Bitcoin.com News
Bereitgestellt von

MEXC verlässt Frankreich bis 2027, Kraken wirbt um Kunden

Die Kryptobörse MEXC zieht sich nach den Niederlanden auch aus Frankreich zurück. Bis zum 5. März 2027 stellt sie ihre Dienste für französische Nutzer schrittweise ein, neue Konten lassen sich dort schon jetzt nicht mehr eröffnen. Um die Kunden wirbt unter anderem die Börse Kraken, die in der EU eine Lizenz nach der Verordnung MiCA besitzt.

GESCHRIEBEN VON
TEILEN
MEXC verlässt Frankreich bis 2027, Kraken wirbt um Kunden

Das Wichtigste auf einen Blick

  • MEXC stellt seine Dienste für Nutzer in Frankreich in vier Gruppen ein, die erste wird ab dem 18. November eingeschränkt, Auszahlungen enden am 5. März 2027.
  • Konten und Guthaben überträgt MEXC nicht automatisch zu anderen Anbietern, wer etwa zu Kraken wechselt, muss sich dort selbst anmelden und seine Coins überweisen.
  • Eine Lizenz nach der EU-Verordnung MiCA hat MEXC nicht, in Deutschland hatte die Bafin schon 2023 vor der Börse gewarnt.

MEXC stellt Dienste in Frankreich in vier Gruppen ein

Laut der Ankündigung von MEXC vom 28. Oktober betrifft der Rückzug Nutzer, die das Unternehmen anhand ihrer Angaben aus der Identitätsprüfung und ihres Kontos Frankreich zuordnet. Begründet wird der Schritt mit der Anpassung an regulatorische Vorgaben. Die Kunden sind in vier Gruppen eingeteilt, ihre Gruppe erfahren sie per E-Mail. Für die erste Gruppe beginnen die Einschränkungen am 18. November, für die weiteren am 10. Dezember, am 31. Dezember und am 22. Januar 2027.

Ab diesem Zeitpunkt läuft ein Konto nur noch im Abbaumodus. Neue Einzahlungen, Spot-Käufe, Earn-Abschlüsse, Kredite und Aufträge, die Positionen eröffnen oder vergrößern, sind dann nicht mehr möglich. Positionen schließen oder verkleinern, Kredite zurückzahlen und Guthaben abheben können Kunden weiterhin.

Ab dem 22. Januar 2027 um 0 Uhr MEZ schließt die Börse noch offene Positionen automatisch zum fairen Preis, was Verluste oder Gebühren verursachen kann. Für die vierte Gruppe beginnen Abbaumodus und automatische Schließung am selben Tag, sie sollte ihre Positionen deshalb bis zum 21. Januar schließen. Ab dem 25. Januar sind nur noch Auszahlungen möglich, am 5. März 2027 um 0 Uhr MEZ enden auch diese. Was dann noch auf den Konten liegt, geht an einen regulierten Verwahrer, der noch nicht genannt ist.

Kraken wirbt um die Kunden von MEXC

Für den Wechsel hat das Unternehmen nach eigenen Angaben Vermittlungen zu Handelsplattformen vereinbart, die in der EU reguliert sind. Welche das für Frankreich sind, nennt die Börse in ihren häufig gestellten Fragen nicht, berechtigte Kunden sollen die Angaben per E-Mail erhalten. Konten und Guthaben werden nicht automatisch übertragen. Wer zu einem anderen Anbieter wechselt, muss sich dort neu anmelden, die Identitätsprüfung durchlaufen und seine Coins selbst übertragen.

Kraken wirbt auf einer eigenen Seite mit einer Vermittlungspartnerschaft mit MEXC um dessen Kunden und verspricht ihnen eine bevorzugte Anmeldung. Nach eigenen Angaben bietet die Börse mehr als 600 Vermögenswerte an. Den Spot-Handel betreibt Kraken in der EU über die irische Payward Europe Solutions Limited, die laut Register der EU-Wertpapieraufsicht Esma seit Juni 2025 eine MiCA-Zulassung der irischen Zentralbank besitzt. Ihre Dienste darf sie auch in Frankreich, Deutschland und Österreich anbieten.

Nach den Niederlanden folgt Frankreich

In den Niederlanden ist der Rückzug bereits abgeschlossen. Die Ankündigung dazu begründete die Börse mit regulatorischen Entwicklungen im Europäischen Wirtschaftsraum. Die vier Gruppen wurden dort zwischen dem 23. August und dem 24. Oktober eingeschränkt, als Alternativen nannte die Börse Bybit EU und Kraken. Die niederländische Finanzaufsicht AFM hatte im September 2025 öffentlich gewarnt, das Unternehmen biete im Land Kryptodienste ohne die nötige MiCA-Lizenz an.

Im Oktober hatte sich die Börse zudem aus Russland und Weißrussland zurückgezogen. Auch in Frankreich stand die Börse schon länger im Visier der Aufsicht. Die Finanzmarktaufsicht AMF führt mexc.com seit dem 4. Juni 2024 auf ihrer schwarzen Liste von Anbietern, die in Frankreich nicht zugelassen sind. Am 6. November geriet MEXC dann in den USA unter Druck. Das US-Finanzministerium untersagte amerikanischen Finanzinstituten, Zahlungen mit der Börse abzuwickeln, weil sie illegale Geschäfte über mindestens 16 Milliarden Dollar (rund 14,3 Milliarden Euro) ermöglicht haben soll.

MEXC in Deutschland und Österreich

Einen vergleichbaren Rückzug aus Deutschland oder Österreich hat MEXC bislang nicht angekündigt. Eine MiCA-Lizenz, die Anbieter für Kunden in der EU seit dem Ende der Übergangsfrist am 1. Juli 2026 brauchen, hat die Börse aber nicht. Im Register der Esma ist sie nicht als zugelassener Kryptodienstleister eingetragen, Stand 7. November. In Deutschland hatte die Bafin bereits im Oktober 2023 vor MEXC gewarnt: Das Unternehmen biete über mexc.com Finanzdienstleistungen ohne die nötige Erlaubnis an.

Über den Autor

GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser

Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.