Bitcoin.com News
Bereitgestellt von

21Shares-Analyse: Bitcoin-ETFs lösen Treasury-Firmen als Käufer ab

Bitcoin ist im dritten Quartal 2026 um 42,7 Prozent auf 83.570 Dollar (rund 74.800 Euro) gestiegen, getragen vor allem von US-Spot-ETFs. Zu diesem Ergebnis kommt 21Shares, ein Zürcher Anbieter börsengehandelter Produkte (ETP) auf Kryptowährungen, in einer Quartalsanalyse vom 2. November. Die Fonds hätten Unternehmen mit Bitcoin-Reserven als wichtigste Käufergruppe abgelöst, während langfristige Anleger in die Rally hinein verkauft hätten. In Euro gerechnet fiel das Quartalsplus mit rund 43 Prozent sogar etwas höher aus.

GESCHRIEBEN VON
TEILEN
21Shares-Analyse: Bitcoin-ETFs lösen Treasury-Firmen als Käufer ab

Das Wichtigste auf einen Blick

  • US-Spot-Bitcoin-ETFs kauften im dritten Quartal laut 21Shares 79.800 Bitcoin und damit fast doppelt so viele, wie im selben Zeitraum neu geschürft wurden.
  • Langfristige Anleger verringerten ihre Bestände um 248.000 Bitcoin, die Einnahmen der Miner lagen im September erstmals seit zehn Monaten über den geschätzten Kosten.
  • In Euro gerechnet stieg Bitcoin im Quartal um rund 43 Prozent, die US-Fonds selbst sind für Anleger in der EU allerdings nicht zum Vertrieb zugelassen.

ETFs kaufen fast doppelt so viel, wie neu geschürft wird

Nach Abflüssen von 4,8 Milliarden Dollar (rund 4,3 Milliarden Euro) im zweiten Quartal drehte die Nachfrage nach den US-Fonds deutlich. Im dritten Quartal nahmen sie 79.800 Bitcoin im Wert von 6,2 Milliarden Dollar (rund 5,5 Milliarden Euro) auf, schreibt 21Shares-Analyst Karim Abdelmawla unter Berufung auf Daten von Bloomberg und Glassnode. Neu geschürft wurden im selben Zeitraum nur 41.300 Bitcoin. Die Käufe ballten sich allerdings: Auf die Zeiträume vom 17. bis 27. August und vom 21. bis 25. September entfielen 91 Prozent der Zuflüsse, gemessen in Bitcoin. Bis Ende September hatten die Fonds damit ihre Abflüsse aus dem Jahr 2026 wieder wettgemacht.

Unternehmen, die Bitcoin als Reserve in ihrer Bilanz halten, gingen den umgekehrten Weg. Die Käufe dieser Treasury-Firmen schrumpften laut 21Shares von 7,1 Milliarden Dollar (rund 6,4 Milliarden Euro) im zweiten Quartal auf rund 1 Milliarde Dollar (rund 895 Millionen Euro). Strategy, der größte Bitcoin-Halter unter ihnen, habe im Quartal nur 1.700 Bitcoin hinzugefügt, nachdem das Unternehmen im Juli und August Bitcoin verkauft habe.

Weil 88,2 Prozent des Handelsvolumens im Quartal auf Terminkontrakte entfielen und das Volumen am Spotmarkt um 23 Prozent sank, hätten die ETF-Ströme für die Deutung der Nachfrage besonders viel Gewicht, so 21Shares.

Langfristige Anleger nehmen Gewinne mit

Auf der Verkäuferseite standen vor allem langfristige Anleger, also Wallets, deren Coins sich seit mehr als 155 Tagen nicht bewegt haben. Ihre Bestände sanken laut Glassnode im dritten Quartal um 248.000 Bitcoin im Wert von 17,4 Milliarden Dollar (rund 15,6 Milliarden Euro), fast das Dreifache der ETF-Käufe. Unterm Strich realisierten Anleger insgesamt Gewinne von 9,3 Milliarden Dollar (rund 8,3 Milliarden Euro), das erste Quartal 2026 mit einem Nettogewinn. Im ersten Halbjahr hatten sie noch Verluste von 61,6 Milliarden Dollar (rund 55,1 Milliarden Euro) realisiert.

Der durchschnittliche Einstandspreis aller Coins, der sogenannte Realized Price, stieg dagegen nur um 0,9 Prozent auf 53.637 Dollar (rund 48.000 Euro). Wer Coins hält, die zuletzt vor ein bis zwei Jahren bewegt wurden, hat im Schnitt jedoch rund 97.000 Dollar (rund 86.800 Euro) dafür bezahlt. Auf diesem Niveau könnte laut 21Shares neuer Verkaufsdruck entstehen, rund 30 Prozent des Angebots liegen weiterhin im Minus.

