Ein 23-Jähriger, der in der Vendée im Westen Frankreichs nach eigenen Angaben einem Entführungsversuch entkommen war, ist zu 30 Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte an Halloween auf vermummte Männer geschossen, die in das Haus seines Vaters eindringen wollten. Es war bereits das zweite Mal, dass der Mann ins Visier von Entführern geriet, schon 2022 war er verschleppt worden.
Schüsse auf Entführer: Krypto-Besitzer muss 30 Monate in Haft

Das Wichtigste im Überblick
- Ein 23-jähriger Krypto-Besitzer aus der Vendée ist zu 30 Monaten Haft verurteilt worden, weil er mit einer Pistole auf mutmaßliche Entführer geschossen hatte.
- Der Staatsanwalt wertete die Schüsse als Racheakt und nicht als Notwehr, da der Mann zum Zeitpunkt der Schüsse nicht mehr in Gefahr gewesen sei.
- Der Fall fällt in eine Welle der Gewalt gegen Krypto-Besitzer in Frankreich, wo Innenminister Laurent Nuñez im Juni von mehr als 70 Fällen sprach.
Entführungsversuch führt in Frankreich zu Schüssen
Überfälle mit dem Schraubenschlüssel, sogenannte Wrench Attacks, bei denen Täter Krypto-Besitzer mit Gewalt zur Herausgabe ihrer Coins zwingen, nehmen in Frankreich zu. Manche Betroffene beginnen, sich zu wehren. In diesem Fall endete das für das mutmaßliche Opfer allerdings mit einer Haftstrafe.
Das Strafgericht in La Roche-sur-Yon verurteilte Ayman R. am 4. November im Schnellverfahren zu 30 Monaten Haft, wie das französische Polizei- und Justizportal Actu17 berichtete. Der 23-Jährige hatte auf die mutmaßlichen Entführer geschossen, als diese in das Haus seines Vaters eindringen wollten. Er bleibt in Haft.
Nach Angaben aus dem Prozess war der Mann am 31. Oktober gegen 17:30 Uhr in das Haus seines Vaters in einem Wohnviertel von La Roche-sur-Yon gerannt. Zuvor sei er Männern entkommen, die ihn in den Kofferraum eines Autos zwingen wollten. Rund eine halbe Stunde später kehrten die Männer zurück. Zwei Vermummte traten gegen die Haustür, der Vater versuchte, sie am Eindringen zu hindern. Während einer der Angreifer an der Fassade zu den Balkonen hochkletterte, holte der Sohn eine Glock-Pistole und schoss mehrfach vom Balkon. Die Angreifer flohen in einem Auto mit falschen Kennzeichen, das einige Stunden später im Großraum Paris erfasst wurde.
Zur Tatzeit waren Kinder in Halloween-Kostümen in der Straße unterwegs. Eine der Kugeln blieb über einem Garagentor stecken, nur wenige Meter von ihnen entfernt. Vater und Sohn kamen in Polizeigewahrsam, die Pistole fanden die Ermittler in einem Wäschekorb.
Ein Zeuge gab an, die Schüsse hätten dem Auto der Flüchtenden gegolten. Der stellvertretende Staatsanwalt Olivier Dubief wollte keine Notwehr gelten lassen, weil die Gefahr zu diesem Zeitpunkt bereits vorüber gewesen sei. „Als er schoss, war er nicht mehr in Gefahr. Der Mann war bereits vom Balkon heruntergeklettert. Es handelt sich um einen Racheakt, nicht um Notwehr“, sagte er.
Auch nach deutschem Recht ist Notwehr nur gegen einen gegenwärtigen Angriff zulässig. So steht es in Paragraf 32 des Strafgesetzbuchs, der Notwehr als die Verteidigung beschreibt, die erforderlich ist, um einen solchen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.
Ayman R. war bereits 2022 entführt worden, wie sein Verteidiger Jean-Baptiste Colombani betonte. Damals sei er in Nantes in einen Kofferraum gesperrt worden und habe fliehen können. Nach diesem Angriff habe er sich die Waffe besorgt. Colombani brachte die Entführungsversuche zudem mit den Kryptowährungen seines Mandanten in Verbindung. Bestätigt ist dieser Zusammenhang bislang nicht. Vorbestraft ist der 23-Jährige allerdings: 2025 war er wegen Gewalt und Freiheitsberaubung verurteilt worden.
Neben der Haftstrafe verhängte das Gericht ein Waffenverbot für 15 Jahre und verbot Ayman R. für fünf Jahre den Aufenthalt in der Vendée. Die Ermittlungen zum Entführungsversuch laufen weiter, die vermummten Männer sind noch nicht gefasst.
Der Fall fällt in eine Zeit, in der Frankreich zu einem Brennpunkt solcher Angriffe geworden ist. Das öffentliche Archiv des Bitcoin-Sicherheitsexperten Jameson Lopp verzeichnete Mitte Oktober weltweit rund 702 solcher Angriffe seit 2014. Innenminister Laurent Nuñez sprach im Juni von mehr als 70 gewalttätigen Vorfällen mit Krypto-Bezug, die die französischen Behörden dokumentiert hätten.
Auch Schweizer gerieten in Frankreich bereits ins Visier. Ende August 2025 befreite die Eliteeinheit GIGN nahe dem Bahnhof von Valence einen jungen Schweizer, den Entführer mehrere Tage festgehalten hatten. Sie verlangten für seine Freilassung ein Lösegeld in Kryptowährung. Im März nahmen die Ermittler in dem Fall 16 Verdächtige fest, wie das Schweizer Portal Blue News unter Berufung auf die Agentur Keystone-SDA berichtete.
Ein versuchter Einbruch in das Haus von Binance-Präsident David Prinçay weckt Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Führungskräften der Kryptowährungsbranche in Frankreich.
Jetzt lesen: Der Leiter von Binance in Frankreich im Visier des jüngsten Wrench-AngriffsDieser Artikel beruht auf einem Bericht unserer englischsprachigen Redaktion. Er wurde mithilfe von KI übersetzt und von Konstantin Kaiser geprüft, bearbeitet und freigegeben.
Über den Autor
GESCHRIEBEN VONSergio Goschenko
Sergio ist ein in Venezuela ansässiger Journalist für Kryptowährungen mit über 2.000 veröffentlichten Artikeln, die in Dutzenden von Facharbeiten und Berichten zitiert wurden.


















