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Korruption: EU-Parlament sieht Risiko durch Kryptowerte

Das EU-Parlament zählt Kryptowerte zu den Werkzeugen, mit denen Korruption verschleiert wird. In einer Entschließung vom 8. Oktober fordert es die EU-Kommission auf, diese Risiken in ihrer ersten Antikorruptionsstrategie anzugehen, die bis Ende 2026 kommen soll. Welche Maßnahmen gemeint sind, lässt der Text offen. Eine einschneidende Regel für den Kryptosektor ist ohnehin schon Gesetz: Ab Juli 2027 sind anonyme Kryptokonten bei Anbietern in der EU verboten.

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Korruption: EU-Parlament sieht Risiko durch Kryptowerte

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das EU-Parlament hat am 8. Oktober seine Forderungen an die erste Antikorruptionsstrategie der EU beschlossen; die Kommission will die Strategie bis Ende 2026 annehmen.
  • Die Entschließung nennt Kryptowerte in zwei ihrer 39 Ziffern: Sie würden zunehmend missbraucht, um Korruption zu erleichtern und Eigentümer zu verschleiern; Maßnahmen nennt der Text nicht.
  • Beschlossen ist bereits, dass Kryptoanbieter in der EU ab dem 10. Juli 2027 keine anonymen Konten mehr führen dürfen, auch nicht über anonymitätsverstärkende Kryptowährungen.

Zwei Ziffern zu Kryptowerten

Die Entschließung zur künftigen EU-Strategie zur Korruptionsbekämpfung umfasst 39 Ziffern, zwei davon nennen Kryptowerte. In Ziffer 22 stellt das Parlament fest, Kryptowerte, verschlüsselte Kommunikationswerkzeuge, künstliche Intelligenz (KI) und komplexe digitale Finanzsysteme würden zunehmend missbraucht. Sie dienten dazu, Korruption Vorschub zu leisten, wirtschaftliche Eigentümer zu verschleiern und der Strafverfolgung zu entgehen. Zahlen oder Fälle nennt der Text dazu nicht.

Ziffer 13 enthält den Auftrag an die Kommission. Sie soll digitale Werkzeuge wie Datenanalyse und KI fördern, um Korruption aufzudecken. Zugleich soll sie den Gefahren begegnen, die durch Kryptowerte und intransparente Eigentumsverhältnisse entstehen. Zudem sollen die Mandate der zuständigen EU-Agenturen überarbeitet werden.

Geldwäschebehörde in Frankfurt soll mitarbeiten

Die Abgeordneten wollen, dass Erträge aus Korruption konsequenter aufgespürt, eingefroren und eingezogen werden. Dafür sollen Europol, Eurojust, die Europäische Staatsanwaltschaft und das Betrugsbekämpfungsamt OLAF enger zusammenarbeiten und Daten austauschen. Einbezogen werden soll auch die EU-Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche (AMLA). Sie sitzt in Frankfurt am Main und soll 2028 die direkte Aufsicht über 40 Finanzunternehmen aufnehmen.

Das Parlament bekräftigt zudem, dass Aufenthaltstitel für Investoren, sogenannte goldene Visa, auslaufen sollen.

Was bereits beschlossen ist

Für Kryptoanbieter stehen zentrale Vorgaben längst fest. Nach der EU-Verordnung gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, die ab dem 10. Juli 2027 gilt, dürfen Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen (CASP) keine anonymen Kryptokonten führen. Verboten sind auch Konten, über die sich Transaktionen anonymisieren lassen, ausdrücklich auch durch anonymitätsverstärkende Kryptowährungen. Das Verbot richtet sich an Anbieter; selbst verwahrte Wallets nennt der Artikel nicht.

Der Markt hat einen Teil davon vorweggenommen. Bei Monero, das Transaktionsdaten grundsätzlich verbirgt, haben große Börsen den Handel bereits eingestellt. Wie eng die Aufsicht die Regeln inzwischen auslegt, zeigte am Tag der Abstimmung die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (Esma). Sie verlangt, dass zugelassene Anbieter Stablecoins ohne EU-Zulassung nicht einmal mehr verwahren.

Wie groß das Problem ist

Zur Rolle von Kryptowerten bei Korruption liefert die Entschließung keine Daten. Einen Anhaltspunkt für die Kriminalität insgesamt gibt das Analyseunternehmen Chainalysis: Illegale Adressen erhielten 2025 mindestens 154 Milliarden Dollar, 162 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Anteil am zuordenbaren Transaktionsvolumen blieb unter 1 Prozent. 84 Prozent des illegalen Volumens entfielen auf Stablecoins.

Für die Korruption selbst führt das Parlament andere Zahlen an. 69 Prozent der EU-Bürger hielten Korruption in ihrem Land für weit verbreitet, und fast 60 Prozent der bekannten kriminellen Gruppen seien darin verwickelt. Die zweite Zahl ist nicht neu: Europol nannte sie bereits im April 2021 in seiner Bedrohungsanalyse SOCTA. Neuere Angaben liegen höher. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nennt für die 2024 an Europol gemeldeten Gruppen 71 Prozent.

Wie es weitergeht

Die Entschließung ist rechtlich nicht bindend. Sie wurde per Handzeichen angenommen, wie das Parlament mitteilte, und geht an Kommission, Rat und Mitgliedstaaten. Die Kommission will ihre Strategie bis Ende 2026 annehmen. Das Parlament verlangt, dass sie so weit wie möglich verbindliche Maßnahmen enthält. Parallel müssen die Mitgliedstaaten die EU-Richtlinie zur Korruptionsbekämpfung vom 29. April 2026 umsetzen.