Irlands Zentralbankchef Gabriel Makhlouf hat vor einer Korrektur an den Märkten wegen hoher Bewertungen bei KI-Investitionen gewarnt und zugleich die Pläne seiner Behörde zur Tokenisierung vorgestellt. Auf derselben Konferenz in Dublin warb Boris Vujčić, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), am 2. November für ein stärker integriertes Europa, zu dem auch der digitale Euro und eine europäische Infrastruktur für digitale Zahlungen gehörten. An dieser Infrastruktur, der Plattform Pontes, sind zahlreiche deutsche Banken beteiligt.
Irische Zentralbank und EZB: KI-Risiken, Tokenisierung und digitaler Euro

Das Wichtigste auf einen Blick
- Irlands Notenbankchef Gabriel Makhlouf hält eine Marktkorrektur angesichts überhöhter Bewertungen bei Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) für nicht überraschend.
- Die irische Zentralbank legte ihre Auswertung zu Tokenisierung und Blockchain-Technik vor und will über Eurosystem-Projekte wie Pontes und Appia mitarbeiten.
- EZB-Vize Boris Vujčić sieht im digitalen Euro einen Baustein für Europas Unabhängigkeit, an der Plattform Pontes sind viele deutsche Institute beteiligt.
Makhlouf: Eine Korrektur wäre keine Überraschung
Zur fünften Finanzsystemkonferenz der Central Bank of Ireland kamen rund 500 Teilnehmende ins Dubliner Croke Park. Makhlouf sprach dort über den raschen technologischen Wandel und seine Folgen für Wachstum, Arbeitsmarkt und Finanzstabilität. Überhöhte Bewertungen infolge der KI-Investitionen blieben ein Grund zur Sorge:
Meiner Ansicht nach wäre eine Marktkorrektur keine Überraschung, und tatsächlich waren Korrekturen ein Merkmal anderer historischer Infrastruktur-Booms.
Die Risiken verschärften der schiere Umfang des Ausbaus, die Höhe der Kredite, mit denen die Investitionen finanziert werden, und die zum Teil zirkuläre Finanzierung, sagte Makhlouf. Vor einem Platzen der KI-Blase hatte zuletzt auch Bitmex-Mitbegründer Arthur Hayes gewarnt. Die große Mehrheit der von der Zentralbank beaufsichtigten Unternehmen nutze KI bereits, vom maschinellen Lernen bis zu generativer und agentenbasierter KI. Verantwortlich blieben aber die Menschen, die diese Werkzeuge einsetzen. Ihr drittes Innovationsprogramm stellt die Zentralbank unter das Motto KI zum Nutzen der Verbraucher, Bewerbungen sind ab Januar 2027 möglich.
Dublin will Tokenisierung voranbringen
Tokenisierung und Distributed-Ledger-Technologie (DLT) könnten das Geld- und Finanzsystem umgestalten, sagte Makhlouf, bis hin zur Frage, wie Geld und Wertpapiere durch das System fließen. Gut umgesetzt, könne die Technik bestehende Dienste effizienter machen und neue Produkte für Haushalte und Unternehmen hervorbringen. Die Technik allein reiche dafür aber nicht, das System müsse sich weiterentwickeln.
Die Zentralbank veröffentlichte zugleich ihre Rückmeldung zu einem Diskussionspapier über DLT und Tokenisierung. Darin nennt sie die Mitarbeit an den Eurosystem-Projekten Pontes und Appia als Schwerpunkt, ebenso mehr Rechtsklarheit in Irland und der EU. In ihrem Innovation Hub will sie zudem eine eigene Anlaufstelle für Tokenisierung einrichten.
Vujčić: Integration als Antwort auf geopolitische Schocks
EZB-Vizepräsident Vujčić stellte in seiner Rede die Frage, wie Europa in einer von Geopolitik geprägten Welt offen bleiben kann. Seine Antwort: nicht durch Rückzug, sondern durch mehr Widerstandskraft. Unterschiedliche nationale Regeln wirkten im Binnenmarkt wie Zölle, nach Schätzungen der EZB entsprächen sie im Höchstfall Zöllen von rund 67 Prozent auf Waren und 95 Prozent auf Dienstleistungen.
Wie wichtig grenzüberschreitende Märkte sind, zeigte Vujčić am Vergleich mit den USA. Dort würden rund 70 Prozent der wirtschaftlichen Schocks einzelner Bundesstaaten über Märkte und Transfers abgefedert, vor allem über die Kapitalmärkte. Im Euroraum seien es nur rund 30 Prozent, die Kapitalmärkte trügen davon lediglich 5 bis 10 Prozent. Als Antwort nannte er die Spar- und Investitionsunion mit einer vollendeten Bankenunion samt europäischer Einlagensicherung und einem integrierten Kapitalmarkt.
Zum Binnenmarkt gehörten auch widerstandsfähige Zahlungssysteme. Europa brauche eine eigene Infrastruktur, die unter Druck funktioniere. Der digitale Euro sei Teil der Antwort, weil er die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsanbietern verringere, sagte Vujčić. Ein weiterer Teil sei eine europäische Infrastruktur für digitale Zahlungen zwischen Finanzinstituten, und dafür sei der Start von Pontes im September ein wichtiger Meilenstein gewesen.
Deutsche Banken stehen bei Pontes in der ersten Reihe
Pontes startete am 21. September und ermöglicht es, Geschäfte mit tokenisierten Vermögenswerten zwischen Finanzinstituten in Zentralbankgeld abzuwickeln. Unter den 13 ersten Marktteilnehmern sind sechs deutsche Institute: die Bayerische Landesbank, Deutsche Bank, Dekabank, DZ Bank, die Förderbank KfW und NRW.Bank. Drei der vier ersten Betreiber der DLT-Plattformen kommen ebenfalls aus Deutschland, nämlich Clearstream, Swiat und Cashlink, zudem nimmt die Bundesbank selbst als Marktteilnehmerin teil. Den vollen Funktionsumfang mit längeren Betriebszeiten will das Eurosystem bis 2028 erreichen, unter dem Namen Appia entsteht bis dahin ein Bauplan für ein integriertes Ökosystem.
Beim digitalen Euro stimmte das Europäische Parlament am 9. Juli dafür, Verhandlungen über die Verordnung aufzunehmen. Umstritten bleibt das Projekt dennoch: Kritiker wie Cardano-Gründer Charles Hoskinson warnen vor Kontrolle über Zahlungen, die mit einer staatlichen Digitalwährung möglich werde.
Über den Autor
GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser
Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.
















