Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeit von Zentralbanken an drei Stellen gleichzeitig. Davor warnte Tao Zhang, Chefrepräsentant der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) für Asien und den Pazifik, in einer am Mittwoch veröffentlichten Rede für das Financial Street Forum in Peking. Betroffen seien die Preisbildung, die Stabilität des Finanzsystems und die Abwehr von Cyberangriffen.
BIZ zu KI: Herdenverhalten und Cyberangriffe bedrohen das Finanzsystem

Das Wichtigste auf einen Blick
- Künstliche Intelligenz könnte Preise schneller reagieren lassen, Banken zu gleichem Verhalten verleiten und Cyberangriffe beschleunigen, sagte BIZ-Vertreter Tao Zhang in einer Rede in Peking.
- Gefährlich werde vor allem, wenn viele Institute ähnliche Modelle, Daten und Dienstleister nutzen; ein Ausfall oder Angriff könne dann mehrere zugleich treffen.
- Notenbanken sollten KI selbst nutzen, aber menschliches Urteil behalten; als Beispiel nannte Zhang ein Projekt mit Bundesbank und EZB zur Inflationsmessung.
Preise reagieren schneller
Mit KI könnten Unternehmen Informationen schneller verarbeiten und ihre Preise häufiger anpassen, sagte Zhang. Onlinehändler mit algorithmischer Preissetzung reagierten etwa rasch auf Änderungen bei Spritpreisen oder Wechselkursen. Für die Geldpolitik heißt das: Schocks könnten schneller bei den Verbraucherpreisen ankommen, und die Inflation könnte sich anders entwickeln als bisher.
Notenbanken bräuchten deshalb aktuellere und detailliertere Daten. KI helfe, Muster in großen Datenmengen zu erkennen, die Deutung für Inflation und Zinspolitik müsse aber beim Menschen bleiben.
Gleiche Modelle, gleiche Reaktionen
Das zweite Risiko sieht Zhang im Herdenverhalten. Setzen Banken und Fonds ähnliche Modelle, Daten oder Entscheidungsregeln ein, könnten sie Informationen gleich deuten und zur selben Zeit handeln. Verkaufen viele dieselben Anlagen auf einmal, verstärkten sich Kursbewegungen, Schulden und schwer verkäufliche Anlagen könnten das noch verschärfen.
Hinzu kommt die Finanzierung des KI-Booms selbst. Eine Analyse der BIZ zeige eine wachsende Rolle von Krediten, auch aus dem privaten Kreditmarkt, sowie Finanzierungen im Kreis, bei denen Firmen in ihre eigenen Lieferanten oder Kunden investieren. Aufseher sollten daher durchspielen, wie das System auf einen plötzlichen Kursrutsch bei KI-Werten reagieren würde.
Schnellere Angriffe, gemeinsame Schwachstellen
Drittens mache KI Cyberangriffe schneller und wirkungsvoller. Angreifer könnten mit ihr überzeugendere Nachrichten verfassen, Teile eines Angriffs automatisieren und Lücken rascher finden. Auch beim Hardware-Wallet-Hersteller Coldcard könnte KI nach dessen Angaben geholfen haben, eine fünf Jahre alte Sicherheitslücke aufzudecken.
Besonders heikel sei die Abhängigkeit von gemeinsamen Dienstleistern, warnte Zhang. Falle ein wichtiger Anbieter aus, treffe das mehrere Institute auf einmal. Wie das aussieht, zeigte sich am Dienstag: Bei Revolut fielen App und Karten in vielen Ländern aus, Ursache war laut Berichten ein Stromausfall bei Google Cloud in London.
Bundesbank testet KI bei der Inflation
Wie Notenbanken KI selbst einsetzen können, zeigte Zhang am Projekt Spectrum. Darin haben der Innovation Hub der BIZ, die Bundesbank und die Europäische Zentralbank (EZB) untersucht, wie sich tägliche Produktpreise aus dem Internet für die Inflationsanalyse nutzen lassen. Die Datenbank der EZB umfasst Milliarden Preisbeobachtungen zu 34 Millionen Produkten.
Statt jedes Produkt von einem großen Sprachmodell einordnen zu lassen, wandelte die KI nur die Produktbeschreibungen in Zahlenvektoren um, klassische Verfahren übernahmen die Zuordnung. Das dauerte fünf Tage und kostete rund 1.500 Euro, wie der Projektbericht vom Februar zeigt. Mit GPT-5 hätte die Klassifizierung demnach mehr als sechs Monate gedauert und über 500.000 Euro gekostet.
Zugleich mahnte Zhang mehr internationale Zusammenarbeit an. Die Folgen von KI machten nicht an Landesgrenzen halt, und nicht jede Behörde verfüge über die nötigen Daten und Fachleute. Mit Stablecoins hatte sich die BIZ erst am Montag befasst, laut ihrer Studie senken sie die Kosten von Auslandszahlungen nicht automatisch.















