Der Drogenhandel im Darknet läuft fast vollständig über russischsprachige Marktplätze. Sie erhielten in den ersten neun Monaten des Jahres mehr als 1,2 Milliarden Dollar in Kryptowährungen, rund 95 Prozent dessen, was an solche Plattformen floss. Das geht aus einer Analyse des Blockchain-Analysehauses TRM Labs hervor. Russlands Justiz geht inzwischen gegen die mutmaßlichen Gründer des Marktplatzes Hydra vor, auf das laufende Geschäft hat das bislang aber keine sichtbare Wirkung.
Darknet: Russische Märkte vereinen 95 Prozent der Krypto-Umsätze

Das Wichtigste auf einen Blick
- Russischsprachige Darknet-Märkte erhielten laut TRM Labs von Januar bis September mehr als 1,2 Milliarden Dollar, rund 95 Prozent aller Kryptozahlungen an solche Plattformen.
- Russische Gerichte verhandeln inzwischen gegen mutmaßliche Gründer des 2022 vom BKA abgeschalteten Marktplatzes Hydra, ein noch aktiver Markt wurde dabei aber nicht geschlossen.
- Größter Markt ist Kraken Market mit fast 320 Millionen Dollar im dritten Quartal; in Deutschland schalteten BKA und ZIT im Mai die Neuauflage der Plattform Crimenetwork ab.
1,7 Milliarden Dollar erwartet
Insgesamt erhielten Darknet-Märkte von Januar bis September knapp 1,3 Milliarden Dollar, schreibt TRM Labs in seiner am Montag veröffentlichten Analyse. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen rund 1,7 Milliarden Dollar und damit so viel wie 2025. Seit 2022 ist das Volumen jedes Jahr gestiegen, damals lag es bei 1,1 Milliarden Dollar.
Der russischsprachige Anteil wuchs in dieser Zeit von etwa 90 auf rund 95 Prozent. Allerdings flacht das Wachstum ab: Nach einem Plus von 22 Prozent im Jahr 2025 rechnet TRM Labs für 2026 nur noch mit etwa 1 Prozent. Im dritten Quartal lagen die Einnahmen der russischsprachigen Märkte 7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Erfasst sind nur Marktplätze im Tor-Netzwerk mit Schwerpunkt Drogen, nicht aber unabhängige Shops einzelner Händler.
Als einen Grund für den Erfolg nennt TRM Labs das System der toten Briefkästen. Der Verkäufer versteckt die Ware an einem öffentlichen Ort und gibt den Standort erst nach der Zahlung preis. Ein solcher Kauf kann innerhalb von Minuten abgeschlossen sein, während der Postversand meist mehrere Tage dauert.
Kraken Market dominiert
Größter Marktplatz ist Kraken Market, der nichts mit der gleichnamigen Kryptobörse zu tun hat. Er startete im Dezember 2022 und wurde in der Szene als Nachfolger von Hydra beworben. Inzwischen erhält er mehr als 70 Prozent des gesamten Darknet-Volumens. Im dritten Quartal flossen dort fast 320 Millionen Dollar ein, kaum weniger als im Vorquartal und im Vorjahreszeitraum.
Auch die laufenden Ermittlungen haben daran nichts geändert. Im August, als ein Moskauer Gericht die Untersuchungshaft von vier Beschuldigten verlängerte, nahm Kraken Market im Schnitt rund 3,5 Millionen Dollar am Tag ein. Von Mitte September bis Mitte Oktober waren es etwa 3,4 Millionen Dollar.
Russlands Justiz nimmt Hydra-Gründer ins Visier
Die Verfahren reichen inzwischen bis zu den mutmaßlichen Gründern von Hydra. Ende Juni meldete das russische Innenministerium, die Ermittlungen gegen einen mutmaßlichen Anführer abgeschlossen zu haben, wie TRM Labs unter Berufung auf russische Medien berichtet. Sichergestellt wurden demnach mehr als 300 Millionen Rubel (rund 3,3 Millionen Euro) in bar und in Kryptowährungen, eingefroren Vermögen von über 1 Milliarde Rubel (etwa 10,8 Millionen Euro). Im Juli übernahm ein Gericht in Perm den Fall gegen zwei Männer, die Hydra gegründet haben sollen, einer von ihnen wird international gesucht.
Schon im Dezember 2024 hatte ein Gericht in der Region Moskau einen Mann zu lebenslanger Haft verurteilt, den russische Agenturen als Gründer oder Organisator von Hydra bezeichneten. Ein zweites Verfahren betrifft Kraken Market und das Forum Wayaway, aus dessen Umfeld Hydra laut einer US-Anklage um 2015 hervorgegangen sein soll. Die vier Beschuldigten bleiben bis Ende November in Haft, vier Fälle sollen vor Gericht kommen. Eine aktive Plattform haben russische Behörden bislang nicht geschlossen.
Hydra fiel durch deutsche Ermittler
Abgeschaltet hatten Hydra im April 2022 deutsche Ermittler. Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt (BKA) stellten die in Deutschland stehenden Server und Bitcoin (BTC) im damaligen Wert von rund 23 Millionen Euro sicher, teilte das BKA damals mit. Allein 2020 setzte die Plattform nach Einschätzung der Behörden mindestens 1,23 Milliarden Euro um.
Die deutschen Behörden gehen auch gegen deutschsprachige Plattformen vor. Im Mai schalteten ZIT und BKA die Neuauflage des Marktplatzes Crimenetwork ab, der mutmaßliche deutsche Betreiber wurde auf Mallorca festgenommen. Die Plattform zählte über 22.000 Nutzer, gezahlt wurde mit Bitcoin, Litecoin und Monero, wie aus der Pressemitteilung hervorgeht. Den Betreiber der Vorgängerversion verurteilte das Landgericht Gießen im März zu sieben Jahren und zehn Monaten Haft, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Im September 2024 hatten ZIT und BKA zudem 47 Tauschdienste abgeschaltet, über die Darknet-Händler und andere Kriminelle Kryptowährungen ohne Identitätsprüfung tauschen konnten.
Bereits im Juni 2025 hatte eine internationale Operation den Drogenmarkt Archetyp zerschlagen, dessen deutscher Administrator in Barcelona festgenommen wurde. Gegen die russischsprachigen Märkte gibt es bislang keine vergleichbare Aktion. TRM Labs will beobachten, ob die Verfahren in Russland künftig auch eine noch aktive Plattform treffen.














