Seit Juli gilt in der EU eine klare Regel: Wer dort Kunden Kryptodienste anbietet, braucht eine Lizenz nach der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA). Für Anbieter aus der Schweiz heißt das, dass die Zulassung der Finanzmarktaufsicht Finma allein nicht reicht. Neben Liechtenstein und Malta hat sich dabei Zypern als Standort etabliert. Die Insel lockt zudem deutsche Unternehmer, die dort eine Firma gründen.
Zypern: 25 MiCA-Lizenzen, 8 Prozent Kryptosteuer und deutsche Gründer

Das Wichtigste auf einen Blick
- Seit dem 1. Juli 2026 brauchen Kryptoanbieter für Kunden in der EU eine Lizenz nach MiCA; Schweizer Firmen benötigen dafür in der Regel eine eigene EU-Tochter.
- Zypern zählt laut dem Register der Esma 25 Zulassungen, darunter die Kryptosparten von Etoro, Revolut, XTB und Trading 212, die auch in Deutschland tätig sein dürfen.
- Seit 2026 besteuert Zypern Kryptogewinne pauschal mit 8 Prozent; die Insel ist eines von vielen Zielen der Deutschen, die ins Ausland ziehen.
Ohne EU-Tochter kein EU-Geschäft
Die Übergangsfrist der Verordnung lief am 1. Juli 2026 aus. Für viele Anbieter endete sie faktisch schon früher, weil der Schutz nur bis zur Entscheidung über ihren Antrag galt, wie eine frühere Analyse zeigt. Die Schweiz regelt Kryptowährungen mit eigenen Gesetzen unter Aufsicht der Finma und ist an MiCA nicht gebunden. Wollen Schweizer Firmen aber Kunden in der EU bedienen, greift die Verordnung.
In der Praxis führen solche Gruppen deshalb oft zwei Gesellschaften: eine in der Schweiz und eine Tochter mit MiCA-Lizenz in einem EU- oder EWR-Staat, die ihr Angebot dann in alle Mitgliedstaaten ausdehnen kann. Ein Beispiel ist Bitcoin Suisse. Laut dem Register der EU-Wertpapieraufsicht Esma erhielt die Tochter Bitcoin Suisse (Europe) AG am 22. Juni 2026 ihre Zulassung von der Finanzmarktaufsicht in Liechtenstein.
Zypern: Heimat vieler Broker
Zypern ist seit Jahren Sitz zahlreicher Online-Broker mit EU-Lizenz der Aufsicht Cysec. Das zeigt sich auch bei MiCA. Im Esma-Register stehen derzeit 25 zyprische Kryptoanbieter, darunter die Kryptosparten von Etoro, XTB und Trading 212 sowie Revolut Digital Assets (Europe). Laut Register dürfen alle vier ihre Kryptodienste auch in Deutschland und Österreich anbieten. Revolut kam zuletzt zusätzlich zu einer Krypto-Lizenz in Gibraltar.
Deutschland führt das Register mit 109 Einträgen zwar an. Gut 100 davon sind aber Meldungen von Banken und anderen bereits beaufsichtigten Finanzinstituten, die Kryptodienste anbieten dürfen, ohne eine eigene Kryptolizenz zu beantragen. Klassische Zulassungen für Kryptodienstleister sind es in Deutschland nur acht.
Viele Deutsche wandern aus
Zypern zieht nicht nur Kryptofirmen an. Auch viele Deutsche kehren ihrem Land den Rücken. Im Jahr 2025 zogen laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) 288.579 Deutsche ins Ausland, während 191.890 zurückkamen. Unter dem Strich verlor das Land damit 96.689 eigene Staatsbürger. Ein beliebtes Ziel ist Zypern, gerade für Selbstständige und Unternehmer, die auf der Insel eine Firma gründen.
Das Steuermodell der Insel
Seit dem 1. Januar 2026 zahlen Unternehmen in Zypern 15 Prozent Körperschaftsteuer, zuvor waren es 12,5 Prozent. Für Gewinne aus Kryptogeschäften gilt seither ein pauschaler Satz von 8 Prozent, wie die Wirtschaftsprüfer von KPMG zusammenfassen. Die Reform war am 31. Dezember 2025 im Amtsblatt erschienen. Seit der Reform bleibt zudem Einkommen bis 22.000 Euro im Jahr steuerfrei, der Spitzensatz von 35 Prozent greift ab 72.001 Euro.
