindern lasse, wenn man genug Aufwand und Aufmerksamkeit investiere. Unternehmen neigten aber dazu, mit der Zeit nachlässig zu werden. Seine Botschaft lief darauf hinaus, dass Kryptounternehmen ihre Abwehr mit KI aufrüsten müssten, weil die Angreifer das bereits täten.
Dieser Artikel beruht auf einem Bericht unserer englischsprachigen Redaktion. Er wurde mithilfe von KI übersetzt und von Konstantin Kaiser geprüft, bearbeitet und freigegeben.
Über den Autor
GESCHRIEBEN VONEmmanuel Musa
Emmanuel Musa ist ein Finanzjournalist und Kryptoanalyst mit Sitz in Afrika.
















