In Norditalien hat die Finanzpolizei Guardia di Finanza einen mutmaßlichen Anlagebetrug mit Kryptowährungen aufgedeckt. Am Dienstag wurden fünf Verdächtige aufgrund richterlicher Anordnungen unter Hausarrest gestellt. Zudem beschlagnahmten die Ermittler Vermögenswerte im Wert von mehr als 877.000 Euro. Die Gruppe soll Anlegern gewöhnliche Computer als KI-gestützte Mining-Geräte verkauft haben. Allein in Trentino-Südtirol könnte der Schaden nach Schätzung der Ermittler bis zu fünf Millionen Euro betragen.
Krypto-Betrug in Italien: PCs als KI-Miner verkauft

Das Wichtigste auf einen Blick
- Italiens Finanzpolizei hat einen mutmaßlichen Betrug mit angeblichen KI-Mining-Geräten aufgedeckt; gegen fünf Verdächtige wurden am Dienstag richterliche Maßnahmen vollstreckt.
- Anleger zahlten 4.000 bis 30.000 Euro für gewöhnliche Computer, denen Erträge von 0,8 bis 1 Bitcoin im Monat oder im Jahr versprochen wurden.
- Beschlagnahmt wurden mehr als 877.000 Euro; den Schaden allein in Trentino-Südtirol schätzen die Ermittler auf bis zu 5 Millionen Euro.
Computer für bis zu 30.000 Euro
Das System hieß Hashburst. Beworben wurde es nach Angaben der Trentiner Tageszeitung L’Adige auf Konferenzen in bekannten Hotels im Trentino, in sozialen Netzwerken und über die Kontakte eines örtlichen Finanzberaters. Einige Verdächtige sollen sich als IT-Fachleute ausgegeben haben. Die Geräte kosteten zwischen 4.000 und 30.000 Euro und sollten mithilfe von KI Bitcoin, Ether, Dogecoin und Litecoin schürfen.
In Aussicht gestellt wurden Erträge von 0,8 bis 1 Bitcoin im Monat oder im Jahr. Beim aktuellen Kurs von rund 72.400 Euro entspräche ein Bitcoin mehr als dem Doppelten des teuersten Geräts. Nach den Ermittlungen handelte es sich jedoch um selbst zusammengebaute PCs mit geringer Rechenleistung. Auch die Apps und Websites, auf denen Anleger ihre Gewinne verfolgen konnten, sollen gefälscht gewesen sein. Wer nachfragte, erhielt einige Dutzend Euro und Erklärungen über technische Probleme oder einen Eigentümerwechsel.
Warum die Rechnung nicht aufgehen konnte
Bitcoin wird seit Jahren nur noch mit Spezialrechnern wirtschaftlich geschürft, sogenannten ASICs. Ein gewöhnlicher PC kommt gegen deren Rechenleistung nicht an. Zudem entstehen seit der Halbierung der Blockbelohnung im April 2024 im gesamten Netzwerk nur rund 450 neue Bitcoin pro Tag, verteilt auf alle Miner weltweit.
Mit angeblichen Mining-Erträgen arbeitete auch die Plattform Hyperfund, die weltweit rund 1,8 Milliarden Dollar einsammelte. Ihr Promoter Rodney Burton bekannte sich im Juni in den USA schuldig, ein Geldtransfergeschäft ohne Lizenz betrieben zu haben. Die beworbene Mining-Infrastruktur hatte Hyperfund laut den Ermittlern nie.
Spuren nach Belgien, Großbritannien und in die Schweiz
Das Geld der Anleger floss den Ermittlern zufolge auf ausländische Konten, vor allem bei Banken in Belgien. Die Rechnungen stellten zwei Gesellschaften nach britischem Recht aus, die den Verdächtigen zugerechnet werden. Durchsucht wurde in Trentino-Südtirol, der Lombardei, Venetien und in Belgien, unterstützt von der EU-Justizbehörde Eurojust. Als eine der Schlüsselfiguren gilt laut der Nachrichtenseite Il Dolomiti ein aus der Lombardei stammender Mann, der in der Schweiz lebt. Gegen ihn war bereits im Juni 2023 in einem anderen Verfahren wegen mutmaßlichen Betrugs eine Sicherungsmaßnahme verhängt worden.
Ermittlungen laufen weiter
Die Ermittlungen begannen im April 2024 und werden von der Staatsanwaltschaft Trient geführt. Insgesamt wird laut L’Adige gegen 15 Personen ermittelt. Zu den Geschädigten zählen Sparer, Unternehmer, Rentner und Selbstständige. Ein Unternehmer aus Trient, um die 50 Jahre alt, sagte der Zeitung, er habe fast seine gesamten Ersparnisse verloren.
Die 877.000 Euro entsprechen nur den bisher angezeigten Fällen. Die Ermittler halten es für möglich, dass die Gruppe das System auch in anderen Regionen Italiens angewendet hat. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.















