Italienische Ermittler haben eine Schattenbank der Mafia zerschlagen, die Geld auch über Kryptowährungen gewaschen haben soll. Die Guardia di Finanza aus Mailand und Monza nahm 30 Personen fest, darunter Verdächtige in Spanien und der Schweiz. Nach Angaben der Ermittler wurden 68 Millionen Euro über Kryptowährungen ins Ausland gewaschen.
Mafia-Schattenbank in Mailand: 30 Festnahmen, auch in der Schweiz

Das Wichtigste auf einen Blick
- Italiens Finanzpolizei hat in der Lombardei eine Schattenbank der organisierten Kriminalität ausgehoben; es gab 30 Festnahmen, auch in Spanien und der Schweiz.
- Hinter einer Autovermietung bei Mailand sollen Männer mit Verbindungen zu ‘Ndrangheta und Camorra Geld über Scheinrechnungen und Kryptowährungen gewaschen haben.
- Die Ermittler sprechen von 68 Millionen Euro Geldwäsche über Kryptowährungen und falschen Rechnungen über mehr als 110 Millionen Euro; 21 Millionen Euro werden beschlagnahmt.
Die Bank hinter der Autovermietung
Sitz der Schattenbank war laut der Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore eine Autovermietung in Pero bei Mailand. Geführt worden sei sie von drei Italienern mit Mafia-Verbindungen: zwei langjährigen Kontaktleuten von ‘Ndrangheta-Clans aus Crotone, die in früheren Mafia-Verfahren rechtskräftig verurteilt wurden, und einem Mitglied des Camorra-Clans der Casalesi. Unterstützt worden seien sie von Komplizen aus China und Albanien.
Den Beschuldigten wird kriminelle Vereinigung mit mafiösen Methoden vorgeworfen. Unter den Verdächtigen sind auch Mitglieder der sogenannten vierten Mafia aus der Region um Foggia. Geleitet werden die Ermittlungen von der Anti-Mafia-Abteilung der Staatsanwaltschaft Mailand. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
So soll das Geld gewaschen worden sein
Das Geschäftsmodell beschreibt die Mailänder Staatsanwaltschaft so: Über ein Netz von Scheinfirmen habe die Gruppe Rechnungen für Leistungen ausgestellt, die es nie gab. Unternehmer hätten diese per Überweisung bezahlt und den Betrag über Kuriere in bar zurückbekommen. Das Bargeld stammte demnach aus Steuerhinterziehung und Drogenhandel.
Das auf Bankkonten gesammelte Geld sei fast vollständig auf Konten im Ausland geflossen oder in Kryptowährungen angelegt worden. Kunden seien vor allem Drogenhändler und Steuerhinterzieher gewesen. Sie hätten die Dienste einer Bank erhalten, nur eben an den Kontrollen gegen Geldwäsche vorbei.
Festnahmen in der Schweiz und in Spanien
Im Einsatz waren mehr als 350 Beamte. In Spanien und der Schweiz liefen die Festnahmen mit Hilfe einer Interpol-Einheit gegen die ‘Ndrangheta und in Abstimmung mit italienischen Polizeiexperten in Madrid und Bern. Beschlagnahmt werden Bargeld, Bankguthaben, Kryptowährungen, Autos, Boote, Schmuck, Luxusuhren und Geldzählmaschinen, insgesamt 21 Millionen Euro.
Festgenommen wurde auch ein Fahrer des Mailänder Ermittlungsrichteramts, der für beschlagnahmte Vermögenswerte zuständig war. Ihm wird unbefugter Zugriff auf ein Computersystem vorgeworfen, er steht unter Hausarrest. Auch gegen einen Mailänder Anwalt wird ermittelt.
Krypto bleibt Werkzeug für Geldwäscher
Auch in der Schweiz ist das Muster bekannt. Im April nahmen Zürcher Ermittler bei einer Aktion gegen die Führung eines Finanzdienstleisters fünf Personen fest, die Geld aus Betrug und Drogenhandel ins Ausland geschleust haben sollen. Verschleiert wurden die Transfers laut der Kantonspolizei Zürich mit Kryptowährungen und fiktiven Unterlagen, durchsucht wurde auch in Deutschland.
Auch Stablecoins werden dafür genutzt. In den USA wurde gerade ein kolumbianischer Krypto-Broker zu 160 Monaten Haft verurteilt, der Drogengeld über Tether (USDT) gewaschen hatte. Die italienische Finanzpolizei ist zudem nicht nur gegen Geldwäsche aktiv. In Trient ging sie zuletzt gegen eine Gruppe vor, die gewöhnliche PCs als KI-Mining-Geräte verkauft haben soll.















