Der Stablecoin-Herausgeber Tether hat in der Schweiz eine Stiftung gegründet, die Betrug mit Kryptowerten bekämpfen und Opfer von Menschenhandel unterstützen soll. Zu den Gründungsmitgliedern der Financial Access and Systemic Empowerment Foundation (Fase) zählen auch die Kryptobörse Bybit und das Analysehaus Chainalysis. Beraten wird die Stiftung vom Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). In einem Pilotprojekt will sie außerdem Hilfsgelder in Stablecoins auszahlen.
Tether startet Schweizer Stiftung Fase gegen Betrug und Menschenhandel

Das Wichtigste auf einen Blick
- Tether hat mit zehn weiteren Gründungsmitgliedern wie Bybit, Chainalysis und der Kraken-Mutter Payward die Schweizer Stiftung Fase gegründet, das UN-Büro UNODC berät sie.
- Erste Programme sollen bis zu 10 Millionen junge Menschen vor Betrug schützen und in einem Pilotprojekt bis zu 1 Million Menschen Hilfsgelder in Stablecoins zukommen lassen.
- Wie viel Geld Tether einbringt, nennt die Mitteilung nicht; in der EU verliert USDT derweil an Boden, Coinbase tauscht Bestände von EWR-Kunden am Freitag um.
Elf Gründungsmitglieder und ein UN-Partner
Aus der Kryptobranche sind die Börse Bybit, die Kraken-Mutter Payward, die Kryptobank Anchorage Digital, das Analysehaus Chainalysis, die Solana Foundation und das Technologieunternehmen Bitfury dabei, wie Tether am Mittwoch mitteilte. Hinzu kommen die Investmentgesellschaft Fasanara Capital, der Browserhersteller Opera, die Pave Bank und Prosper Global. Vor dem offiziellen Start trafen sich die Mitglieder in Lugano, wo Tether gemeinsam mit der Stadt die Plan B Foundation betreibt.
Die gemeinnützige Stiftung soll auf vier Feldern arbeiten. Sie will Menschen vor Betrug schützen, Zugang zu Finanzdienstleistungen schaffen, die Versorgung mit Internet, sauberer Energie und Gesundheitsdiensten verbessern und eine verantwortungsvolle Entwicklung von KI und Robotik fördern. Wie viel Geld Tether oder die anderen Mitglieder einbringen, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Betrugsprävention für 10 Millionen Jugendliche
Als erstes Projekt startet ein Bündnis mit der Jugendplattform Goodwall. Es soll bis zu 10 Millionen junge Menschen mit digitaler Bildung und Werkzeugen gegen Betrug erreichen, vor allem in Afrika, Lateinamerika und Südostasien. Gemeinsam mit dem UNODC will die Stiftung zudem Programme gegen Cyberkriminalität in Afrika, Asien und Mittelamerika ausbauen.
Bereits im Januar hatten Tether und die UN-Behörde eine Zusammenarbeit in Afrika angekündigt. In Senegal etwa fördern beide ein Bildungsprogramm zur Cybersicherheit für junge Menschen. Über den Treuhandfonds der Vereinten Nationen für Opfer von Menschenhandel will Fase außerdem Organisationen unterstützen, die Betroffenen direkt helfen.
Hilfsgelder per Stablecoin
Mit Prosper Global, laut Tether früher Mercy Corps, will die Stiftung testen, ob sich humanitäre Hilfe über Stablecoins transparenter und effizienter verteilen lässt. Ein erstes Pilotprojekt könnte bis zu 1 Million Menschen erreichen. Wo und wann es startet, nennt die Mitteilung nicht.
Gerade die Menschen, die Schutz am dringendsten bräuchten, habe das traditionelle Finanzsystem zu lange vernachlässigt, sagte Tether-Chef Paolo Ardoino. Schon vor Fase hatte Tether Stiftungen und gemeinnützige Projekte unterstützt, etwa die BTCPay Server Foundation mit jeweils 100.000 Dollar in den Jahren 2024 und 2025 und die Organisation Opensats mit 250.000 Dollar.
USDT im Visier von Ermittlern
Mit Betrug wird auch Tether selbst immer wieder in Verbindung gebracht. In Ost- und Südostasien seien Casinos und Kryptowährungen zu wichtigen Treibern von Geldwäsche, Untergrundbanken und Cyberbetrug geworden, berichtete das UNODC im Januar 2024. In ihrer Mitteilung zeigte die Behörde ein großes illegales Online-Casino in Myanmar, das mit USDT arbeitete. Laut dem Analysehaus TRM Labs war USDT 2023 der Stablecoin, der am häufigsten für illegale Zahlungen genutzt wurde. Das hat sich jedoch geändert. 2025 akzeptierten fast die Hälfte der neuen illegalen Darknet-Marktplätze ausschließlich Monero.
Tether verweist auf seine Zusammenarbeit mit Behörden. Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen mit mehr als 340 Strafverfolgungsbehörden in 70 Ländern zusammen und hat dabei geholfen, über 5 Milliarden Dollar einzufrieren, hieß es in einer Mitteilung vom 28. September.
In der EU verliert USDT an Boden
In der Schweiz gilt die europäische Kryptoverordnung MiCA nicht. In der EU fehlt USDT dagegen eine Zulassung, was erste Folgen hat. Nach den Erwartungen der EU-Wertpapieraufsicht Esma müssen zugelassene Anbieter auch die Verwahrung solcher Token bis spätestens 8. Januar 2027 beenden. Manche Börsen handeln schon früher. Coinbase tauscht am Freitag verbliebene USDT-Bestände von Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum um, in der Regel in USDC, wie die Börse auf ihrer Hilfeseite ankündigt. Auch das Fase-Mitglied Bybit ist in der EU tätig, über die Wiener Tochter Bybit EU mit einer MiCA-Zulassung der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA.
Über den Autor
GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser
Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.
















