Gold hat US-Staatsanleihen in den weltweiten Währungsreserven nach Marktwert überholt, teilte die EZB mit. Diese Entwicklung spiegelte einen 60-prozentigen Anstieg des Goldpreises sowie eine steigende Nachfrage nach Diversifizierung der Währungsreserven wider.
Gold überholt US-Staatsanleihen als wichtigste Reservewährung: Daten der EZB

Wichtige Erkenntnisse
- Gold erreichte einen Anteil von 27 % an den offiziellen Reserven und übertraf damit Staatsanleihen mit 22 %.
- Bewertungsgewinne trugen maßgeblich zum Vorsprung von Gold auf dem Reservemarkt bei, nicht allein Portfolio-Umschichtungen.
- Zentralbanken könnten weiterhin Goldbarren kaufen, da geopolitische Risiken die Reservestrategien neu gestalten.
Der Anstieg des Goldpreises setzt die auf dem Dollar basierenden Währungsreservenmärkte unter neuen Druck
Die Europäische Zentralbank (EZB) erklärte in ihrem am 2. Juni 2026 veröffentlichten Bericht „Die internationale Rolle des Euro“, dass Gold Ende 2025 US-Staatsanleihen und den Euro nach Marktwert als offizielle Reservewährung überholt habe. Gold machte 27 % der weltweiten offiziellen Reserven aus und lag damit vor US-Staatsanleihen mit 22 % und dem Euro mit 15 %.
Der Bericht verweist auf eine bemerkenswerte Veränderung in der Rangfolge der Währungsreserven nach zwei Jahren starker Goldpreissteigerungen. Die EZB erklärte jedoch, dass diese Veränderung hauptsächlich auf Bewertungseffekte zurückzuführen sei und nicht auf eine direkte Ersetzung von US-Staatsanleihen. Die Goldpreise stiegen 2025 um etwa 60 %, nachdem sie 2024 bereits um etwa 30 % zugelegt hatten. Dieser Anstieg erhöhte automatisch den Anteil von Gold an den gesamten offiziellen Währungsreserven. In dem EZB-Bericht heißt es:
„Der Anteil von Gold übersteigt nun sowohl den des Euro (15 %) als auch den von US-Staatsanleihen (22 %).“

Eine Anpassung an die Goldpreise zum Jahresende 2023 verändert das Bild. Die EZB gab an, dass der Euro und Gold jeweils 16 % der offiziellen Reserven ausmachen würden, während US-Staatsanleihen mit 26 % weiterhin einen höheren Anteil hätten. Gold stößt zudem an Grenzen hinsichtlich der Reserven. Sein Preis ist volatil, es bringt keine Rendite, physische Bestände erfordern Lagerung, und das Angebot kann nicht reibungslos ausgeweitet werden, um den Liquiditätsbedarf zu decken.
Die Nachfrage der Zentralbanken zeigt, wie geopolitische Risiken die Reserven neu gestalten
Die Goldkäufe der Zentralbanken kühlten sich 2025 ab, blieben aber im Vergleich zu den jüngsten Jahren auf hohem Niveau. Die Käufe des öffentlichen Sektors erreichten etwa 850 Tonnen und lagen damit unter den mehr als 1.000 Tonnen, die von 2022 bis 2024 jährlich gekauft wurden. Die private Investitionsnachfrage verdoppelte sich von 2024 auf fast 2.200 Tonnen. Goldgestützte börsengehandelte Fonds verzeichneten zudem Zuflüsse in Rekordhöhe von 89 Milliarden US-Dollar. Die EZB brachte die offizielle Goldnachfrage mit Diversifizierung und geopolitischen Risiken in Verbindung. Seit dem umfassenden Einmarsch Russlands in die Ukraine hat China mehr als 350 Tonnen gekauft. Polen stockte seine Bestände um 320 Tonnen auf, während die Türkei 220 Tonnen und Indien 130 Tonnen erwarben. Polen blieb 2025 der größte Käufer im öffentlichen Sektor. Der Stablecoin-Emittent Tether kaufte ebenfalls mehr als 100 Tonnen. Die EZB erklärte, der Kauf unterstreiche, wie das Wachstum von Stablecoins weitreichende makroökonomische Auswirkungen haben könnte. In dem EZB-Bericht heißt es:
„Goldkäufe könnten auch die Bemühungen einiger Zentralbanken widerspiegeln, die Widerstandsfähigkeit ihrer Bilanzen angesichts steigender geopolitischer Risiken zu stärken.“
Die Daten zeigen ein Reservesystem, das weiterhin dollarzentriert, aber weniger statisch ist. Der preisgetriebene Vorsprung von Gold könnte sich umkehren, wenn der Goldpreis fällt. Dennoch deutet die anhaltende offizielle Nachfrage darauf hin, dass die Zentralbanken mehr Schutz vor geopolitischen Schocks, Marktvolatilität und der Abhängigkeit von einem einzelnen Reservewert suchen.












