Bereitgestellt von
Markets and Prices

Bitcoin legt acht Tage in Folge zu, während die Fed eine unveränderte Zinspolitik signalisiert – Entkopplung oder nur ein Vorbote?

Die US-Notenbank mag zwar eine langweilige Zinspause vorbereiten, doch Bitcoin ist gerade dabei, seine eigene Rebellion zu inszenieren – acht Tage in Folge im Aufwind, und plötzlich fragt sich jeder, ob es sich endlich von den makroökonomischen Fesseln befreit.

GESCHRIEBEN VON
TEILEN
Bitcoin legt acht Tage in Folge zu, während die Fed eine unveränderte Zinspolitik signalisiert – Entkopplung oder nur ein Vorbote?

Powell unter Druck: Fed dürfte Zinsen trotz Kritik von Trump unverändert lassen

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) schließt seine Sitzung vom 17. bis 18. März mit einer Entscheidung ab, die die Märkte bereits eingepreist haben: keine Änderung des Leitzinses, der unverändert bei 3,50 % bis 3,75 % bleibt. Vorhersehbar? Ja. Irrelevant? Keineswegs.

Denn während die Fed sich zurückhält, ist Bitcoin gestiegen – und verzeichnet nun eine acht Tage andauernde Gewinnserie und flirtet mit Werten über 75.000 US-Dollar, eine Entwicklung, die Händler dazu veranlasst zu flüstern, dass Kryptowährungen vielleicht, nur vielleicht, beginnen, nach ihrer eigenen Pfeife zu tanzen. Spoiler: Nicht so schnell.

Analysten bei Bitfinex gossen einen Eimer kaltes Wasser über die Entkopplungs-Theorie und erklärten in einer Mitteilung an Bitcoin.com News, dass die jüngste Stärke von Bitcoin zwar bemerkenswert sei, aber bei weitem keine klare Abkopplung von den allgemeinen Finanzbedingungen darstelle.

„Die jüngste Stärke über 75.000 US-Dollar zeigt zwar eine relative Outperformance, aber es als echte ‚Entkopplung‘ zu bezeichnen, ist verfrüht“, sagten Bitfinex-Analysten gegenüber unserer Redaktion. „Was wir sehen, ist eine eigenwillige Stärke innerhalb eines nach wie vor makroökonomisch verknüpften Rahmens.“

Übersetzung: Bitcoin sieht stark aus – aber es befindet sich nach wie vor im selben wirtschaftlichen Umfeld wie alles andere. Diese Stärke wird laut den Analysten von einer Mischung aus stabilisierenden Zuflüssen in börsengehandelte Fonds, neuer Nachfrage nach strukturierten Produkten wie STRC, reduzierter Verschuldung nach dem Marktrückgang im Februar und einem knapper werdenden On-Chain-Angebot angetrieben.

Mit anderen Worten: Diese Rallye hat Substanz – aber diese Substanz steht immer noch auf makroökonomischem Boden. Und dieser Boden verschiebt sich. Die Inflation hatte sich leicht abgekühlt, wobei die Daten zum Verbraucherpreisindex für Februar einen jährlichen Anstieg von 2,4 % und eine Kerninflation von 2,5 % zeigten. Nicht gerade ein Grund zum Anstoßen, aber genug, um die Hoffnungen auf Zinssenkungen bis ins Jahr 2026 am Leben zu erhalten.

Dann schossen die Ölpreise in die Höhe. Geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran ließen die Rohölpreise auf 100 US-Dollar pro Barrel steigen, was neue Unsicherheit in die Inflationsaussichten brachte und die Märkte zwang, neu zu überdenken, wie schnell die Fed ihre Geldpolitik lockern kann. Das ist für Bitcoin wichtiger, als die „Entkopplungs“-Fraktion zugeben möchte.

„BTC übertrifft andere Risikoanlagen, hat sich aber noch nicht von den Liquiditätsbedingungen gelöst“, fügten die Analysten von Bitfinex hinzu. „Historisch gesehen handelt es sich bei dem, was als ‚Entkopplung‘ bezeichnet wird, eher um eine vorübergehende Abweichung während Positionsanpassungen und nicht um einen strukturellen Bruch in der Korrelation.“

Auch wenn Bitcoin derzeit auf der Überholspur ist, hört es doch immer noch auf dieselbe makroökonomische Melodie – Zinssätze, Liquidität und den stets wachsamen Anleihemarkt. Und gerade jetzt ist diese Melodie lauter geworden.

