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Von der Akkumulation zur Volatilität: Warum die zweite Phase des Goldes turbulent verlaufen könnte

Daniel Oliver, Gründer von Myrmikan Capital, sprach kürzlich in einem Interview über den seiner Meinung nach entscheidenden Wendepunkt im Gold-Bullenmarkt – und über einen sich zusammenbrauenden Sturm im US-amerikanischen Privatkreditmarkt.

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Von der Akkumulation zur Volatilität: Warum die zweite Phase des Goldes turbulent verlaufen könnte

Margin Calls und Fälligkeitswände: Ein Blick auf die neue Realität des Goldmarktes

In einem Interview mit Kitco News-Moderator Jeremy Szafron argumentiert Daniel Oliver, dass die reibungslose, von Staaten getriebene Akkumulationsphase, die den Anstieg des Goldpreises seit 2022 geprägt hat, offiziell beendet ist. An ihre Stelle tritt seiner Meinung nach eine volatilere zweite Phase, die durch zunehmenden Stress im US-Kreditsystem, Refinanzierungsrisiken im Private-Equity-Bereich und eine Federal Reserve mit einem hohen Fälligkeitsplan und begrenztem Handlungsspielraum gekennzeichnet ist.

Laut Oliver begann die erste Phase, als geopolitische Spannungen im Jahr 2022 eine Neubewertung der Dollarreserven unter den nicht angegliederten Nationen auslösten. Die Zentralbanken verstärkten ihre Goldkäufe und zeigten sich weitgehend unbeeindruckt von kurzfristigen Preisschwankungen. Diese stetige institutionelle Nachfrage trieb den Goldpreis zu einem kräftigen, geordneten Anstieg.

Dieser geordnete Anstieg, so sagt er, sei nun gebrochen. Der parabolische Anstieg in der Grafik sei gewaltsameren Preisschwankungen gewichen – ein Signal, dass Gold seiner Meinung nach in die zweite Phase übergeht. Diese Phase ist nicht durch ruhige Käufe der Zentralbanken gekennzeichnet, sondern durch finanzielle Belastungen im Inland. Oliver erklärte:

„Wenn man sich die Grafik ansieht, zeichnete der Goldpreis bis vor einigen Wochen, als dieser Trend brach, eine sehr schöne Parabel, und jetzt befinden wir uns in volatileren Märkten.“

Im Mittelpunkt seiner These stehen Private Equity und private Kredite. Jahrzehntelang wurden fallende Zinsen mit Hebeleffekten belohnt. Fonds nahmen hohe Kredite auf, erwarben Unternehmen und refinanzierten sich zu niedrigeren Kosten. Jetzt, da die Zinsen gestiegen sind und die Refinanzierungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, werden schwächere Bilanzen auf die Probe gestellt. Unternehmen, die früher problemlos Schulden refinanzieren konnten, sehen sich möglicherweise mit höheren Kosten oder einem eingeschränkten Zugang zu Kapital konfrontiert.

Oliver argumentiert, dass dieser Druck gerade erst zum Vorschein kommt. Zahlungsausfälle werden möglicherweise nicht wie 2008 auf einmal auftreten, sondern sich stattdessen allmählich über verschiedene Branchen ausbreiten, wenn die Schulden fällig werden. Die Auswirkungen könnten seiner Meinung nach weitreichend und anhaltend sein.

Die Federal Reserve verkompliziert die Lage. Oliver bezweifelt, dass die Politik die Zinsen sinnvoll senken und gleichzeitig die Bilanz verkürzen kann. Seiner Ansicht nach ist es mathematisch widersprüchlich, die Liquidität zu verknappen und gleichzeitig zu versuchen, die finanziellen Bedingungen zu lockern. Sollte es zu einer Kreditklemme kommen, geht er davon aus, dass die Fed ihre Bilanz ausweiten wird, anstatt einen systemischen Zusammenbruch zu riskieren. „Wir wissen, dass die Fed in einer Krise viel mehr Geld drucken und ihre Bilanz deutlich ausweiten wird“, so Oliver.

Diese Dynamik fließt direkt in seine Goldprognose ein. Oliver betrachtet Gold als Kapital – einen Ausgleichswert für die wachsenden Verbindlichkeiten der Zentralbanken. Historisch gesehen standen die Bilanzen der Zentralbanken in einem bedeutenden Verhältnis zu den Goldreserven. Angesichts der heute weitaus größeren und komplexeren Bilanz der Fed glaubt er, dass deutlich höhere Goldpreise erforderlich wären, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Silber bietet einen anderen Blickwinkel. Ein Großteil der weltweiten Silberproduktion ist ein Nebenprodukt anderer Metalle, wodurch das Angebot relativ unflexibel ist. Die Nachfrage, die durch industrielle Anwendungen und die Infrastruktur für erneuerbare Energien angetrieben wird, ist ebenfalls schwer zu drosseln. Wenn sowohl Angebot als auch Nachfrage unelastisch sind, können kleine Verschiebungen zu überproportionalen Preisbewegungen führen – eine Dynamik, die laut Oliver bereits sichtbar ist.

