Netflix macht aus dem Zusammenbruch der Kryptobörse FTX eine Serie. Am Donnerstag erschien der Trailer zu The Altruists, die acht Folgen laufen ab dem 19. November. Im Mittelpunkt stehen FTX-Gründer Sam Bankman-Fried (SBF), der eine Haftstrafe von 25 Jahren verbüßt, und Caroline Ellison, die frühere Chefin seines Handelshauses Alameda Research. Ein Blick auf Bankman-Frieds frühere Wetten zeigt, warum der Fall noch immer Streit auslöst: Seine Positionen in Solana und im KI-Unternehmen Anthropic wären inzwischen Milliarden wert.
FTX-Skandal wird zur Netflix-Serie: SBF, Alameda und Milliardenverluste

Das Wichtigste auf einen Blick
- Netflix hat den Trailer zu The Altruists veröffentlicht; die achtteilige Serie über FTX-Gründer Sam Bankman-Fried und Caroline Ellison startet am 19. November.
- Bankman-Fried zählte zu den lautesten Unterstützern von Solana: FTX und Alameda kauften rund 58 Millionen SOL, die derzeit etwa 6,4 Milliarden Dollar wert wären.
- Der Anteil am KI-Unternehmen Anthropic wäre laut seinen Anwälten inzwischen rund 80 Milliarden Dollar wert; für die Schuldfrage halten die Gerichte das für unerheblich.
Eine Liebesgeschichte nach einem Betrugsfall
Der Trailer auf dem Youtube-Kanal von Netflix zeigt Anthony Boyle als Bankman-Fried und Julia Garner als Ellison. Netflix bewirbt die Serie als toxische Liebesgeschichte nach einem realen Betrugsfall. Geschrieben haben sie Graham Moore und Jacqueline Hoyt, produziert wird sie unter anderem von Higher Ground, der Firma von Barack und Michelle Obama.
Die Vorlage lieferten Recherchen des New York Magazine, wie aus der Übersicht von Netflix zur Besetzung hervorgeht. Auch die Kryptobranche bekommt ein Gesicht: Terry Chen spielt Binance-Gründer Changpeng Zhao. Moore sagte dem Netflix-Magazin, er wolle beide Hauptfiguren als reale Menschen Ende 20 zeigen, die plötzlich über Milliarden entschieden.
Bankman-Fried und Solana
Bankman-Fried war einer der prominentesten Unterstützer von Solana (SOL). Nach Angaben der Solana Foundation kauften Alameda und FTX zwischen August 2020 und Februar 2021 rund 58 Millionen SOL von der Stiftung und von Solana Labs. Das größte Paket, 34,5 Millionen SOL, datiert vom 7. Januar 2021.
Zwei Tage später lieferte er sich auf X einen Schlagabtausch mit einem Kritiker, dem er mehrfach Wetten auf den Kurs anbot. Am Ende schrieb er in einem Beitrag, der in der Szene berühmt wurde: „Ich kaufe so viele SOL, wie du hast, jetzt sofort, zu 3 Dollar.“ Den Rest der Nachricht bildete eine derbe Aufforderung zu verschwinden.
Der Kurs gab ihm zunächst recht. Im Dezember 2020 hatte SOL noch rund 1 Dollar gekostet, am 6. November 2021 waren es 260 Dollar. Nach dem FTX-Zusammenbruch fiel der Kurs bis auf 8 Dollar. Am Freitag notierte SOL bei rund 110 Dollar; die 58 Millionen Token wären damit etwa 6,4 Milliarden Dollar wert.
Die Wette auf KI
Noch größer wäre der Gewinn bei Anthropic ausgefallen. FTX hatte 500 Millionen Dollar in das KI-Unternehmen gesteckt und hielt damit knapp 8 Prozent, die die Insolvenzverwalter 2024 zum Verkauf stellten. Bankman-Frieds Anwälte beziffern den aktuellen Wert in ihrem Antrag an den Obersten Gerichtshof der USA auf rund 80 Milliarden Dollar. Der Antrag nennt weitere Beteiligungen, darunter Spacex, Robinhood und das KI-Startup Cursor.
