Bitcoin.com News
Bereitgestellt von

Stablecoins: FSB warnt G20 vor Risiken über Grenzen hinweg

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) warnt die G20 vor Risiken, die globale Stablecoins über Ländergrenzen hinweg tragen. Ein Emittent wisse womöglich nicht, wer seine Token hält und wo Rückgabewünsche auflaufen, heißt es in einer Notiz, die das Gremium am Montag veröffentlichte. Eigens untersucht es Stablecoins mit mehreren Emittenten, eine Konstruktion, die auch in der EU umstritten ist. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 beraten am Donnerstag in Bangkok.

GESCHRIEBEN VON
TEILEN
Stablecoins: FSB warnt G20 vor Risiken über Grenzen hinweg

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Finanzstabilitätsrat (FSB) hat den G20 am Montag eine Notiz zu globalen Stablecoins vorgelegt; Finanzminister und Notenbankchefs beraten am Donnerstag in Bangkok.
  • Laut FSB weiß ein Emittent womöglich nicht, wer seine Token hält; bei Stablecoins mit mehreren Emittenten könnten sich Rückgabewünsche auf eine Gesellschaft konzentrieren.
  • Das Gremium verlangt bessere Daten und engere Zusammenarbeit der Aufseher; in der EU drängt der Ausschuss für Systemrisiken seit 2025 darauf, solche Modelle nicht zuzulassen.

Emittenten kennen ihre Halter nicht

Die Notiz des FSB zu globalen Stablecoins vergleicht Emittenten mit Banken. Eine Bank kenne ihre Einleger und könne Abflüsse mit Blick auf ihre gesamte Bilanz steuern. Ein Stablecoin wechselt dagegen rund um die Uhr pseudonym den Besitzer. Seine Verbindlichkeiten seien international mobil und teils nicht beobachtbar, schreibt das Gremium. Reserven und Rechte der Halter blieben dagegen an einzelne Rechtsräume gebunden.

Im Stressfall könne der Handel rund um die Uhr einen Ausverkauf beschleunigen und die Bindung an die Referenzwährung unter Druck setzen, wenn Rückgaben nicht Schritt halten. Ein Ansturm könne auf das klassische Finanzsystem übergreifen: über Notverkäufe von Reserven, abgezogene Bankeinlagen und die Devisenmärkte. Tiefe, liquide Märkte ermöglichten allerdings Arbitrage, die den Kurs stützen könne.

Mehrere Emittenten, getrennte Reserven

Ein eigener Absatz gilt Stablecoins, die mehrere verbundene Gesellschaften gemeinsam ausgeben. Sie haften gemeinsam, halten ihre Reserven aber getrennt. Können Halter ihre Token bei jeder dieser Gesellschaften zurückgeben, könnte sich die Nachfrage auf eine einzige konzentrieren. Ob Reserven dann rechtzeitig über Grenzen verschoben werden, hänge von Marktzugang, Informationsfluss und Abstimmung ab, die im Stress versagen könnten. In einer Insolvenz sei womöglich unklar, welcher Emittent für welche Token einsteht.

In der EU ist dieses Modell seit 2025 umstritten. Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) forderte die EU-Kommission im Oktober 2025 in einer Empfehlung auf, gemeinsame Emissionen mit Gesellschaften aus Drittstaaten nicht als zulässig nach der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) zu behandeln. Andernfalls sollen Behörden Schutzmaßnahmen ergreifen, die meisten bis Ende 2026.

Emittenten in schwach regulierten Ländern

Wie nationale Regeln zusammenwirken, sei in vielen Staaten ungeklärt, auch beim Umgang mit im Ausland ausgegebenen Stablecoins. Das habe komplexe Strukturen begünstigt und Raum für Regulierungsarbitrage geschaffen: Einige Emittenten säßen in schwach oder gar nicht regulierten Ländern. Namen nennt das FSB nicht. Weder globale Stablecoins noch die nationalen Regelwerke seien bisher in einer schweren Krise oder Insolvenz erprobt.

FSB-Chef Andrew Bailey, der Gouverneur der Bank of England, wird im Begleitbrief an die G20 deutlicher. Die Zusammenarbeit der Aufseher über Grenzen hinweg stecke „noch in den Kinderschuhen“. Stablecoins aus schwach regulierten Ländern spielten zudem in Debatten über Betrug und Finanzkriminalität eine große Rolle.

Wo die EU diese Grenze zieht, zeigte am 8. Oktober die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (Esma): Zugelassene Kryptoanbieter sollen Stablecoins ohne EU-Zulassung nicht einmal mehr verwahren.

300 Milliarden Dollar, fast alles in Dollar

Den Markt beziffert das FSB für Mitte 2026 auf rund 300 Milliarden Dollar, 99 Prozent davon seien an den Dollar gebunden. Genutzt würden Stablecoins bisher vor allem für den Handel am Kryptomarkt; in einigen Schwellenländern dienten sie auch als Wertspeicher. Nach Daten des Analysedienstes Defillama waren es am Montag rund 306 Milliarden Dollar. Davon entfielen 58 Prozent auf Tether (USDT) und 23 Prozent auf USDC von Circle, Euro-Stablecoins kamen auf 0,3 Prozent.

In einem Punkt weichen die Daten ab. Laut FSB ist der Markt gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert. Defillama weist für Mitte 2025 erst rund 253 Milliarden Dollar aus; seit Oktober 2025 ist der Markt demnach nur noch um rund 2 Prozent gewachsen.

Aufseher stützen sich auf private Daten

Bei der Überwachung stützen sich die Behörden laut FSB überwiegend auf private Anbieter, die Blockchain-Daten nach eigenen, teils nicht offengelegten Methoden aufbereiten. Die Ergebnisse seien deshalb schwer vergleichbar. Ein Teil des Problems sei strukturell: Öffentliche Blockchains sind pseudonym, Zahlungen lassen sich oft weder einem Zweck noch einem Land zuordnen. Das FSB schlägt gemeinsame Kennzahlen vor, dazu einen besseren Austausch vorhandener Daten und Branchenstandards für deren Erhebung.

Wie es weitergeht

Die Notiz ist eine Bestandsaufnahme, keine Regel; Beschlüsse des FSB sind rechtlich nicht bindend. Das Gremium mit Sitz in Basel, in dem Behörden aus 24 Ländern und Rechtsräumen vertreten sind, will drei Punkte weiterverfolgen: die Überwachung grenzüberschreitender Risiken, die Umsetzung seiner Empfehlungen von 2023 und Pläne für den Ausfall eines globalen Stablecoins. Die G20 hatten sich Anfang September in Asheville für klare Regeln für digitale Vermögenswerte ausgesprochen.

In der EU steht zugleich die MiCA-Verordnung auf dem Prüfstand. Die EU-Kommission sammelte bis zum 30. September Stellungnahmen; dabei geht es auch um Stablecoins von Emittenten außerhalb der EU.