Wer in Deutschland mit Wero zahlt, soll damit künftig auch Empfänger in Spanien, Italien, Portugal oder Nordeuropa erreichen. Dafür haben sich fünf europäische Bezahldienste am 30. September zusammengetan: Ihr neues Unternehmen, das European Network for Payments (ENP), hat seinen Sitz in Madrid. Zusammen kommen sie nach eigenen Angaben auf rund 130 Millionen Nutzer in 13 Ländern. Wann die erste grenzüberschreitende Zahlung möglich ist, ließen sie offen.
Wero-Netz mit Bizum: Fünf Bezahl-Apps verbinden 130 Mio. Europäer

Das Wichtigste auf einen Blick
- Wero, Bizum, Bancomat, MB Way und Vipps Mobilepay haben am 30. September das European Network for Payments mit Sitz in Madrid gegründet, an dem alle fünf gleich beteiligt sind.
- Das Netz soll die Apps verbinden: zuerst für Überweisungen zwischen Privatleuten über Grenzen hinweg, später für Onlinekäufe und die Ladenkasse; einen Starttermin gibt es nicht.
- Gezahlt wird weiter von Bankkonto zu Bankkonto; in Deutschland zählt Wero 10 Millionen registrierte Nutzer, Österreich soll 2027 folgen, die Schweizer App Twint fehlt.
Fünf Dienste, eine Schaltstelle in Madrid
Gegründet haben das ENP der italienische Dienst Bancomat, Bizum aus Spanien, die European Payments Initiative (EPI) mit ihrer App Wero, der portugiesische Anbieter SIBS mit MB Way sowie Vipps Mobilepay aus Nordeuropa. Jeder hält denselben Anteil. Eine neue App entsteht nicht: Das ENP betreibt im Hintergrund eine technische Drehscheibe, die Marken und Apps bleiben bestehen. Grundlage sind Echtzeitüberweisungen zwischen Bankkonten nach europäischen Standards, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der fünf Partner.
Der Ausbau soll in Stufen laufen. Am Anfang stehen Zahlungen zwischen Privatpersonen über Ländergrenzen hinweg, danach folgen der Onlinehandel und die Ladenkasse. Die technische Umsetzung wird derzeit vorbereitet. Weitere Bezahldienste können beitreten, wenn die Gründer zustimmen und die technischen Anforderungen erfüllt sind.
Was das für Wero-Nutzer in Deutschland heißt
Für Deutschland läuft die Anbindung über Wero. Die App zählt hierzulande 10 Millionen registrierte Nutzer und europaweit 60 Millionen, wie der Sparkassen-Dienstleister S-Payment in seiner Mitteilung vom 10. September angab. Bisher funktioniert Wero zwischen Privatleuten in Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg; in Deutschland lässt sich damit auch in Onlineshops bezahlen. In Österreich soll Wero laut EPI 2027 starten.
„Europäer sollten die Bezahldienste, denen sie bereits vertrauen, auch nutzen können, wenn sie über Grenzen hinweg reisen, einkaufen oder Geschäfte machen“, sagte EPI-Chefin Martina Weimert. Twint aus der Schweiz ist an dem neuen Unternehmen nicht beteiligt.
EZB begrüßt den Schritt und sieht Lücken
Die Europäische Zentralbank (EZB) wertet das Vorhaben als Fortschritt, aber nicht als Ersatz für den digitalen Euro. EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone nannte die Ankündigung einer solchen Plattform am Dienstag, ohne das ENP beim Namen zu nennen, in einer Rede zum digitalen Euro einen Schritt in die richtige Richtung. Grenzüberschreitende Zahlungen machten jedoch nur 5 Prozent des Marktes aus, und die Vernetzung erweitere weder die Akzeptanz im Inland noch die Einsatzmöglichkeiten. Den digitalen Euro selbst sehen Kritiker wie Cardano-Gründer Charles Hoskinson skeptisch: Er warnte Anfang Oktober vor staatlicher Zahlungskontrolle.
Schneller zahlen, aber weiter über die Bank
Für Nutzer wechselt mit dem ENP der Weg, nicht das Prinzip: Das Geld fließt weiter von Bankkonto zu Bankkonto, und ohne Konto bei einer teilnehmenden Bank geht es nicht. Die Gründer betonen das selbst. Bancomat-Chef Fabrizio Burlando sagte, die Initiative stärke „die zentrale Rolle der Banken und europäischer Infrastrukturen“ für die Zukunft des digitalen Bezahlens.
Mit Souveränität meinen die Partner die Unabhängigkeit Europas von Anbietern außerhalb des Kontinents, nicht die Verfügung des Einzelnen über sein Geld. Bitcoin (BTC) setzt an dieser Stelle anders an: Zahlungen brauchen dort kein Bankkonto und keinen Vermittler, der sie freigibt. Ein Ratgeber erklärt, wie Bitcoin-Transaktionen ohne Bank funktionieren.















