Bitcoin.com News
Bereitgestellt von

BIZ-Studie: Wise und Co. schlagen Banken, Stablecoins kein Allheilmittel

Stablecoins gelten vielen als Abkürzung zu günstigen Auslandsüberweisungen. Eine neue Studie, die die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) am Montag veröffentlicht hat, dämpft diese Hoffnung. Am stärksten hätten bislang Fintechs wie Wise und Remitly die Kosten gedrückt, Stablecoins seien dagegen kein Allheilmittel, schreiben die drei Ökonomen der Harvard Business School.

GESCHRIEBEN VON
TEILEN
BIZ-Studie: Wise und Co. schlagen Banken, Stablecoins kein Allheilmittel

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine am Montag von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich veröffentlichte Studie vergleicht die Kosten von Auslandsüberweisungen über Banken, Fintechs und Stablecoins.
  • Laut der Studie verlangen Banken beim Tausch zwischen Dollar und Euro 2,3 bis 4,7 Prozent Aufschlag; Fintechs wie Wise kommen über viele Währungen auf 0,4 bis 1,5 Prozent.
  • Stablecoins seien kein Allheilmittel, schreiben die Autoren: Kryptobörsen übernähmen die Rolle der Mittelsmänner, und der Handel mit Euro sei noch sehr dünn.

Teure Bankwege, günstige Fintechs

Wenxin Du, Catherine Huang und David Scharfstein vergleichen in dem Arbeitspapier der BIZ drei Wege für Geld ins Ausland: klassische Banküberweisungen über das Netz der Korrespondenzbanken und Swift, Zahlungsdienste wie Wise, Remitly oder Western Union sowie Stablecoins. Vorgestellt hatten sie die Arbeit im Juni auf der Jahreskonferenz der BIZ in Basel. Die Ergebnisse geben die Sicht der Autoren wieder, nicht die der BIZ.

Teuer sind Auslandszahlungen demnach nicht, weil der Devisenmarkt zu wenig Liquidität hätte. Selbst für das meistgehandelte Paar Dollar und Euro verlangen große Banken bei Überweisungen mit Währungstausch Aufschläge von etwa 2,3 bis 4,7 Prozent. Grundlage ist allerdings nur eine kleine Stichprobe eigener Überweisungen der Autoren. Sie führen die Aufschläge auf hohe Fixkosten der Korrespondenzbanken und die Marktmacht der Banken zurück.

Fintechs kommen über viele Währungen hinweg im Schnitt auf 0,4 bis 1,5 Prozent. Sie gleichen gegenläufige Zahlungen intern aus und halten Geld auf lokalen Konten vor. Am günstigsten sind Überweisungen in Euro: Bei 200 Dollar lag der mittlere Aufschlag bei rund 1,75 Prozent, ab 10.000 Dollar bei etwa 0,39 Prozent.

Kryptobörsen als neue Korrespondenzbanken

Bei einer Zahlung per Stablecoin tauscht der Absender sein Geld meist in einen Dollar-Stablecoin, schickt ihn über eine Blockchain, und der Empfänger tauscht ihn über eine Kryptobörse in die eigene Währung. Die Gebühren für die Übertragung auf der Blockchain sind laut der Studie vernachlässigbar, und bei großen Währungen liegt auch der Wechselkurs nahe am Referenzkurs.

Kosten entstehen aber an anderer Stelle: durch Handels- und Auszahlungsgebühren der Börsen. Im Beispiel der Autoren fällt beim Umtausch von USDC in Euro auf der Börse Kraken eine Handelsgebühr von 1 Prozent an. Die Kryptobörsen übernähmen damit die Rolle der Korrespondenzbanken, schreiben Du, Huang und Scharfstein. Stablecoins verteilten die Vermittlung neu, statt sie abzuschaffen.

Einen Vorteil sehen die Autoren in Schwellenländern mit Kapitalverkehrskontrollen. Dort liegen die Kurse beim Tausch in Stablecoins teils günstiger als der offizielle Wechselkurs, weil die Nachfrage nach Dollar groß ist. Das liege an den Kontrollen, nicht an einer überlegenen Technik.

Der Euro-Markt ist noch klein

Für Europa wichtig ist ein weiterer Befund: Der Handel zwischen Dollar-Stablecoins und Euro ist zwar der liquideste Stablecoin-Devisenmarkt, aber winzig. Auf zentralen Börsen werden im Schnitt etwa 185 Millionen Dollar am Tag gehandelt, auf dezentralen rund 15 Millionen. Am klassischen Devisenmarkt liegt der tägliche Euro-Umsatz bei etwa 2,7 Billionen Dollar.

Als Alternative beschreiben die Autoren den Tausch direkt auf der Blockchain zwischen einem Dollar- und einem Euro-Stablecoin. Das ist bislang kaum möglich, weil die meisten Stablecoins auf Dollar lauten. In Europa wird an Euro-Stablecoins allerdings gearbeitet: Zuletzt erhielt das Bankenkonsortium hinter Qivalis die Lizenz für seinen Euro-Stablecoin. Über die Zukunft der Auslandszahlungen entscheiden nach Ansicht der Autoren am Ende Vertrauen, Aufsicht und Regulierung ebenso wie die Technik.