Nach dem größten Kryptodiebstahl der Geschichte summieren sich die Strafen und Hack-Verluste von Binance auf rund 10,7 Milliarden Dollar (rund 9,6 Milliarden Euro). Vetle Lunde, Forschungschef bei K33 Research, dem Analysearm des norwegischen Brokers für digitale Vermögenswerte K33, schätzt den Vorsteuergewinn der Börse grob auf 19,2 Milliarden Dollar (rund 17,1 Milliarden Euro) für die Jahre 2021 bis 2025. Damit könnten diese „Geschäftskosten“ mehr als die Hälfte des Gewinns ausmachen.
Binance: Strafen und Hacks kosten 56 Prozent des geschätzten Gewinns

Das Wichtigste auf einen Blick
- Strafen und Hack-Verluste von Binance über 10,7 Milliarden Dollar (rund 9,6 Milliarden Euro) entsprechen rund 56 Prozent des geschätzten Vorsteuergewinns 2021 bis 2025.
- Binance zahlte bekannte Strafen von 4,34 Milliarden Dollar (rund 3,9 Milliarden Euro) und verlor 6,38 Milliarden Dollar (rund 5,7 Milliarden Euro) durch Hacks, ein Teil ist eingefroren.
- Die schrumpfende Vermögensbasis und der jüngste Hack könnten die Expansion von Binance bremsen, während Konkurrenten kräftig investieren.
Nach dem größten Kryptodiebstahl der Geschichte summieren sich die Strafen und Hack-Verluste von Binance auf rund 10,7 Milliarden Dollar (rund 9,6 Milliarden Euro). Vetle Lunde, Forschungschef bei K33 Research, dem Analysearm des norwegischen Brokers für digitale Vermögenswerte K33, schätzt den Vorsteuergewinn der Börse grob auf 19,2 Milliarden Dollar (rund 17,1 Milliarden Euro) für die Jahre 2021 bis 2025. Damit könnten diese „Geschäftskosten“ mehr als die Hälfte des Gewinns ausmachen.