Er hob auch die strukturellen Spannungen innerhalb des physischen Goldmarktes hervor. Händler und Raffinerien sichern ihre Bestände in der Regel über Terminmärkte ab. Die steigende Volatilität hat jedoch dazu geführt, dass Banken die Marginanforderungen verschärft haben. Kleinere Marktteilnehmer könnten darauf mit einer Verringerung des Durchsatzes oder einer Reduzierung ihrer Bestände reagieren, was den Angebotsfluss einschränken und die Preisschwankungen verstärken würde.

From Accumulation to Volatility: Why Gold’s Second Phase May Be Wild

Trotz der Stärke des Goldes haben sich Bergbauaktien schlechter entwickelt. Oliver führt diese Diskrepanz auf konservative Bilanzierungspraktiken und die Skepsis institutioneller Anleger hinsichtlich der Nachhaltigkeit der aktuellen Goldpreise zurück. Große Unternehmen bewerten ihre Reserven häufig anhand mehrjähriger Durchschnittspreise, was die ausgewiesenen Gewinne dämpft. In einer Phase voller Manie erwartet er einen starken Anstieg der Bewertungsmultiplikatoren, wenn allgemeines Kapital in den Sektor fließt.

Über die Märkte hinaus zeichnet Oliver ein ernüchterndes Bild der Finanzlage. Die US-Staatsverschuldung erreicht, wenn sie auf die Arbeitnehmer statt auf die Gesamtbevölkerung aufgeteilt wird, ein Niveau, das er für wirtschaftlich untragbar hält. Rechnet man die langfristigen Sozialversicherungsverpflichtungen hinzu, wächst die implizite Belastung noch weiter. Seiner Einschätzung nach wird eine Form der monetären Umstrukturierung – ob inflationär, verhandelt oder anderweitig – mit der Zeit immer wahrscheinlicher.

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Er äußerte auch Bedenken hinsichtlich der Digitalisierung des Geldes und möglicher Finanzkontrollen. In Zeiten der Instabilität tendieren Regierungen historisch gesehen dazu, Kapitalflüsse strenger zu überwachen. Physisches Gold, so argumentiert er, bleibt eines der wenigen Vermögenswerte ohne direktes Kontrahentenrisiko. „Wie wir[all]wissen, arbeiten Regierungen seit einiger Zeit an digitalen Vermögenswerten“, sagte er. „Die EU senkt immer weiter den Preis, zu dem man Bargeld verwenden kann … und sie sprechen über digitale Währungen, damit sie jede Transaktion in der Wirtschaft verfolgen können.“ Oliver fügte hinzu:

„Ich finde das amüsant, denn wenn man Wladimir Lenin liest,[he]spricht er davon, wie großartig Banken sind. Tatsächlich wollte er eine riesige Bank, die jede Transaktion in der Wirtschaft nachverfolgt, damit sie kontrolliert werden kann … und die EU – ich bin mir nicht sicher, ob sie wissen, dass sie Wladimir Lenin zitieren, aber genau das sagen sie, dass sie tun wollen.“

Für die Zuschauer, die das Interview sahen, war die Botschaft klar: Die nächste Phase für Gold könnte nicht so reibungslos verlaufen wie die letzte. Die stille Anhäufung durch die Zentralbanken weicht einer lauteren, volatileren Ära, die von Kreditstress und politischen Beschränkungen geprägt ist.

Ob dieser Übergang zu einem langsamen Anstieg oder einer starken Neubewertung führt, hängt davon ab, wie sich der private Kreditzyklus entwickelt und wie aggressiv die Fed reagiert. Laut Oliver signalisiert Gold bereits, dass das System unter Druck steht – und dass der zweite Akt dieses Bullenmarktes begonnen hat.

FAQ 🔎

  • Was meint Daniel Oliver mit der „zweiten Phase” des Goldes? Er beschreibt einen Wandel von einer durch die Zentralbanken getriebenen Akkumulation hin zu einer Volatilität, die durch Kreditstress in den USA und Refinanzierungsrisiken bei privaten Krediten verursacht wird.
  • Warum glaubt Oliver, dass die Federal Reserve eingeschränkt ist? Er argumentiert, dass die Fed nicht gleichzeitig die Zinsen senken und ihre Bilanz verkürzen kann, ohne die Liquiditätsbedingungen zu destabilisieren.
  • Wie könnten private Kredite die Goldpreise beeinflussen? Steigende Ausfälle und Refinanzierungsdruck könnten eine geldpolitische Lockerung erzwingen, die laut Oliver von den Goldmärkten erwartet wird.
  • Warum bleiben Goldminenunternehmen hinter Gold zurück? Oliver führt konservative Bilanzierungspraktiken und die Skepsis institutioneller Anleger gegenüber anhaltend hohen Goldpreisen an.