Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) holen als Kryptostandort auf. Ihre Kryptowirtschaft wuchs in den zwölf Monaten bis Ende Juni um 32 Prozent auf 104,8 Milliarden Dollar, während die Region Nahost und Nordafrika insgesamt stagnierte. Hält das Tempo an, könnten die Emirate die Türkei schon im kommenden Berichtsjahr als größten Kryptomarkt der Region ablösen. Das geht aus Daten des Blockchain-Analysehauses Chainalysis hervor.
Krypto in Nahost: VAE wachsen um 32 Prozent, Türkei setzt auf Gold

Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Kryptowirtschaft in Nahost und Nordafrika stagnierte laut Chainalysis bei 443,3 Milliarden Dollar, die Vereinigten Arabischen Emirate wuchsen dagegen um 32 Prozent.
- In der Türkei verlagerte sich Aktivität nach einer neuen Lizenzpflicht in private Wallets, nach einem Bargeldverbot für Goldkäufe boomte zudem tokenisiertes Gold.
- Im Iran brachen Bitcoin-Transaktionen während der Internetsperren um bis zu 90 Prozent ein; im weltweiten Index von Chainalysis liegt Deutschland auf Platz 13.
Dubai zieht Institutionen an
Insgesamt empfingen Wallets und Dienste in der Region von Juli 2025 bis Juni 2026 Kryptowerte im Wert von 443,3 Milliarden Dollar, 1,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie Chainalysis am Montag in seiner Regionalanalyse schreibt. Ohne die Emirate wäre der Rest der Region um 8,6 Prozent geschrumpft. Geprägt war das Jahr vom Iran-Krieg, der am 28. Februar begann.
Den Großteil des Wachstums trugen in den Emiraten Börsen und andere Dienste. Zuflüsse an institutionelle Plattformen wie Verwahrer und Market Maker stiegen um 75 Prozent auf 11,7 Milliarden Dollar, an zentralisierte Börsen um 22 Prozent auf 55 Milliarden Dollar. Allein Dubais Kryptoaufsicht Vara hat nach Angaben von Chainalysis mehr als 50 Firmen zugelassen, darunter fast alle der 20 größten Kryptounternehmen der Welt. Im Mai bekam etwa die Kraken-Mutter Payward eine vorläufige Genehmigung der Vara.
Türkei: Lizenzpflicht und Gold auf der Blockchain
Größter Markt der Region bleibt die Türkei mit 144,5 Milliarden Dollar, etwa einem Drittel des Gesamtvolumens. Ihr Wert ging leicht zurück. Zum Ende des Berichtszeitraums setzte das Land eine Lizenzpflicht der Kapitalmarktaufsicht SPK für alle Kryptodienstleister durch. Viele Nutzer wichen auf direkte Überweisungen zwischen Wallets aus. Dieser Handel unter Privatleuten verfünffachte sich auf 3,56 Milliarden Dollar, fast ausschließlich in Stablecoins.
Für Einkäufe dürfen Kryptowerte in der Türkei nicht genutzt werden, das verbietet die Zentralbank. Dollar-Stablecoins dienen deshalb vor allem als Sparform gegen die Inflation der Lira. Kräftig zugelegt hat auch tokenisiertes Gold, dessen Handel in Lira von nahezu null auf 974 Millionen Dollar stieg. Auslöser war ein Verbot, physisches Gold bar zu bezahlen, das die Regierung im Januar ankündigte und im April über das Erfassungssystem KMTS in Kraft setzte. Nach dem Dollar ist die Lira inzwischen die zweitwichtigste Währung für den Kauf von tokenisiertem Gold.
Iran: Ohne Netz kaum Bitcoin
Im Iran schaltete die Regierung das Internet zweimal ab, im Januar nach Protesten für 20 Tage und nach Kriegsbeginn für 88 Tage. In der ersten Woche der ersten Sperre machten iranische Bitcoin-Wallets fast 90 Prozent weniger Transaktionen als üblich, in der zweiten Sperre rund 80 Prozent weniger. Schon im März ging die zweite Sperre in die dritte Woche.
Ganz zum Erliegen kam die Aktivität nie. Gegen Ende der zweiten Sperre erreichte sie wieder mehr als drei Viertel des Normalniveaus, nach der Aufhebung Ende Mai fast das Doppelte. Chainalysis wertet dabei nach eigenen Angaben nur die Alltagsnutzung aus, nicht die Kryptogeschäfte, mit denen das Regime Sanktionen umgeht.
Israel: stabil, aber im Ausland gehandelt
Kaum bewegt hat sich Israel. Mit 37,9 Milliarden Dollar wuchs die Kryptowirtschaft um 0,7 Prozent, getragen vor allem von Privatanlegern. Stablecoins machten 57 Prozent der Zuflüsse an Dienste aus, die meisten davon flossen an Börsen im Ausland. Die einzige israelische Börse in den Daten erhielt 0,06 Prozent der Stablecoin-Zuflüsse. Um Kryptowerte geht es dort derzeit auch politisch: Die Notenbank lehnte den Vorschlag von Premierminister Benjamin Netanjahu ab, mögliche Sanktionen mit Kryptowährungen zu umgehen.
Deutschland weltweit auf Platz 13
Im weltweiten Ranking, das Chainalysis im September für 117 Länder veröffentlichte, steht Deutschland auf Platz 13, die Türkei auf Platz 20. Die Emirate fehlen unter den ersten 20, wie die Rangliste zeigt. Sie kombiniert Zuflüsse an Dienste, Handel unter Privatleuten, grenzüberschreitende Überweisungen und Guthaben und gewichtet die Werte nach der Kaufkraft eines Landes. Bei den Guthaben liegt Deutschland sogar auf Platz 5. Angeführt wird die Liste von Brasilien vor den USA.