Die Zahl hält einer Überschlagsrechnung stand, mit einer Einschränkung. Anthropic wurde in der jüngsten Finanzierungsrunde mit 965 Milliarden Dollar bewertet, wie eine Übersicht des Handelsplatzes Forge Global zeigt; knapp 8 Prozent davon sind rund 76 Milliarden Dollar. Seit 2024 hat das Unternehmen aber mehr als 100 Milliarden Dollar frisches Kapital aufgenommen. Ein früher Anteil wäre dadurch verwässert und entsprechend weniger wert.
Bankman-Frieds Rechnung: 114 Milliarden Dollar
Bankman-Fried selbst rechnet das ganze Portfolio hoch. Über sein X-Konto erschien am 22. April eine Aufstellung der sechs größten FTX-Beteiligungen. Sie soll zeigen, welchen Wert die Beteiligungen heute möglicherweise hätten, wenn die Insolvenzverwaltung sie nicht zur Finanzierung der Gläubigerrückzahlungen verkauft hätte. Die Tabelle kommt auf 114 Milliarden Dollar: Anthropic 82,3 Milliarden, Spacex 15 Milliarden, Solana 5,1 Milliarden, Robinhood 4,9 Milliarden, den Bitcoin-Miner Genesis Digital 3,5 Milliarden und das KI-Startup Cursor 3 Milliarden.

Die Summe stimmt rechnerisch, und die genannten Vervielfachungen passen zu den bekannten Einsätzen: 500 Millionen Dollar bei Anthropic, 200.000 Dollar bei Cursor. Für Solana ergibt sich mit dem Kurs vom Freitag sogar ein höherer Wert als in der Tabelle. Unabhängig prüfen lassen sich die übrigen Posten nicht. Die Tabelle sagt auch nichts darüber, womit die Beteiligungen bezahlt wurden.
Der Schaden und was die Kunden bekamen
Den Schaden bezifferte das US-Justizministerium bei der Verkündung des Strafmaßes im März 2024 auf mehr als 8 Milliarden Dollar bei FTX-Kunden, dazu mehr als 1,7 Milliarden bei Investoren und 1,3 Milliarden bei Kreditgebern von Alameda.
Der Schaden reichte über FTX hinaus. Der Kryptomarkt steckte bereits in einem Abschwung, der Zusammenbruch drückte ihn auf den Tiefpunkt. Bitcoin (BTC) fiel binnen gut zwei Wochen von rund 21.300 auf 15.479 Dollar am 21. November 2022 und lag damit 78 Prozent unter dem Rekordhoch vom November 2021. Solana verlor bis Ende Dezember 78 Prozent, der FTX-eigene Token FTT binnen neun Tagen 94 Prozent. Erst am 20. Januar 2023 schloss Bitcoin wieder über dem Stand vor dem Kollaps.
Für die Gerichte stand fest, dass Bankman-Fried Kundengelder zweckwidrig verwendet hatte. Seine Verteidigung argumentiert dagegen, die Aussicht auf eine vollständige Rückzahlung hätte bei der rechtlichen Bewertung berücksichtigt werden müssen. Das Berufungsgericht bestätigte Urteil und Strafe im Juni, Bankman-Fried zog im September vor den Obersten Gerichtshof.
Die Rückzahlungen an FTX-Gläubiger orientieren sich an den zum Insolvenzantrag im November 2022 festgelegten Dollarwerten ihrer Forderungen, nicht am heutigen Marktwert der ursprünglich gehaltenen Kryptowährungen. Nach dem bestätigten Insolvenzplan sollen 98 Prozent der Gläubiger nach Anzahl rund 119 Prozent ihrer anerkannten Forderungen erhalten. Für Bitcoin wurden 16.871,63 Dollar je BTC als Forderungswert angesetzt. Eine Rückzahlung von 119 Prozent entspricht rund 20.000 Dollar. Zum Vergleich: Am Freitag notierte Bitcoin bei rund 83.000 Dollar. Die Gläubiger erhalten damit zwar mehr als den angesetzten Dollarwert ihrer Forderungen zurück, profitieren aber nicht im selben Umfang von der Wertsteigerung ihrer ursprünglich gehaltenen Kryptowährungen.
Ellison, die gegen Bankman-Fried aussagte, ist wieder frei. Sie verbüßte 14 Monate und arbeitet inzwischen für eine gemeinnützige Organisation.















