Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen am Donnerstag unverändert gelassen. Gabriel Makhlouf, Gouverneur der irischen Zentralbank und Mitglied des EZB-Rats, trug die Entscheidung mit, erwog nach eigenen Worten aber auch eine Erhöhung. In seinem Blog warnt er zudem vor einer Marktkorrektur rund um künstliche Intelligenz (KI) und beschreibt, wie die Notenbanken die Tokenisierung vorantreiben wollen.
EZB lässt Zinsen unverändert: Makhlouf warnt vor KI-Korrektur

Das Wichtigste auf einen Blick
- Die EZB hat den Einlagensatz am Donnerstag bei 2,5 Prozent belassen, Irlands Notenbankchef Gabriel Makhlouf erwog nach eigenen Worten auch eine Erhöhung.
- Eine Korrektur an den Märkten im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz hält Makhlouf für wahrscheinlicher als nicht, wie er in seinem Blog schreibt.
- Bei der Tokenisierung setzt die irische Notenbank auf die Eurosystem-Projekte Pontes und Appia, mit Zentralbankgeld als Anker für die Abwicklung.
EZB belässt den Einlagensatz bei 2,5 Prozent
Der Einlagensatz, über den die EZB ihren geldpolitischen Kurs steuert, bleibt laut der Mitteilung der Notenbank bei 2,50 Prozent. Die Sätze für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und die Spitzenrefinanzierungsfazilität liegen weiter bei 2,65 und 2,90 Prozent. Zuvor hatte die EZB die Zinsen im Juni und im September erhöht.
Die Entscheidung bedeute weder, dass die EZB fertig sei, noch dass sie bald erneut handle, schreibt Makhlouf in seinem Blog vom Freitag. Die Notenbank entscheide weiter datenabhängig von Sitzung zu Sitzung und lege sich auf keinen Zinspfad fest.
Der Energieschock hat sich laut Makhlouf zuletzt verschärft, Öl- und Gaspreise seien erneut gestiegen. Die Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 Prozent, so hoch wie seit 2023 nicht mehr, die Kerninflation stieg auf 2,5 Prozent. Ihm sei unwohl dabei, wo die Inflation stehe, schreibt Makhlouf. Zweitrundeneffekte sehe er bislang aber nicht, das Lohnwachstum bleibe verhalten.
Warum Makhlouf die Zinspause mittrug
Eine weitere Zinserhöhung habe er ernsthaft erwogen. Drei Punkte hätten den Ausschlag gegeben. Die Zinserhöhungen um insgesamt 0,5 Prozentpunkte seit Juni wirkten noch nach. Die Finanzierungsbedingungen hätten sich seit September verschärft, weil die Renditen langfristiger Anleihen gestiegen seien. Und während die Energiepreise die Inflation nach oben trieben, wirkten die strengeren Finanzierungsbedingungen in die Gegenrichtung.
Bis zur Sitzung im Dezember will Makhlouf vier Dinge genau beobachten: wie lange der Energieschock anhält, ob indirekte Effekte auf Lebensmittel, Waren und Dienstleistungen zunehmen, wie sich die Löhne entwickeln und was hinter dem Anstieg der langfristigen Renditen steckt. „Wenn die Daten im Dezember auf weiteren Handlungsbedarf hindeuten, werden wir handeln“, schreibt er.
Lagarde tritt im Februar ab
Zudem würdigte Makhlouf Christine Lagarde, die am 7. Februar 2027 als EZB-Präsidentin zurücktritt. Sie habe die Geldpolitik durch eine Pandemie, den stärksten Inflationsschub seit einer Generation und nun einen zweiten Energieschock gesteuert und dabei im oft uneinigen EZB-Rat Konsens geschaffen. Wer ihr nachfolgt, entscheidet der Europäische Rat. Lagarde hatte sich zuletzt erneut für den digitalen Euro stark gemacht.
Makhlouf hält eine KI-Korrektur für wahrscheinlich
Mitte Oktober nahm Makhlouf an der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Bangkok teil. Die Weltwirtschaft habe die jüngsten Schocks laut IWF besser verkraftet als erwartet, die Risiken für die Konjunktur lägen aber klar auf der Abwärtsseite. Dazu zähle auch ein KI-Boom, der Schwachstellen im Finanzsystem verstärke.
Unter der Oberfläche robuster Finanzmärkte blieben die Risiken hoch, habe der Globale Finanzstabilitätsbericht des IWF gezeigt. Korrekturen an den Märkten im Zusammenhang mit KI, stark steigende Renditen von Staatsanleihen und Cyberangriffe könnten Turbulenzen auslösen. Eine solche KI-Korrektur hält Makhlouf nach eigenen Worten für wahrscheinlicher als nicht. Verstärken könnte solche Schocks unter anderem der wachsende Einfluss von Hedgefonds.
Tokenisierung mit Zentralbankgeld als Anker
Die irische Zentralbank ist auch für die Zulassung von Kryptodienstleistern nach der EU-Verordnung MiCA in Irland zuständig. Digitale Vermögenswerte und Zahlungen waren laut Makhlouf ein Dauerthema in Bangkok, etwa die Frage, wie verschiedene Systeme zusammenarbeiten können und wie viel regulatorische Klarheit eine breitere Tokenisierung braucht. Gemeint ist die Abbildung von Vermögenswerten als Token auf einer Blockchain. In der Woche ab dem 2. November will die irische Notenbank ihre Auswertung der Rückmeldungen zu ihrem Diskussionspapier über Tokenisierung veröffentlichen.
Wie schwierig die Zusammenarbeit der Systeme ist, zeigte schon Anfang Oktober ein Bericht des IWF, der vor einer zersplitterten Infrastruktur warnte. Die irische Notenbank beteiligt sich deshalb an den Eurosystem-Projekten Pontes und Appia, damit die Abwicklung sicher und effizient bleibt, mit Zentralbankgeld als Anker. Pontes verbindet Plattformen mit verteilter Kassenbuchtechnologie (DLT) mit den Zahlungssystemen der EZB, sodass Großtransaktionen auf dieser Basis in Zentralbankgeld abgewickelt werden können. Eine erste Fassung ist seit dem 21. September in Betrieb, Appia ist die längerfristige Initiative des Eurosystems für ein europäisches Ökosystem tokenisierter Finanzwerte.
Ein weiteres Thema in Bangkok war der undurchsichtige, hoch verschuldete und eng verflochtene Sektor der Nichtbanken, vor allem Hedgefonds und die Kreditfinanzierung von KI. Dessen Regulierung bleibe eine Priorität der irischen Notenbank, schreibt Makhlouf.
Über den Autor
GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser
Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.
















