Eine Stadträtin der britischen Partei Reform UK hat nach Recherchen des Guardian zu den wichtigsten britischen Werbern des Krypto-Systems Hyperverse gehört. Susan Lawrence sitzt seit Mai im Stadtrat von Wolverhampton und dort im Prüfungs- und Risikoausschuss. US-Behörden werfen den Machern von Hyperverse vor, Anleger weltweit um rund 1,89 Milliarden Dollar (rund 1,69 Milliarden Euro) gebracht zu haben.
Hyperverse: Reform-UK-Stadträtin warb für mutmaßliches Ponzi-System

Das Wichtigste im Überblick
- Laut Guardian warb die Reform-UK-Stadträtin Susan Lawrence aus Wolverhampton für Hyperverse, das nach Darstellung von US-Behörden ein Pyramiden- und Ponzi-System war.
- Behörden werfen Lawrence kein Fehlverhalten vor, Reform UK erklärt, sie habe selbst ihre Rente und Zehntausende Pfund mit dem System verloren.
- Die Bafin hatte bereits im Oktober 2021 mitgeteilt, dass sie wegen des Verdachts unerlaubter Bankgeschäfte in Deutschland gegen die Hypertech Group ermittle.
Hyperverse-Werberin im Prüfungsausschuss von Wolverhampton
Lawrence gewann bei den Kommunalwahlen am 7. Mai für Reform UK den Wahlbezirk Bushbury North. Wie der Guardian am 7. November berichtete, gehört sie dem Prüfungs- und Risikoausschuss der Stadt an. Das Gremium prüft unabhängig die Verwaltungsführung und das Risikomanagement und überwacht die Finanzberichterstattung zu einem Haushalt in Millionenhöhe.
Hyperverse verbreitete sich von 2020 bis 2022 vor allem in den USA und Großbritannien, warb aber auch Anleger in Asien, Afrika und im Pazifikraum an. Nach dem Zusammenbruch kamen viele Teilnehmer nicht mehr an ihr Geld. Manche hatten für den Kauf von Paketen Bankkredite aufgenommen.
Lawrence selbst werfen die Behörden kein Fehlverhalten vor, betont der Guardian. Auf Anfragen der Zeitung reagierte sie nicht.
Werbung trotz Warnung der Finanzaufsicht FCA
Laut dem Bericht trat Lawrence in langen Werbevideos und Webinaren auf, um das Projekt zu vermarkten und neue Teilnehmer zu gewinnen. Damit machte sie auch weiter, nachdem die britische Finanzaufsicht FCA im März 2021 vor dem Anbieter gewarnt hatte. Die Firma biete womöglich ohne Erlaubnis Finanzdienstleistungen an oder werbe dafür, hieß es dort. „Sie sollten Geschäfte mit dieser Firma vermeiden und sich vor Betrug in Acht nehmen.“
Im Jahr 2022 sprach Lawrence in einer Präsentation zu Mitgliedern, die fürchteten, nicht mehr an ihr eingezahltes Geld zu kommen. Später warb sie auch für Nachfolgeprojekte aus demselben Netzwerk. Gegen eines davon erließen US-Behörden nach Angaben des Guardian eine Unterlassungsverfügung und bezeichneten es als betrügerisches Pyramiden- und Ponzi-System ohne Produkt und ohne andere Einnahmen als das Geld der Anleger.
Zudem reiste sie nach Dubai, um den mutmaßlichen Hyperverse-Mitgründer Sam Lee zu treffen, und warb dort für zwei weitere Projekte aus seinem Umfeld. Auf Lees Plattform Vidilook wurde sie als „Super Leader“ geführt, ein Status, der in solchen Systemen meist von der Zahl der angeworbenen Teilnehmer abhängt.
Gemeinsam mit Lawrence warb Desmond Amey, laut Guardian der wichtigste britische Werber der Systeme. Seine Firma Amey Finance Academy ließ der High Court in London im April 2024 abwickeln, nachdem die britische Insolvenzbehörde ermittelt hatte.
Reform UK: Lawrence war selbst ein Opfer
Reform UK verteidigt Lawrence. Sie sei eines von vielen Opfern des Betrugs gewesen und habe ihre Rente und Zehntausende Pfund verloren, weil sie das System für echt gehalten habe, erklärte ein Parteisprecher gegenüber dem Guardian. Mit dem Nachfolger Hypernation habe sie sich später eingelassen, um das verlorene Geld zurückzuholen.
Lawrence sei nicht bei Amey angestellt gewesen und von keiner Behörde zu ihren Verbindungen befragt worden, so der Sprecher. Heute habe sie mit keiner dieser Firmen und keinem ähnlichen System mehr zu tun. Ob das Prüfteam der Partei ihre Vergangenheit kannte, ließ Reform UK offen. Die Partei steht wegen ihrer Kandidatenprüfung derzeit erneut in der Kritik.
US-Anklage gegen Hyperverse-Gründer Sam Lee
Die US-Justiz hatte im Januar 2024 Anklage gegen Sam Lee erhoben. Dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebenden Australier wird vorgeworfen, Hyperfund mitgegründet zu haben, das auch als Hypertech, Hypercapital, Hyperverse und Hypernation auftrat. Von Juni 2020 bis November 2022 soll das System Anlegern täglich 0,5 bis 1 Prozent Rendite aus Krypto-Mining versprochen haben, das es nicht gab. Spätestens ab Juli 2021 seien Auszahlungen blockiert worden. Lee bestreitet laut Guardian alle Vorwürfe.
Die US-Börsenaufsicht SEC verklagte Lee parallel und sprach von einem Pyramidensystem, das weltweit mehr als 1,7 Milliarden Dollar (rund 1,52 Milliarden Euro) eingesammelt habe. Die Werberin Brenda Chunga bekannte sich schon 2024 schuldig. Im Juni 2026 folgte der Werber Rodney Burton, bekannt als „Bitcoin Rodney“.
Bafin ermittelte 2021 gegen Hyperfund
Auch in Deutschland war das System aktiv. Die Finanzaufsicht Bafin teilte am 19. Oktober 2021 mit, dass sie gegen die Hypertech Group ermittle. Es bestehe der Verdacht, dass diese mit dem Geschäftsmodell Hyperfund unerlaubt Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen in Deutschland anbiete. Eine Erlaubnis der Bafin besitze das Unternehmen mit mutmaßlichen Sitzen in Hongkong und Australien nicht.
Über den Autor
GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser
Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.
















