Vermögende Anleger in Deutschland setzen auf Kryptowährungen und lassen sich von Kursrückschlägen kaum abschrecken. Das zeigt eine Anfang Oktober veröffentlichte Umfrage im Auftrag des Vermögensverwalters Coinshares unter Anlegern mit mindestens 500.000 Dollar investierbarem Vermögen. Hierzulande halten demnach rund 70 Prozent der Befragten bereits Kryptowerte, und die meisten wollen ihren Anteil weiter ausbauen.
Reiche Anleger: 91 Prozent der Deutschen mit Krypto wollen 2026 aufstocken

Das Wichtigste auf einen Blick
- Laut einer von Coinshares beauftragten Umfrage unter 2.230 vermögenden Anlegern in sieben Ländern hält überall eine Mehrheit Kryptowerte, in Deutschland rund 70 Prozent.
- Den Kurseinbruch im Februar sahen 54 Prozent der Deutschen eher als Anlass zum Kauf, nur 23 Prozent schreckte er ab; 91 Prozent der Krypto-Anleger wollen aufstocken.
- Bezahlt hat die Umfrage Coinshares, ein Anbieter von Kryptoprodukten; 88 Prozent der Befragten räumen ein, ihnen fehle das Wissen für sichere Entscheidungen.
Rund 10 Prozent des Depots in Krypto
Für den Bericht von Coinshares befragte die Beratung Vardaxoglou Advisory vom 11. Mai bis zum 5. Juni online 2.230 Anleger in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Schweden und der Schweiz, davon 305 in Deutschland. Gezählt wurde investierbares Vermögen ohne Immobilien. Den geringsten Anteil an Krypto-Anlegern fanden die Autoren mit 54 Prozent in Schweden, den höchsten mit rund 70 Prozent in den USA, Großbritannien, Deutschland und der Schweiz.
Im Schnitt stecken die Befragten etwa 10 Prozent ihres Depots in digitale Vermögenswerte, ähnlich viel wie in Private Equity, Rohstoffe oder Immobilien. Nur 6 Prozent sehen sich vor allem als kurzfristige Trader. Bitcoin (BTC) halten 80 Prozent der Krypto-Anleger, und 77 Prozent aller Befragten erwarten, dass Bitcoin künftig eine wichtige Rolle im globalen Finanzsystem spielt, weil das Vertrauen in staatliche Währungen sinke.
Kursrutsch als Kaufgelegenheit
Den Kurseinbruch im Februar, laut Coinshares den stärksten seit mehreren Jahren, nahmen die Befragten in allen sieben Ländern eher zum Anlass für Käufe. Am deutlichsten fiel das Ergebnis in Deutschland aus: 54 Prozent wurden eher zum Investieren ermutigt, 23 Prozent eher abgeschreckt. Unter den deutschen Krypto-Anlegern wollen 91 Prozent ihren Anteil 2026 erhöhen, ebenso viele wie in den USA und Großbritannien.
Jüngere legen mehr an. Befragte zwischen 18 und 44 Jahren investieren in vier der sieben Länder etwa doppelt so viel ihres Depots in Kryptowerte wie Ältere.
US-Politik zieht stärker als MiCA
Politische Signale beeinflussen die Anleger deutlich. Die kryptofreundliche Politik der US-Regierung steigert die Investitionsbereitschaft je nach Land bei 68 bis 79 Prozent der Befragten. Die EU-Verordnung MiCA kommt nur auf 49 bis 65 Prozent, persönliche Empfehlungen von Präsident Donald Trump im Schnitt auf 57 Prozent. Gleichzeitig befürworten 79 Prozent eine stärkere Regulierung des Kryptomarkts.
Beim Zugang bevorzugen 55 Prozent Vermittler wie Broker, Krypto-ETP oder Vermögensverwalter statt eines direkten Kaufs an einer Kryptobörse. In Deutschland wächst dieses Angebot: Seit Montag bieten auch die ersten Sparkassen den Handel mit Kryptowährungen in ihrer App an. Rat ist gefragt: 88 Prozent geben an, ihnen fehle das Wissen, um selbst mit voller Sicherheit zu investieren. Wer bereits einen Berater hat, hält ihn allerdings oft für zu zurückhaltend, in Deutschland sind es rund vier von zehn.
Bezahlt vom Anbieter
Einordnen sollten Leser die Ergebnisse mit Blick auf den Auftraggeber. Coinshares hat die Umfrage beauftragt und bezahlt und verdient selbst an Produkten für digitale Vermögenswerte. Wie bei allen Online-Umfragen könne zudem die Auswahl der Teilnehmer die Ergebnisse verzerren, räumt das Unternehmen ein. Bei 261 europäischen Vermögensverwaltern fand Coinshares in einer eigenen Befragung deutlich mehr Skepsis: Dort nannten 56 Prozent die Kursschwankungen und 52 Prozent den spekulativen Charakter als Gründe, warum Kunden zögern.















