Im Euroraum wird Geld teurer, in der Schweiz bleibt es fast zinslos. Der Bund bietet Anlegern für eine zweijährige Schatzanweisung einen Kupon von 3 Prozent, und Unternehmen zahlen laut einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr für Bankkredite. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält ihren Leitzins dagegen bei 0 Prozent.
Teurere Kredite, 3 Prozent für den Bund, Nullzins in der Schweiz

Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Bund stockt am Dienstag eine zweijährige Schatzanweisung mit 3 Prozent Kupon um 5 Milliarden Euro auf; ausgegeben wurde sie erst Anfang Oktober.
- Unternehmen im Euroraum melden laut einer Umfrage der EZB höhere Kreditzinsen und eine geringere Verfügbarkeit von Bankkrediten.
- In der Schweiz liegt der Leitzins weiter bei 0 Prozent, der Referenzzins Saron sogar leicht im Minus; die EZB entscheidet am Donnerstag über die Zinsen.
Bund stockt Schatzanweisung auf
Am Dienstag können Banken bis 11.30 Uhr Gebote für die 3-prozentigen Bundesschatzanweisungen von 2026 abgeben, die am 13. Dezember 2028 fällig werden. Die Finanzagentur des Bundes will das Papier, das sie erst am 6. Oktober begeben hatte, um 5 Milliarden Euro aufstocken, wie die Bundesbank mitteilte. Bisher sind 6 Milliarden Euro im Umlauf. Zugelassen sind ausschließlich Institute aus der Bietergruppe Bundesemissionen, gezahlt wird am Donnerstag.
Mit dem Kupon von 3 Prozent liegt der Bund über dem Einlagensatz der EZB. Den hat die Notenbank in diesem Jahr zweimal angehoben, auf zuletzt 2,5 Prozent seit dem 16. September, wie aus ihren Leitzinsdaten hervorgeht.
EZB-Umfrage: Kredite teurer und knapper
Das spüren auch die Unternehmen. Im dritten Quartal meldeten unter dem Strich 46 Prozent der Firmen im Euroraum höhere Zinsen für Bankkredite, nach 42 Prozent im Vorquartal, wie die EZB am Montag mitteilte. Große Unternehmen berichteten mit 55 Prozent häufiger davon als kleine und mittlere mit 38 Prozent. Zugleich seien Bankkredite schwerer zu bekommen gewesen, und zwar stärker, als der Bedarf der Firmen gesunken sei.
Als größtes Hindernis für neue Finanzierungen sehen die Unternehmen die allgemeine Wirtschaftslage. Für die kommenden drei Monate erwarten mehr Firmen, dass sich die Lage weiter verschlechtert. Befragt wurden vom 26. August bis zum 2. Oktober rund 12.800 Unternehmen. Die Angaben zu Preis- und Inflationserwartungen seien diesmal nur schwer zu deuten, schränkt die EZB ein, weil die Mehrheit der Teilnehmer erstmals dabei war.
Schweiz: Nullzins und Minus beim Saron
Ganz anders die Lage in der Schweiz. Der Leitzins der SNB liegt seit dem 20. Juni 2025 bei 0 Prozent, wie die wöchentlichen Daten der Notenbank zeigen, die sie am Montag veröffentlichte. Der Referenzzins Saron für Tagesgeld lag am Freitag bei minus 0,06 Prozent.
Für Sichtguthaben der Banken über einer bestimmten Grenze verlangt die SNB zudem 0,25 Prozent Zins. Diese Grenze hat sie in den vergangenen zwei Jahren schrittweise gesenkt, zuletzt im August, sodass ein größerer Teil der Guthaben unter den Negativzins fällt. Insgesamt lagen am Freitag 455,8 Milliarden Franken (rund 552 Milliarden Dollar) auf Sichtkonten bei der SNB, gut 1 Milliarde weniger als eine Woche zuvor.
EZB entscheidet am Donnerstag
Am Donnerstag tagt der EZB-Rat in Frankfurt. Verbraucher im Euroraum rechneten zuletzt mit 3,1 Prozent Inflation in den kommenden zwölf Monaten, wie eine Umfrage der EZB zeigte.
Was das für Krypto-Anleger bedeutet
Für Bitcoin (BTC) sind steigende Zinsen eher Gegenwind. Zinslose Anlagen wie Gold und Bitcoin verlieren an Reiz, wenn sichere Anleihen mehr abwerfen, heißt es in einer Analyse zum Weltwirtschaftsausblick des IWF. Wer im Euroraum Bitcoin hält statt Bundespapiere, verzichtet derzeit auf bis zu 3 Prozent Zinsen im Jahr.
Seit Jahresbeginn hat Bitcoin in Euro gerechnet gut 4 Prozent verloren. Am frühen Dienstagmorgen kostete ein Bitcoin rund 71.400 Euro, am 1. Januar waren es noch etwa 74.500 Euro. In der Schweiz sind die entgangenen Zinsen dagegen gering, weil Tagesgeld beim Leitzins von 0 Prozent kaum etwas abwirft. In Franken notierte Bitcoin bei rund 66.000 Franken (79.700 Dollar), knapp 5 Prozent unter dem Stand zum Jahreswechsel.
Auch Euro-Stablecoins bringen ihren Inhabern keine Zinsen. Die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) verbietet Emittenten von E-Geld-Token, Zinsen zu gewähren, und auch Kryptodienstleister dürfen für solche Token keine zahlen. Höhere Leitzinsen kommen bei Anlegern, die etwa EURC halten, deshalb nicht an.