Miner wieder knapp über der Gewinnschwelle

Für die Miner brachte das Quartal eine Wende. Im September lagen ihre Einnahmen laut 21Shares um 6 Prozent über den geschätzten Gesamtkosten des Minings, nach zehn Monaten unter der Gewinnschwelle. Auch die Daten zum Hashpreis hatten einen starken September für die Miner gezeigt.

Transaktionsgebühren spielen dabei kaum eine Rolle. Sie machten im dritten Quartal nur 0,67 Prozent der 2,96 Milliarden Dollar (rund 2,6 Milliarden Euro) aus, die Miner insgesamt für die Sicherung des Netzwerks erhielten, den Rest finanziert die Ausgabe neuer Bitcoin. Härter wird es mit dem Halving 2028, bei dem die Blockbelohnung erneut halbiert wird. Beim Kurs und bei der Rechenleistung vom September würden die Belohnungen danach laut 21Shares nur noch 80 Prozent der Stromrechnung decken. Seit 2018 lagen die Einnahmen der Miner nie unter dem 1,23-Fachen ihrer Stromkosten. Um nach dem Halving wieder dorthin zu kommen, müsste der Kurs um 54 Prozent steigen oder die Rechenleistung um 35 Prozent sinken.

Was der Bericht für Anleger in der DACH-Region bedeutet

Für Anleger, die in Euro rechnen, fiel das Quartal etwas besser aus. Rechnet man die Schlusskurse aus dem Bericht mit den Referenzkursen der Europäischen Zentralbank (EZB) zum jeweiligen Quartalsende um, stieg Bitcoin um rund 43 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr liegt der Kurs in Euro rund 24 Prozent im Minus statt 26,7 Prozent in Dollar, weil der Euro binnen zwölf Monaten gegenüber dem Dollar rund 3 Prozent an Wert verlor.

Die US-Fonds, deren Zuflüsse den Markt im dritten Quartal trugen, sind in Europa offiziell nicht zum Vertrieb zugelassen. Ein Bitcoin-ETF nach europäischem Fondsrecht scheitert an der Vorgabe der EU-Richtlinie für Investmentfonds (OGAW), Anlagen breit zu streuen, wie das Portal Justetf erklärt. Anleger in Deutschland und Österreich greifen deshalb auf ETPs zurück, die rechtlich keine Fonds sind.

Auch in der Schweiz sind solche Produkte verbreitet. An der Börse SIX Swiss Exchange waren Ende September laut dem Monatsbericht der Börse zu Krypto-Produkten 210 Krypto-ETPs gelistet. Größter Anbieter ist 21Shares mit 78 Produkten. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich brachte 2018 nach eigenen Angaben das weltweit erste Krypto-ETP an die SIX und gehört seit November 2025 zum US-Krypto-Broker Falconx.

Zinsen, KI und Regulierung bleiben Risiken

Für das vierte Quartal nennt 21Shares Faktoren, die den Druck lindern könnten, und Risiken, die das Muster umkehren könnten. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hatte am 16. September den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent angehoben. Eine Pause würde laut 21Shares einen sanfteren Weg signalisieren, als die Märkte einpreisten. Hinzu komme, dass Berater der Bank of America ihren Kunden seit Januar Krypto-ETPs empfehlen dürften.

Als Risiken nennt der Bericht hohe Energiepreise, die die Renditen oben halten, und den Wettbewerb um Kapital mit der künstlichen Intelligenz (KI). Schon zu Beginn des Jahres sei Geld aus Bitcoin-ETFs in KI-Aktien geflossen. In den USA stocke zudem der Clarity Act im Kongress, langfristig werfe auch die Entwicklung von Quantencomputern Sicherheitsfragen auf.

Entscheidend sei, ob die ETF-Nachfrage das neue Angebot weiter aufnehme, wenn die Verkäufe der langfristigen Anleger nachlassen. Die Daten des Berichts reichen bis 30. September. Im Oktober verlor Bitcoin 7,3 Prozent, getroffen auch vom Hack bei Binance, und erlebte damit seinen schwächsten Oktober seit 2014.

Über den Autor

GESCHRIEBEN VONKonstantin Kaiser

Konstantin Kaiser ist News- und Lokalisierungsmanager für Deutschland bei Bitcoin.com News sowie Finanzmarktanalyst.