Steuerlich ansässig wird, wer mehr als 183 Tage im Jahr auf der Insel verbringt. Unter Bedingungen reichen 60 Tage: Man darf sich in keinem anderen Staat länger als 183 Tage aufhalten, muss in Zypern arbeiten, eine Firma führen oder eine dortige Gesellschaft leiten und auf der Insel eine eigene oder gemietete Wohnung haben, wie die Steuerübersicht von Pwc zeigt.
Dividenden sind in Zypern von der Einkommensteuer befreit. Belastet werden sie nur mit einer Sonderabgabe für die Verteidigung, die für Steuerpflichtige mit zyprischem Domizil seit 2026 bei 5 statt 17 Prozent liegt. Zuzügler ohne dieses Domizil, die sogenannten Non-Doms, sind von der Abgabe befreit. Für Deutsche mit diesem Status liegt die Steuer auf Dividenden in Zypern damit effektiv bei 0 Prozent. Fällig wird nur ein Beitrag von 2,65 Prozent für das staatliche Gesundheitssystem, gedeckelt bei 180.000 Euro Jahreseinkommen, so eine weitere Pwc-Übersicht. Den Status behalten Zuzügler, bis sie in den vorangegangenen 20 Jahren mindestens 17 Jahre in Zypern steuerlich ansässig waren.
Für Auswanderer aus Deutschland können allerdings auch deutsche Regeln greifen, etwa die Wegzugsbesteuerung auf Beteiligungen an Kapitalgesellschaften. In Deutschland selbst sind private Gewinne mit Kryptowerten bislang nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Das soll sich ändern: Wer ab 2027 Kryptowerte erwirbt, müsste Gewinne daraus nach den Plänen des Bundesfinanzministeriums pauschal mit 25 Prozent versteuern, egal wie lange er sie hält.
Deutsche Unternehmen auf der Insel
Auch deutsche Krypto- und Finanzfirmen nutzen den Standort. Die Hamburger Naga Group betreibt in Limassol die Tochter Naga X, die am 8. Juni 2026 ihre MiCA-Zulassung von der Cysec erhielt. Als Tätigkeitsland ist im Esma-Register bisher nur Zypern eingetragen.
Eine lange Tradition haben deutsche Gründer auf der Insel in der Schifffahrt. Kapitän Heinrich Schoeller begann seine Laufbahn an Land 1972 in Deutschland und wurde dann nach Zypern geschickt, um dort den ersten Schiffsmanager der Insel aufzubauen, wie die Columbia Group in einem Interview mit dem Fachmagazin Maritime Executive schilderte. 1978 gründete er in Limassol Columbia Shipmanagement. Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 20.000 Menschen an Land und auf See.
Ebenfalls in Limassol sitzt Bernhard Schulte Shipmanagement. Das Unternehmen gehört zur Schulte Group, deren Wurzeln laut ihrer Website bis ins Jahr 1883 zurückreichen. Langjähriger Vorsitzender war der Hamburger Reeder Heinrich Schulte, der im Dezember 2025 im Alter von 90 Jahren starb.
Messe in Limassol
Wie wichtig der Standort für die Branche ist, zeigt sich auch an Veranstaltungen auf der Insel. Am 6. November findet in Limassol die Wiki Finance Expo Cyprus statt, eine kostenlose Messe für Forex-Handel, Kryptowerte und Fintech. Organisiert wird die Messe von Wikiexpo, das ähnliche Veranstaltungen etwa in Dubai, Hongkong und Singapur ausrichtet. Laut der Veranstaltungsseite kommen zu den Messen jeweils mehr als 7.000 Besucher.
Für Anbieter ohne Zulassung wird es in der EU unterdessen enger. Die Esma erwartet etwa, dass lizenzierte Dienstleister Stablecoins ohne MiCA-Zulassung bis zum 8. Januar 2027 auch aus Verwahrung und Transfers nehmen.















