Laut dem wöchentlichen Marktbericht von Wintermute wurde die Erholung des Bitcoin-Kurses durch die im Rahmen der Erwartungen liegenden US-Inflationsdaten und nachlassende geopolitische Spannungen gestützt. Dennoch warnte das Unternehmen, dass ein dauerhafter Tiefpunkt für Kryptowährungen ohne eine deutliche Rückkehr der Zuflüsse aus ETFs, Stablecoins und den Beständen digitaler Vermögenswerte weiterhin unbestätigt bleibt.
Wintermute: Bitcoins Aufwärtstrend steht vor einer weiteren Falle, sofern die Nachfrage nach ETFs nicht wieder anzieht

Die wichtigsten Erkenntnisse
- Wintermute teilte mit, dass Bitcoin um 1,9 % gestiegen sei, nachdem der Verbraucherpreisindex (CPI) für Mai bei 4,2 % lag und sich die Konfliktrisiken im Iran entspannt hatten.
- Bitcoin-ETFs und Vermögensverwaltungsgesellschaften zeigen sich weiterhin schwach; das verwaltete Vermögen (AUM) sank von 220 Mrd. USD auf 140 Mrd. USD.
- Laut Wintermute könnten die Signale der Fed am 19. Juni darüber entscheiden, ob sich die Erholung fortsetzt.
Wintermute sieht trotz Bitcoin-Erholung keinen bestätigten Tiefpunkt
Bitcoin konnte sich diese Woche etwas erholen, doch laut Wintermute ist die Erholung nach wie vor fragil. In seinem jüngsten wöchentlichen Marktbericht erklärte der Krypto-Market-Maker, dass zwei makroökonomische Entwicklungen zur Erholung der Risikoanlagen beigetragen hätten. Die US-Verbraucherpreisinflation für Mai lag im Jahresvergleich bei 4,2 % – dies war der dritte monatliche Anstieg in Folge und der höchste Wert seit 2023. Dennoch entsprach die Zahl den Erwartungen, was ausreichte, um Investoren zu beruhigen, die einen stärkeren Anstieg befürchtet hatten.
Die Kerninflation lieferte ein besseres Signal und ging auf 2,9 % zurück. Wintermute erklärte, dies deute darauf hin, dass der jüngste Preisdruck eher durch Energiepreise als durch einen allgemeinen Anstieg der Löhne und Dienstleistungskosten getrieben sein könnte.

Der zweite Treiber war geopolitischer Natur. Nach mehr als 100 Tagen endete der Iran-Konflikt, nachdem Präsident Donald Trump die Wiederöffnung der Straße von Hormus und die Aufhebung der Seeblockade genehmigt hatte. Die offizielle Unterzeichnung ist für den 19. Juni in der Schweiz angesetzt.
Die Ölpreise fielen stark, als sich die Risikoprämie abbaute. Brent fiel im vergangenen Monat von hohen 110er-Dollar-Werten auf niedrige 80er-Dollar-Werte, einschließlich eines Rückgangs um 6,6 % in dieser Woche. Der Dollar gab um 1 % nach, während die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen wieder in Richtung 4,50 % tendierte.
Diese Kombination stützte Risikoanlagen. Der Russell 2000 stieg um 4 %, der Nasdaq legte um 2,3 % zu, Altcoins kletterten um 3,1 % und Bitcoin gewann 1,9 % hinzu. Ether blieb zurück und gab trotz der allgemeinen Erholung um 0,4 % nach.
Der Krypto-Aufschwung vermisst frisches Kapital
Die jüngste Erholung folgt auf einen starken Ausverkauf vor zwei Wochen, als Bitcoin um 14 % fiel und der breitere Kryptomarkt um mehr als 10 % nachgab. Einige Händler machten den Verkauf von 32 BTC durch Strategy dafür verantwortlich, doch Wintermute erklärte, die größeren Einflussfaktoren seien makroökonomischer Druck und nachlassende Dynamik gewesen, nachdem Bitcoin von einem Tiefstand im Bereich von 60.000 US-Dollar auf 83.000 US-Dollar gestiegen war.
Diese Rallye sieht laut dem Ausblick des Unternehmens nun eher wie eine Täuschung in einem Bärenmarkt aus als wie ein neues Zyklushöchst. Bitcoin hat seit letztem Oktober drei Kursrückgänge von mehr als 20 % hinnehmen müssen. Die jüngste Entwicklung war eher unruhig als trendorientiert und hat sowohl Bullen als auch Bären überrascht. Die Perpetual- und Optionsmärkte zeigen wenig Interesse an starken Richtungswetten, was auf eine mögliche Konsolidierung im Sommer hindeutet, sofern kein bedeutender Auslöser eintritt. Das zentrale Thema ist die Liquidität. Wintermute erklärte, dass Kryptowährungen nach wie vor stark von drei Kapitalkanälen abhängig sind: Stablecoins, börsengehandelte Fonds (ETFs) und Treasury-Unternehmen für digitale Vermögenswerte. Keiner davon hat sich eindeutig nach oben bewegt. Das verwaltete Vermögen von Digital-Asset-Treasury-Unternehmen ist von 220 Milliarden US-Dollar auf etwa 140 Milliarden US-Dollar gesunken. Abgesehen von Strategy, Bitmine und Strive haben sich neue Kapitalbeschaffungen weitgehend verlangsamt. Bitcoin-ETFs verzeichneten kürzlich ihre längste Abflussserie seit ihrer Einführung, während die Stablecoin-Ströme weiterhin unter Druck stehen.
Das macht es schwierig, einen Tiefpunkt auszurufen. Langfristige Käufer könnten in den niedrigen 60.000er-Dollar-Bereichen Wertpotenzial sehen, und der Verkaufsdruck hat nachgelassen. Doch ohne anhaltende Zuflüsse läuft jede Erholung Gefahr, sich als weitere Falle zu entpuppen.
Die nächste Bewährungsprobe ist die Federal Reserve. Da keine Zinsänderung erwartet wird, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die aktualisierten Prognosen und die erste Pressekonferenz von Kevin Warsh. Eine zurückhaltende Interpretation der nachlassenden Kerninflation und des gesunkenen Ölpreises könnte die Erholung verlängern. Ein Fokus auf die Gesamtinflation von 4,2 % könnte sie hingegen schnell beenden.











