Die Europäische Zentralbank (EZB) kommt bei der Technik für den digitalen Euro voran. Das Netz, über das Banken und Zahlungsdienstleister an die künftige Plattform angebunden werden, sollen zwei Konsortien bereitstellen: der italienische Zahlungsdienstleister Nexi mit der Deutschen Telekom sowie Telefónica mit der Indra-Tochter Minsait.
Digitaler Euro: EZB beauftragt Telekom, Nexi und Telefónica mit dem Netz

Das Wichtigste auf einen Blick
- Die EZB hat für den digitalen Euro zwei Netzdienstleister ausgewählt, Nexi mit der Deutschen Telekom sowie Telefónica mit der Indra-Tochter Minsait.
- Der Vertrag mit Nexi und Telekom gilt seit dem 28. September und deckt zunächst das Pilotprojekt ab, Telefónica und Minsait folgen ab Mai 2027.
- Für fünf weitere Bausteine hatte die EZB schon 2025 Anbieter ausgewählt, beim Bezahlen ohne Internet liegt Giesecke+Devrient aus München vorn.
Zwei Netze für den digitalen Euro
Die EZB hat zwei Netzdienstleister ausgewählt, wie die Notenbank am Freitag mitteilte. Sie sollen Zahlungsdienstleister und nationale Zentralbanken mit der Dienstplattform des digitalen Euro verbinden und die Kommunikation zwischen deren Bestandteilen ermöglichen. Auf dem ersten Platz landete eine Bietergemeinschaft aus Nexi Payments und Deutsche Telekom Business Solutions, auf dem zweiten ein Konsortium aus Telefónica de España, Telefónica Global Solutions und der Indra-Tochter Minsait.
Der Vertrag mit Nexi und der Telekom gilt seit dem 28. September und deckt zunächst die Anbindung für das Pilotprojekt ab. Der Vertrag mit Telefónica und Minsait beginnt am 3. Mai 2027 und läuft zehn Jahre, wie Telefónica mitteilte. Ab 2029 sollen beide Dienstleister bereitstehen, vorbehaltlich der Entscheidung des EZB-Rats über die nächste Projektphase.
Banken und Zahlungsdienstleister, die den digitalen Euro anbieten, können sich über jeden der beiden Anbieter anschließen. Auch der Vertrag mit Nexi und der Telekom läuft laut der Nachrichtenagentur dpa-AFX zehn Jahre. Mit der doppelten Vergabe wolle die EZB Ausfälle absichern und die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter vermeiden.
Was die Netze leisten sollen
Nexi und die Telekom sollen ein hoch skalierbares und ausfallsicheres Netz aufbauen und betreiben. Es verbindet die Rechenzentren der Plattform mit Geschäftsbanken, Zahlungsdienstleistern und den nationalen Zentralbanken des Eurosystems. Nexi ist an der Mailänder Börse notiert und stellt unter anderem Zahlungsinfrastruktur und Kartenterminals für Banken und Händler bereit.
Telefónica will unter anderem ein MPLS-Netz aufbauen, ein virtuelles privates Netz, das verschiedene Standorte sicher verbindet. Minsait soll die Plattformen für die Anbindung über Programmierschnittstellen liefern, dazu digitale Identitäten, Zertifikate und ein Sicherheitszentrum, das Bedrohungen erkennt. Der digitale Euro solle auch ohne Internetverbindung nutzbar sein, heißt es in der Mitteilung von Telefónica.
Fünf Bausteine sind schon vergeben
Das Netz ist nur ein Teil der Beschaffung. Für fünf weitere Bausteine hat die EZB bereits im Oktober 2025 Rahmenverträge geschlossen. Beim Abgleich von Aliasnamen wie Telefonnummer oder E-Mail-Adresse liegen Sapient und Tremend vorn, beim Risiko- und Betrugsmanagement Feedzai vor Capgemini Deutschland. Für App und Softwarebaukasten sind Almaviva und Fabrick erstplatziert, für den sicheren Austausch von Zahlungsinformationen Senacor FCS.
Für das Bezahlen ohne Internetverbindung liegt Giesecke+Devrient aus München auf dem ersten Platz. Anfragen gehen zunächst an den jeweils Erstplatzierten, Zahlungen sind mit den Rahmenverträgen noch nicht verbunden. Welche Teile tatsächlich entwickelt werden, entscheidet der EZB-Rat später.
Einführung frühestens 2029
Münzen und Scheine sollen neben dem digitalen Euro bestehen bleiben. Wer in Europa digital bezahlt, nutzt meist Dienste amerikanischer Konzerne wie Paypal, Mastercard oder Visa, und genau dazu wollen die Notenbanken des Euroraums eine eigene Alternative schaffen. Privatwirtschaftlich gibt es mit Wero bereits einen europäischen Bezahldienst, der sich im September mit vier weiteren Anbietern zusammengeschlossen hat.
Für 2027 ist ein Pilotprojekt geplant, eine Einführung peilt die EZB für 2029 an. Voraussetzung ist eine Verordnung zum digitalen Euro, über die das Europäische Parlament noch verhandelt. Ob die Abgeordneten wie vorgesehen im Mai abstimmen, ist laut einem Bericht des Handelsblatts offen, wie dpa-AFX meldete.
In Deutschland wirbt die Bundesbank um Vertrauen. Das Eurosystem könne einzelne Nutzer nicht anhand ihrer Zahlungen identifizieren, versicherte Vorstandsmitglied Lutz Lienenkämper im Oktober. Zudem lasse sich nicht vorschreiben, wofür das Geld ausgegeben werde. EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die am 7. Februar 2027 zurücktritt, hatte die Verabschiedung der Verordnung bis Ende 2026 zuletzt als entscheidend bezeichnet.
Über den Autor
GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser
Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.
















