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Digitaler Euro: EZB-App, Haltelimit ohne Zahlungslimit und Start 2029

Der digitale Euro soll auf zwei Wegen auf das Smartphone kommen. Banken können ihn in ihre bestehenden Apps einbauen, zusätzlich will das Eurosystem eine eigene, einheitliche App anbieten. Das kündigte Piero Cipollone, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), in einem am Samstag veröffentlichten Interview an. Zugleich hofft er auf einen raschen Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens.

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Digitaler Euro: EZB-App, Haltelimit ohne Zahlungslimit und Start 2029

Das Wichtigste auf einen Blick

  • EZB-Direktor Piero Cipollone hofft, dass das Gesetz zum digitalen Euro bis Jahresende steht; dann könnte die EZB über die Ausgabe entscheiden und 2029 starten.
  • Nutzen lassen soll sich der digitale Euro über Bank-Apps oder eine einheitliche App des Eurosystems; Konten führt die EZB dabei nicht, Ansprechpartner bleibt die Bank.
  • Begrenzt werde nur der Bestand, nicht das Bezahlen: Übersteigt ein Kauf das Guthaben, soll der Rest automatisch vom verknüpften Girokonto kommen.

Entscheidung hängt am Gesetz

Die EZB hoffe, dass die Verordnung zum digitalen Euro bis Ende des Jahres verabschiedet wird, sagte Cipollone der italienischen Wirtschaftszeitung Milano Finanza. Erst dann könne der EZB-Rat formell über die Ausgabe entscheiden. Kommt das Gesetz in diesem Jahr, wäre ein Start 2029 möglich, wie Cipollone schon Anfang Oktober in Aussicht gestellt hatte.

Vorher steht ein Test an. 2027 soll ein Pilotprojekt mit echten Zahlungen von Beschäftigten der EZB und der nationalen Notenbanken beginnen. An den Vorbereitungen arbeiten bereits 36 Unternehmen mit, gesucht werden nun auch Online- und Mobile-Händler.

Eigene App, aber kein Konto bei der EZB

Wer die App des Eurosystems nutzt, bleibe trotzdem Kunde seiner Bank, betonte Cipollone. Die EZB werde keine Konten für Bürger eröffnen. Die einheitliche App solle wie Banknoten überall im Euroraum gleich funktionieren und für alle zugänglich sein, unabhängig von Land, Alter oder digitalen Kenntnissen.

Für den Bestand an digitalen Euro soll es eine Obergrenze geben, für Zahlungen dagegen nicht. Übersteige ein Kauf das Guthaben in der Wallet, etwa beim Autokauf, werde der Rest automatisch vom verknüpften Girokonto abgebucht. Das Limit solle die Finanzstabilität sichern, vor allem in Krisen. Wie viele digitale Euro im Umlauf sind, bestimme dagegen allein die Nachfrage, wie beim Bargeld.

Offline bleiben Zahlungen privat

Bezahlen soll auch ohne Internet funktionieren, etwa bei einem Stromausfall. Dann tauschen zwei Geräte die Zahlung direkt aus, ähnlich wie beim kontaktlosen Bezahlen mit Karte. Die Einzelheiten blieben dabei allein zwischen Zahler und Empfänger. Ein Mittel, mit dem die EZB vorschreibt, wofür Menschen ihr Geld ausgeben, werde der digitale Euro nicht, sagte Cipollone.

Ähnlich hatte sich am Mittwoch die Bundesbank geäußert. Vorstand Lutz Lienenkämper nannte den digitalen Euro „Geld, kein Gutschein“. Das Eurosystem könne einzelne Nutzer nicht anhand ihrer Zahlungsdaten erkennen, versicherte er. In der Kryptoszene bleibt die Skepsis dennoch groß: Cardano-Gründer Charles Hoskinson etwa warnte vor einer Kontrolle von Zahlungen.

Europa will unabhängiger zahlen

Als Hauptgrund nennt Cipollone die Abhängigkeit von Anbietern außerhalb Europas. Online werde meist mit Karte bezahlt, zwei Drittel davon liefen über nicht europäische Kartensysteme. Vielen Euroländern fehle zudem ein eigenes System für Kartenzahlungen im Laden. Deutschland hat mit der Girocard zwar eines, es funktioniert aber nur im Inland. Kleine Händler zahlten zudem bis zu viermal so hohe Gebühren wie große, gesetzliche Obergrenzen sollen das mit dem digitalen Euro ändern.

Technisch soll der digitale Euro auf einer Infrastruktur laufen, die ausschließlich europäische Anbieter entwickeln. Sie werde auf mehrere Regionen Europas verteilt, damit der Dienst auch bei Teilausfällen weiterläuft.