Seine Schätzung veröffentlichte Lunde auf X. Es sei „ziemlich verrückt“, dass dies in gewissem Maß die Geschäftskosten von Binance widerspiegle, schrieb er. Die Gelder seien aller Wahrscheinlichkeit nach „sehr SAFU“, und die Position als führendes „Casino“ sei unvorstellbar profitabel.
Die Verluste aus dem Rekordhack könnten zudem noch sinken. Kryptowerte über rund 3 Milliarden Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) wurden eingefroren, die Suche nach den übrigen Geldern läuft weiter. Wie viel Binance zurückbekommt und wann, ist noch offen.
Außerdem setzte Binance die Hälfte seines SAFU-Fonds ein, eines Notfallfonds für Verluste von Nutzern. Die 7.500 BTC deckten rund 9 Prozent der Verluste.
Milliarden für Strafen und Hacks
Lundes Schätzung umfasst weder die Ergebnisse von Binance für 2026 noch die Jahre vor 2021. Zum Vergleich: Allein Nutzer aus den USA brachten Binance zwischen August 2017 und Oktober 2022 laut US-Justizministerium einen Gewinn von mehr als 1,6 Milliarden Dollar (rund 1,4 Milliarden Euro) ein. In den neun Jahren seines Bestehens hat Binance noch nie einen Konzernabschluss für die gesamte Unternehmensgruppe veröffentlicht.
Bei Strafen und Hacks ist die Lage transparenter. 2023 erklärte sich Binance in einem strafrechtlichen Vergleich in den USA bereit, 4,32 Milliarden Dollar (rund 3,9 Milliarden Euro) zu zahlen. Mitgründer Changpeng Zhao (CZ) trat im Rahmen der Vereinbarung als Chef zurück und saß später einige Monate in einem US-Gefängnis. Nach Berechnungen von Bitcoin.com News kamen Strafen von rund 20 Millionen Dollar (rund 17,9 Millionen Euro) gegen lokale Töchter in anderen Ländern hinzu. Sie reichen von 6,9 Millionen Dollar (rund 6,2 Millionen Euro) in Australien in diesem Jahr bis zu 750.000 Dollar (rund 670.000 Euro) in der Türkei im Jahr 2021. Die bekannten Strafen summieren sich damit auf rund 4,34 Milliarden Dollar (rund 3,9 Milliarden Euro).
Hinzu kommen die Hacks. Neben den 6,34 Milliarden Dollar (rund 5,7 Milliarden Euro), die Binance nach dem Hack im Oktober bereitgestellt hat, verlor die Börse bei einem Hack im Jahr 2019 rund 7.000 BTC, damals rund 41 Millionen Dollar (rund 36,6 Millionen Euro) wert. Diesen Verlust deckte Binance über seinen SAFU-Notfallfonds. Zusammen betrafen die beiden Hacks Firmenmittel über rund 6,38 Milliarden Dollar (rund 5,7 Milliarden Euro), wobei die Börse einen erheblichen Teil der von Stablecoin-Herausgebern und anderen Börsen eingefrorenen Gelder zurückerhalten könnte.
Mit den Strafen summieren sich die „Geschäftskosten“ der Börse damit auf rund 10,7 Milliarden Dollar (rund 9,6 Milliarden Euro). Trifft Lundes Schätzung zu, entspricht das rund 56 Prozent des Vorsteuergewinns von Binance in den Jahren 2021 bis 2025. Je nach den Ergebnissen für 2026 und die Jahre vor 2021 könnten Strafen und Hack-Kosten etwa die Hälfte der gesamten Gewinne des Unternehmens ausmachen.
Bifinity zahlte 124 Millionen US-Dollar an Steuern
Binance hat seine Finanzzahlen nicht öffentlich zugänglich gemacht, daher bleiben diese Berechnungen Schätzungen. Gleiches gilt für die Steuern, die die Börse zahlt. Finanzunterlagen von Bifinity, dem in Litauen ansässigen Anbieter von Fiat-zu-Krypto-Zahlungen von Binance, bieten jedoch einige Einblicke.
Das Unternehmen, das von April 2023 bis Januar 2025 direkt im Besitz von CZ war, war von 2020 bis zu seiner Auflösung in diesem Jahr in Litauen tätig. Öffentlichen Unterlagen zufolge erzielte Bifinity einen Umsatz von fast 1,5 Milliarden Euro (1,68 Milliarden US-Dollar) und erwirtschaftete nach Zahlung von 110,8 Millionen Euro (124 Millionen US-Dollar) an Steuern einen Nettogewinn von fast 180 Millionen Euro (202 Millionen US-Dollar).
Bifinity zahlte 110,8 Millionen Euro Steuern
Binance veröffentlicht keine Finanzzahlen, die Berechnungen bleiben daher Schätzungen. Das gilt auch für die Steuern, die die Börse zahlt. Einblick geben aber die Finanzunterlagen von Bifinity, dem in Litauen ansässigen Anbieter von Binance für den Tausch von Fiatgeld in Kryptowährungen.
Das Unternehmen gehörte von April 2023 bis Januar 2025 direkt CZ und war von 2020 bis zu seiner Auflösung in diesem Jahr in Litauen tätig. Öffentlichen Unterlagen zufolge erzielte Bifinity einen Umsatz von fast 1,5 Milliarden Euro und nach Steuern von 110,8 Millionen Euro einen Nettogewinn von fast 180 Millionen Euro.
Geringere Reserven könnten die Expansion bremsen
Abgeschlossen ist die Aufarbeitung noch nicht. Binance hat nach eigenen Angaben aber bereits rund 95 Prozent der betroffenen Werte ersetzt, und die Auszahlungen laufen wieder und stabilisieren sich nach einem anfänglichen Anstieg. Dennoch muss die Börse nun Mittel für die Bewältigung der Krise aufwenden. Das könnte ihre Expansionspläne bremsen, zumal die Reserve für Investitionen kleiner ausfallen dürfte.
Zudem sanken die von Binance erfassten Vermögenswerte seit dem Hack am 29. Oktober um mehr als 11 Prozent auf rund 128,3 Milliarden Dollar (rund 114,6 Milliarden Euro), wie Bitcoin.com News berichtete. Darin spiegeln sich auch fallende Kurse und die gestohlenen Gelder. Gleichzeitig investieren Konkurrenten wie Coinbase, Kraken und OKX kräftig in ihre Expansion. Hinzu kommt, dass der Markt eher vor einer Bärenphase als in einem bestätigten Bullenmarkt zu stehen scheint, was den Aufbau neuer Reserven aus künftigen Gewinnen verlangsamen könnte.

In der EU sind die Wachstumsmöglichkeiten ohnehin begrenzt. Binance hat keine Zulassung nach der Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) und schränkte seine Dienste für betroffene Nutzer in der EU zum 1. Juli ein. In Deutschland hatte Binance bereits im Juli 2023 seinen Antrag auf eine Lizenz für die Kryptoverwahrung bei der Finanzaufsicht Bafin zurückgezogen. Die Börse begründete das damals mit grundlegend veränderten Bedingungen, unter anderem durch MiCA, wie die Börsen-Zeitung berichtete.
Pläne, Finanzberichte zu veröffentlichen und so die Stärke des Unternehmens zu belegen, hat Binance nicht angekündigt. Der Markt wartet deshalb auf mehrere Schritte: einen ausführlicheren Bericht zum Vorfall nach Abschluss der Untersuchung, Neuigkeiten zu den eingefrorenen Werten über mehr als 2,8 Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro), Angaben dazu, wann Binance den SAFU-Fonds wieder auffüllt, und die Ergebnisse des neuen Reservenachweises.
Bitcoin.com News hat Binance um eine Stellungnahme gebeten und wird den Artikel aktualisieren, sobald die Börse antwortet.
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Jetzt lesen: Die 20 größten Krypto-Hacks: Binance vor Bybit, Mt. Gox führt in BitcoinDieser Artikel beruht auf einem Bericht unserer englischsprachigen Redaktion. Er wurde mithilfe von KI übersetzt und von Konstantin Kaiser geprüft, bearbeitet und freigegeben.
Über den Autor
GESCHRIEBEN VONLinas KmieliauskasAuthor, manager
Linas Kmieliauskas ist ein erfahrener Nachrichtenmedienprofi mit über 25 Jahren Berufserfahrung.


