Das durch Öl getriebene Inflationsrisiko – Brent-Rohöl liegt übrigens immer noch über 100 Dollar – hat die Erwartungen für Zinssenkungen bereits weiter in die Zukunft verschoben, wobei sich einige Prognosen auf Ende 2026 verlagern oder die Anzahl der Senkungen insgesamt reduzieren. Höhere Renditen und ein stärkerer Dollar sind nicht gerade das Umfeld, das nach „Krypto-Unabhängigkeit“ schreit.

Bitcoin Rips for 8 Straight Days as Fed Signals Rate Hold — Decoupling or Just a Tease?
West Texas Intermediate Rohöl via Blackbull Markets und tradingview.com.

Damit sich Bitcoin wirklich abkoppeln kann, muss es weiter steigen, selbst wenn sich diese Bedingungen verschärfen – eine Prüfung, die es bisher noch nicht überzeugend bestanden hat. „Damit dies als echte Abkopplung gelten kann, müsste Bitcoin trotz sich verschärfender finanzieller Bedingungen weiter steigen … was wir bisher noch nicht überzeugend gesehen haben“, so die Analysten. Dennoch gibt es einen Haken – und zwar einen großen.

„Dennoch spielt die relative Stärke eine Rolle“, merkten die Bitfinex-Analysten an. „Wenn sich BTC weiterhin über der Akzeptanzzone von 75.000 bis 78.000 US-Dollar hält, während andere Risikoanlagen hinterherhinken, signalisiert dies eine starke spotgetriebene Nachfrage und eine Absorption des Angebots, was typischerweise der Vorläufer eines nachhaltigen Ausbruchs ist.“

Im Klartext: Wenn diese Niveaus gehalten werden, wird es interessant. Gehen sie verloren, sieht das Ganze eher wie eine weitere Rallye in einem makrogesteuerten Markt aus. Damit rücken die nächsten Wochen in den Mittelpunkt – nicht nur, was die Fed sagt, sondern auch, wie die Märkte darauf reagieren.

Präsident Trump fordert eine Sondersitzung der Federal Reserve zur Senkung der US-Zinsen

Präsident Trump fordert eine Sondersitzung der Federal Reserve zur Senkung der US-Zinsen

Trump fordert von der Federal Reserve dringende Zinssenkungen und übt im Vorfeld der entscheidenden Sitzung Kritik an Jerome Powell. read more.

Jetzt lesen

Powells Pressekonferenz wird sich wahrscheinlich auf bekannte Themen stützen: Geduld, Datenabhängigkeit und Vorsicht angesichts neuer Inflationsrisiken. Aber Händler werden nicht nur seine Worte analysieren – sie werden die Reaktion von Bitcoin in Echtzeit beobachten.

Denn sollte Bitcoin weiter steigen, während die Zinsen hoch bleiben und die Liquidität knapper wird, würde das Narrativ der Entkopplung neu betrachtet. Wenn nicht, nun ja – willkommen zurück bei den Makrofaktoren. Und vorerst steht das Urteil noch aus.

FAQ 🔎

  • Entkoppelt sich Bitcoin im Jahr 2026 von den traditionellen Märkten? Noch nicht – Analysten sagen, dass es weiterhin auf Zinssätze, Liquidität und makroökonomische Bedingungen reagiert.
  • Warum steigt Bitcoin trotz der Unsicherheit der Fed? ETF-Zuflüsse, neue Nachfragequellen und eine geringere Verschuldung tragen dazu bei, den Aufschwung zu stützen.
  • Welches Preisniveau ist für Bitcoin derzeit am wichtigsten? Ein Halten zwischen 75.000 und 78.000 US-Dollar ist entscheidend, um anhaltende Stärke zu signalisieren.
  • Wie wirkt sich die Fed auf den Bitcoin-Preis aus? Höhere Zinsen und eine verknappte Liquidität belasten in der Regel Risikoanlagen, darunter auch Bitcoin.