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Bitcoin-Suisse-Chef Majcen: Krypto hat in der Schweiz keine Priorität mehr

Bitcoin Suisse baut Arbeitsplätze in der Schweiz ab und begründet das auch mit dem schwindenden Gewicht des Landes in der Kryptobranche. Firmenchef Andrej Majcen vermisst in Bern den Rückhalt für ein Thema, das in Zug einst ein ganzes Ökosystem hervorgebracht hat. Den europäischen Markt bedient das Unternehmen bereits über eine Tochter in Liechtenstein.

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Bitcoin-Suisse-Chef Majcen: Krypto hat in der Schweiz keine Priorität mehr

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Andrej Majcen, Chef von Bitcoin Suisse, hält die Schweiz für keinen führenden Kryptostandort mehr und vermisst in Bern den politischen Rückhalt.
  • Das Zuger Unternehmen verlagert Aufgaben ins Ausland, in der Schweiz fallen bis zu 60 von 120 Stellen weg, das Backoffice arbeitet von Bratislava aus.
  • Kunden in der EU bedient Bitcoin Suisse über eine Tochter in Liechtenstein, die seit Juni eine Zulassung nach der europäischen MiCA-Verordnung hat.

Bern hat Krypto aus den Augen verloren

Majcen stützt sich auf eine interne Auswertung: Bitcoin Suisse habe verglichen, in welchen Ländern Kryptowährungen am stärksten genutzt werden und wo die Regulierung vorankomme, sagte er der Nachrichtenagentur AWP. Für die Schweiz fiel der Vergleich schlecht aus: „Auf dieser Rangliste findet sich die Schweiz nicht mehr weit oben.“

Seit etwa fünf bis sechs Jahren bewege sich in der Schweiz wenig, während ausländische Finanzplätze eigene Regelwerke für Kryptowerte aufgebaut hätten. Spätestens seit der Krise um UBS und Credit Suisse fehle im Bundeshaus der Rückhalt, das Thema habe in Bern keine Priorität mehr. Es interessiere schlicht kaum noch jemanden, so Majcen.

Backoffice zieht nach Bratislava

Bitcoin Suisse will sich als internationaler Finanzdienstleister aufstellen und setzt künftig vor allem auf die Vermögensverwaltung, für Institutionen ebenso wie für wohlhabende Privatkunden. Im September kündigte das Unternehmen an, bis zu 60 seiner 120 Stellen in der Schweiz zu streichen und Aufgaben ins Ausland zu verlegen.

Den Ausschlag geben die Kosten: Die Schweizer Kostenbasis sei auf Dauer zu hoch, sagte Majcen. Im slowakischen Bratislava, wo Bitcoin Suisse bereits Backoffice-Arbeiten erledigt, lägen die Lohnkosten teils um 60 bis 70 Prozent darunter.

Vom Crypto Valley zur Verlagerung

Der Rückzug steht im Kontrast zur Rolle, die Zug vor einem Jahrzehnt spielte. Das Crypto Valley galt damals als Zentrum der Branche. Als die Ethereum-Stiftung 2014 von Zug aus ihre Token verkaufte, wirkte Bitcoin Suisse mit, und das Modell machte Schule: Es wurde zur Blaupause für die Welle der Initial Coin Offerings (ICO). Auf ihrem Höhepunkt 2017 sammelten Kryptofirmen auf diesem Weg Milliarden ein.

Majcen erinnerte sich, in Zug habe es damals kaum ein Restaurant ohne Gäste aus der Kryptoszene gegeben. Rückenwind kam auch aus Bern. Mit Ueli Maurer und Johann Schneider-Ammann setzten sich zwei Mitglieder der Landesregierung für den Standort ein, und an der Spitze der Finanzmarktaufsicht Finma zeigte sich Mark Branson betont offen für Neues.

Bern plant neue Regeln, die EU ist schon weiter

Neue Regeln bereitet der Bund allerdings vor. Im Oktober 2025 eröffnete der Bundesrat eine Vernehmlassung zu einer Änderung des Finanzinstitutsgesetzes mit zwei neuen Bewilligungskategorien: Zahlungsmittelinstitute, die die bisherige Fintech-Bewilligung ablösen, und Krypto-Institute für Dienstleistungen mit Kryptowährungen. Die Vernehmlassung lief bis zum 6. Februar 2026. Eine Botschaft ans Parlament wollte der Bundesrat laut einem Faktenblatt des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen frühestens im zweiten Halbjahr 2026 vorlegen.

In der EU gilt dagegen seit Ende 2024 die Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA). Eine Zulassung in einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) öffnet den Zugang zum gesamten Binnenmarkt. Bitcoin Suisse nutzt das über seine Tochter Bitcoin Suisse (Europe) AG im EWR-Staat Liechtenstein, die laut dem MiCA-Register der europäischen Wertpapieraufsicht Esma seit 22. Juni 2026 zugelassen ist. Dort stehen mit Stand 2. November zudem 119 zugelassene Anbieter aus Deutschland und 12 aus Österreich.

Binance-Hack: Kein Problem der ganzen Branche

Den Hack bei Binance hält Majcen für kein Problem der gesamten Branche. Betroffen sei die Sicherheit im Betrieb eines einzelnen Anbieters, über die zugrunde liegende Technik sage der Fall nichts Neues. Ein länger anhaltender Vertrauensverlust sei deshalb nicht zu erwarten. Am 29. Oktober hatten Angreifer bei der Börse Kryptowerte über rund 6,3 Milliarden Dollar (rund 5,6 Milliarden Euro) erbeutet, das FBI macht Nordkorea verantwortlich.

Die Kommunikation von Binance stimme ihn zuversichtlich, dass die Börse den Fall offen aufarbeite und ihre Erkenntnisse veröffentliche, sagte Majcen. Nach eigenen Angaben hat Binance rund 95 Prozent des betroffenen Betrags aus Firmenmitteln ersetzt.

Über den Autor

GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser

Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.