Auf der Prognoseplattform Polymarket reagierten die Kurse schnell auf die Berichte über die US-Botschafterin in Griechenland. Kimberly Guilfoyle trat am Dienstag auf Aufforderung des Weißen Hauses zurück. Zuvor hatten sich Medienberichte über ihre Amtsführung gehäuft, zuletzt der Vorwurf eines Trump-Spenders, sie habe ihn um 100.000 Dollar gebeten. Erwiesen sind die Vorwürfe nicht, Guilfoyle weist sie zurück.
Polymarket: Wette auf Guilfoyles Abgang aus Athen bei fast 100 %

Das Wichtigste auf einen Blick
- Auf der Prognoseplattform Polymarket wurden in zwei Märkten auf einen Abgang von US-Botschafterin Kimberly Guilfoyle Anteile im Wert von rund 126.000 Dollar gehandelt.
- Vom 5. bis 7. Oktober lag der Kurs für einen Abgang bis Ende Oktober bei 5,5 Prozent; nach Berichten über Vorwürfe gegen Guilfoyle stieg er auf fast 100 Prozent.
- Im Markt zur Nachfolge lagen am Freitag Geoffrey Pyatt und Nicole Malliotakis bei je 19 Prozent, bei nur rund 6.000 Dollar Volumen; in Deutschland sind solche Wetten nicht erlaubt.
Von 5,5 auf fast 100 Prozent
Den Markt auf ein Ausscheiden Guilfoyles hatte Polymarket am 30. September eröffnet. Gewettet wurde darauf, ob sie ihren Posten bis Ende Oktober oder bis Ende Dezember verliert. Nach den Kursdaten der Plattform kostete ein Anteil auf einen Abgang bis 31. Oktober vom 5. bis 7. Oktober 5,5 Cent. Der Preis gilt als die Wahrscheinlichkeit, die die Händler einem Ereignis beimessen.
Erst nach den Berichten über den Spender zog der Kurs an, zunächst auf rund 10 Cent. Am Sonntag stand er bei rund 32 Cent, am Montagmorgen zeitweise bei 76 Cent. Nachdem das Weiße Haus am Dienstagnachmittag deutscher Zeit Guilfoyles Rücktritt verlangt hatte, stieg er auf fast 100 Cent, um 20 Uhr wurden beide Teilmärkte mit Ja aufgelöst. Treffsicher sind solche Märkte nicht immer, der Markt zum Friedensnobelpreis verfehlte zuletzt den Preisträger.
Rücktritt bestätigt, Vorwürfe bestritten
Bestätigt ist bislang nur der Rücktritt. Am Dienstag bat das Weiße Haus Guilfoyle, ihr Amt aufzugeben. Trump sagte laut NBC News, sie habe in Griechenland gute Arbeit geleistet, aber man habe nicht gemocht, was man gelesen habe.
Der Geschäftsmann Eric Deters aus Kentucky, ein langjähriger Trump-Unterstützer und -Spender, wirft Guilfoyle vor, sie habe ihn im Juli 2025 per Textnachricht gebeten, 100.000 Dollar auf ihre American-Express-Rechnung zu überweisen. Das war wenige Tage vor ihrer Anhörung im US-Senat. Deters sprach gegenüber CBS News von einem Gegengeschäft, er habe sich Zugang zu Regierungsstellen erhofft. Gezahlt habe er nicht.
Schon seit Ende September hatten US-Medien über weitere Vorwürfe berichtet, etwa dass ein Lobbyist des griechischen Baukonzerns Aktor an diplomatischen Treffen teilnahm und griechische Geschäftsleute Reisen bezahlten. Laut einer Übersicht des Magazins Time bestreitet Guilfoyles Anwalt die Echtheit der Textnachrichten, Deters habe ihr noch Geld für Auftritte geschuldet. Die US-Botschaft erklärte, sie habe die Ethik- und Geschenkregeln des Außenministeriums eingehalten.
In ihrer Rücktrittserklärung nannte Guilfoyle die Vorwürfe falsch und kündigte an, ihren Ruf zu verteidigen. Deters bestreitet, ihr Geld zu schulden. Am Donnerstag verklagte er Guilfoyle laut dem Sender WKYT vor einem Gericht in Kenton County, Kentucky, wegen Verleumdung, Verletzung der Privatsphäre und Vertragsbruchs.
Die Nachfolge ist offen
Seit dem 14. Oktober läuft ein zweiter Markt darauf, wer die Nachfolge antritt. Er ist deutlich kleiner, am Freitag um 17:40 Uhr MESZ lag das Volumen bei rund 6.000 Dollar. Vorn lagen zu diesem Zeitpunkt der frühere Botschafter in Athen Geoffrey Pyatt und die republikanische Abgeordnete Nicole Malliotakis mit je 19 Prozent. Es folgten der in Griechenland geborene Milliardär John Catsimatidis mit 18,5 Prozent, der Abgeordnete Gus Bilirakis mit 15,5 Prozent und Dean Spanos, Besitzer des Footballteams Los Angeles Chargers, mit 13,5 Prozent.
Auch Josh Huck, der die Botschaft seit Donnerstag kommissarisch als Geschäftsträger führt, wird mit 11,5 Prozent gehandelt. Zählen würde er nach den Regeln nur, wenn er regulär ernannt wird. Offizielle Hinweise auf Kandidaten gibt es nicht, und das Verfahren mit Sicherheitsprüfung, Zustimmung Athens und Bestätigung durch den Senat kann nach einer Übersicht der Zeitung To Vima vier bis acht Monate dauern.
In Deutschland nicht erlaubt
Für Nutzer in Deutschland sind solche Wetten tabu. Gesellschaftswetten und Prognosemärkte, wie Polymarket sie anbietet, sind nach Auffassung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Deutschland nicht erlaubnisfähig, können also keine Genehmigung erhalten. Wer von Deutschland aus an einer solchen Wette teilnimmt, kann sich demnach strafbar machen. Sperrt ein Anbieter Nutzer aus Deutschland wirksam aus, liegt nach Auffassung der Behörde dagegen nicht ohne Weiteres ein unerlaubtes Angebot in Deutschland vor. Polymarket lässt Nutzer aus Deutschland nach eigenen Angaben nur noch bestehende Positionen schließen, neue können sie nicht eröffnen.















