Die privaten Haushalte im Euroraum legen ihr Geld zunehmend in Anleihen an. Im zweiten Quartal wuchsen ihre Investitionen in Schuldverschreibungen deutlich schneller als zuvor, während sie börsennotierte Aktien per saldo abgaben. Das zeigen neue Daten der Europäischen Zentralbank (EZB). Wie viel die Sparer in Bitcoin (BTC) und andere Kryptowerte gesteckt haben, geht daraus allerdings nicht hervor.
Euro-Sparer kaufen Anleihen, Bitcoin fehlt in der EZB-Statistik

Das Wichtigste auf einen Blick
- Haushalte im Euroraum steckten ihr Geld laut EZB zuletzt vor allem in Anleihen, die Anlagen darin wuchsen um 5,7 Prozent; börsennotierte Aktien verkauften sie per saldo.
- Bitcoin und ähnliche Kryptowerte weist die Statistik nicht aus; nach den neuen internationalen Standards gelten sie nicht als Finanzvermögen, weil niemand ihren Wert schuldet.
- Laut einer EZB-Umfrage besitzt fast jeder zehnte Haushalt Kryptowerte, meist für weniger als 1.000 Euro; einzelne Notenbanken wie die DNB messen inzwischen selbst nach.
Anleihen gefragt, Aktien verkauft
Insgesamt wuchsen die Finanzanlagen der Haushalte im zweiten Quartal mit einer Jahresrate von 2,7 Prozent, kaum anders als im Vorquartal, wie die EZB am Mittwoch mitteilte. Bei Schuldverschreibungen beschleunigte sich das Wachstum auf 5,7 Prozent nach 4,0 Prozent. Gekauft wurden vor allem Staatsanleihen, Papiere anderer Finanzinstitute und Anleihen von Emittenten außerhalb des Euroraums. Bei Bargeld und Einlagen schwächte sich das Plus dagegen auf 2,4 Prozent ab, bei Aktien und sonstigen Anteilsrechten einschließlich Fonds auf 1,5 Prozent.
Börsennotierte Aktien verkauften die Haushalte unterm Strich, Anteile an Investmentfonds und Geldmarktfonds kauften sie weiter zu. Die Nettoersparnis der gesamten Volkswirtschaft im Euroraum sank in den vier Quartalen bis Ende Juni auf 868 Milliarden Euro, nach 895 Milliarden Euro ein Quartal zuvor. Die Verschuldung der Haushalte im Verhältnis zum Einkommen ging leicht auf 80,3 Prozent zurück.
Warum Bitcoin in der Statistik fehlt
Die EZB ordnet das Vermögen der Haushalte in Kategorien wie Einlagen, Schuldverschreibungen, Aktien, Lebensversicherungen und Pensionsansprüche. Bitcoin passt in keine davon. Nach den neuen internationalen Statistikstandards, die der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Vereinten Nationen 2025 verabschiedet haben, gelten Kryptowerte, denen keine Verbindlichkeit eines Herausgebers gegenübersteht, nicht als Finanzvermögen. Der Grund: Bei Bitcoin gibt es niemanden, der zur Rückzahlung eines Werts verpflichtet ist, heißt es in einem Papier des IWF.
Stattdessen sollen solche Coins künftig als nichtproduzierte, nichtfinanzielle Vermögenswerte erfasst werden. Die Einordnung will der IWF überprüfen, falls sich Markt, Regulierung oder Bilanzierungsregeln deutlich ändern. Token, für deren Wert ein Herausgeber einsteht, zählen dagegen als Finanzinstrumente, etwa Stablecoins wie der geplante Euro-Token eines Konsortiums von 37 Banken.
Fast jeder zehnte Haushalt besitzt Krypto
Wie verbreitet Kryptowerte sind, erhebt die EZB auf anderem Weg. In ihrer Verbraucherumfrage vom November 2024 in ausgewählten Euroländern gaben 9,7 Prozent der Befragten an, dass sie oder jemand in ihrem Haushalt Kryptowerte besitzen, etwas weniger als zwei Jahre zuvor. Die meisten Bestände sind klein: 54 Prozent lagen unter 1.000 Euro, 91 Prozent unter 20.000 Euro, wie die EZB in ihrem Finanzstabilitätsbericht vom Mai 2025 schrieb.
Einzelne Notenbanken messen inzwischen selbst nach. Die niederländische DNB ermittelte erstmals, dass Haushalte Ende Juni 3,2 Milliarden Euro bei inländischen Kryptodienstleistern hielten, knapp die Hälfte davon in Bitcoin. Coins in eigenen Wallets und bei ausländischen Börsen sind darin nicht enthalten. In Österreich sind es laut einer Studie der Oesterreichischen Nationalbank knapp 4 Prozent der Haushalte, die Kryptowerte besitzen.
Deutschland: 9.831 Milliarden Euro Geldvermögen
Für Deutschland hatte die Bundesbank ihre Zahlen am 20. Oktober vorgelegt. Das Geldvermögen der privaten Haushalte stieg im zweiten Quartal um 335 Milliarden auf 9.831 Milliarden Euro, vor allem dank Kursgewinnen an den Kapitalmärkten, wie aus ihrer Mitteilung hervorgeht. Neu angelegt wurden 77 Milliarden Euro, etwa ein Drittel davon in Bargeld und Sichteinlagen. Besonders gefragt waren Fondsanteile mit einem Plus von 33 Milliarden Euro.
Im Schnitt aller Haushalte errechnete die Bundesbank eine inflationsbereinigte Rendite von etwa 3,2 Prozent auf Jahressicht. Wer vor allem auf Einlagen und Versicherungen setzt, verliert dagegen real Geld: Die ärmere Hälfte der Haushalte kam auf rund minus 0,7 Prozent. Kryptobestände der Haushalte weist auch die Bundesbank nicht aus. Einen Hinweis liefern Anbieter wie die Krypto-App Bison der Börse Stuttgart Group: Gut ein Viertel der aktiven Kunden kaufte dort im vergangenen Jahr per Sparplan Kryptowerte, ein typischer Sparer legt 100 Euro im Monat an.














